Mit 20 Büdchen fing 2016 alles an: Der Büdchentag war in Düsseldorf geboren – und er wuchs mit jedem Folgejahr an. Das Epizentrum lag in der Innenstadt und den Vierteln im Stadtbezirk 3: Bilk, Oberbilk, Unterbilk und auch Friedrichstadt. Doch mit jeder Ausgabe wurden die Fühler weiter ausgestreckt. In diesem, dem zehnten Jahr, gab es mit 70 Büdchen eine Rekordteilnahme.

Und so wird auch ein Kiosk zum Ort gelebter Subkultur, dem man das nicht unbedingt zutrauen würde. Denn das Büdchen von Conny und Willi am Hördtweg an der Grenze von Rath und Mörsenbroich steht eher für das nachbarschaftliche Miteinander. Aber das darf ja ebenso gefeiert werden, es muss ja nicht unbedingt immer DJ-Mucke und Kunst-Performance sein. Das sieht Chefin Conny Pflug genauso: „Die Leute treffen sich hier einfach zum Quatschen, Musikhören und um ein Bierchen zu trinken – ohne großes Programm“, sagt sie. „Das muss ich in dieser Form auch nicht jeden Tag haben – höchstens jeden zweiten.“

Kontrastprogramm in Flingern: Hier kann alle 50 Meter gefeiert werden. Angefangen auf dem sonst wegen des gegenüberliegenden Suchthilfezentrums meist gemiedenen Karl-Wagner-Platz, wo es mehrere Live-Bands vor der S&V-Trinkhalle ordentlich krachen lassen. Weiter geht es zum Dorotheenplatz, hier sorgt das Reggae Allstar Team für karibische Vibes. Der Hermannplatz ist bei dem schönen Wetter prall gefüllt, hier kommen viele Familien mit ihren Kindern hin und genießen den Tag. Einige nehmen dann ihren Drink einfach mit, wenn sie um die Ecke am Kiosk 46 House-Musik vom DJ bevorzugen.

Familiär geht es auch auf dem umgebauten Schillerplatz zu, den die Nachbarschaft nach der Wiedereröffnung gut angenommen hat. „Ich finde, was die Stadt hier geschaffen hat, wirklich gelungen. Aber wir mussten ja lange genug darauf warten“, sagt Britta Dahlmann, die auf die Verzögerungen bei der Neugestaltung des Platzes anspielt. Am Kult-Büdchen Chill nehmen die Düsseltaler auch eine lange Schlange in Kauf, um ihr Bier zu bekommen, die Kinder erfreuen sich derweil an den Vorführungen von Clown Gustave Malheur, der ihnen ein verzücktes Kreischen entlockt. An den Trinkhallen an der Herder- und der Rethelstraße steht dagegen wiederum elektronische Dancemusik im Vordergrund.

Bis auf die Straße steht das meist junge Publikum vor der Trinkhalle am Rochusmarkt, wo sich mehrere DJs an den Turntables abwechseln. „Das ist so cool hier, wir kommen jedes Jahr“, sagt die 19-jährige Sabrina. Ihre Freundin nickt heftig: „Eigentlich schade, dass es den Büdchentag nur einmal im Jahr gibt“, sagt Leslie (20). Gegenüber auf dem Platz gibt es zudem noch jede Menge Infos zum Bienenzuchtverein und der Fahrradwerkstatt Rheintritt. Und das Stadt:kollektiv bastelt mit den jungen Besuchern Armbänder.

„Das wird nachher bestimmt noch viel voller hier“, sagt Musa Adigüzel, der das Büdchen am Staufenplatz betreibt. Schon gegen 15 Uhr kann er sich eigentlich nicht beklagen, mindestens 50 meist junge Besucher lauschen dem DJ-Set und alle Bänke und Stühle in der Sonne sind besetzt. „Im Vorjahr waren es um die 400, die haben sich dann einfach gegenüber vor der Sparkasse auf den Boden gesetzt“, berichtet Adigüzel. Seit drei Jahren macht er beim Büdchentag mit, „dabei wollte ich das gar nicht, weil ich Angst hatte, die Nachbarn würden sich beschweren. Aber die feiern jetzt einfach mit“. Der umsatzstärkste Tag sei das für ihn trotzdem nicht unbedingt. „Ich habe auch sonntags auf und hier am Staufenplatz gibt es sonst nichts. Das lohnt sich“, sagt der Kioskbetreiber.

Und so dürfte sich auch der zehnte Büdchentag für alle Teilnehmer gelohnt haben. Am Sonntag will der Betreiberverein Bilanz ziehen, die Zahl der bisher stets um die 15.000 Teilnehmer dürfte dann locker übertroffen werden.