In den 1980ern verzauberte Johnny Logan ganz Europa. Am Freitag brachte der Ire seine großen Hits zum „SWR 4“-Festival nach Wörth. Und siehe da: Der Zauber wirkt noch.

Es gab Momente in der langen Karriere, da fühlte sich Johnny Logan auf den Eurovision Song Contest reduziert. Ja, er galt und gilt als „Mr. ESC“, schließlich hat er den Wettbewerb gleich dreimal gewonnen: Zweimal als Sänger – 1980 mit „What’s Another Year“ und 1987 mit „Hold Me Now“ -, einmal als Komponist (1992) mit „Why Me?“, gesungen von Linda Martin. „Alles, was ich danach gemacht habe, wurde dann von vielen mehr oder weniger ignoriert“, hatte Logan vor einigen Tagen im RHEINPFALZ-Interview moniert. Er weiß aus erster Hand: So ein ESC-Sieg kommt nicht ohne Haken und Ösen. Er öffnet nicht nur Türen, er kann sie auch verschließen. Und davon erzählte er auch recht freimütig auf der Bühne der Festhalle in Wörth.

„Eigentlich war ich als Sänger des Hits ,You Raise Me Up’ vorgesehen, den Rolf Løvland 2001 schrieb. Er wollte unbedingt einen irischen Sänger für den Song und hatte an mich gedacht. Auch die Plattenfirma war sich sicher, dass das Ding durch die Decke gehen würde. Sie wollten ihn aber partout nicht mir geben, weil sie den Song nicht mit dem ESC in Verbindung gebracht sehen wollten“, plauderte Logan aus dem Nähkästchen. Die Nummer wurde zum Hit für andere, unter anderem für Josh Groban und Westlife. Logan hat den Song erst 2018 für eine Kompilation der Band Secret Garden aufgenommen. Dass der Welt da knapp 20 Jahre durchaus etwas entgangen war, hat er mit seiner emotionalen Performance des Lieds in Wörth denn auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Mit Humor und Herz

Logan ist aber keiner, der ob solcher Anekdoten in Bitterkeit versinkt, im Gegenteil. Der Mann ist der geborene Entertainer, er sprudelte auf der Bühne nicht nur vor Spiel-, sondern auch vor Erzählfreude, war sich für keinen Witz, für keinen Spruch zu schade. Seine Energie übertrug sich blitzschnell auf das Publikum, das ebenso wie der Künstler von Sekunde eins an voll da war. Ein Traum für SWR4, das das Konzert mitschnitt (und auch live gestreamt hat). Schon nach sechs Songs gab es Standing Ovations, nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Die ESC-Hits: natürlich alles im Repertoire, „Hold Me Now“ gab es sogar gleich zweimal, einmal in der regulären, einmal in der rasanteren Version. Auch vom bald erscheinenden, neuen Album hatte Logan schon etwas im Gepäck, unter anderem das intensive „Whiskey and Wine“. Logan ist seit 23 Jahren trocken, verarbeitet in der Nummer aber seinen früheren Kampf mit dem Trinken und die schlechten Entscheidungen, die er in dieser Zeit getroffen hat. Neulich hat er das Lied auch als Duett mit Andreas Gabalier aufgenommen.

Nicht die einzige überraschende Kollaboration, die Logan in letzter Zeit hatte. In Wörth brachte er auch „Hard Rock Hallelujah“ zu Gehör, eigentlich ein Stück der finnischen Metal-Kapelle Lordi, von Logan entsprechend an seinen eigenen Stil angepasst. Die Finnen, die die Idee zu einem Songtausch hatten, haben ihrerseits eine Metalversion von „Hold Me Now“ aufgenommen. Mit dem Song-Swap waren Lordi und Logan auch gemeinsam im „ZDF Fernsehgarten“ zu sehen.

Dass in Logan ein echter (Blues-)Rocker steckt, ist kein Geheimnis. In Wörth blitzte das immer wieder auf, etwa bei seinem Janis-Joplin-Cover „Piece of My Heart“ („Mercedes Benz“ gab es noch gratis obendrein) oder der B.B. King-Hommage „House of Lucille“.

Das heimliche Glanzlicht des Abends: die energetische Darbietung des wunderbaren „Irish Soul“, eine Nummer, wie gemacht für die Bühne, weil sie auf eben dieser nochmal viel mehr Druck entfaltet als in der Studioversion. Was auch an der fantastischen Band lag, die den gut aufgelegten Logan in Wörth begleitete. Inklusive Bläsersatz. Der Mann hat fett aufgefahren.

Nach zwei Stunden war dann Schicht im Schacht, Logan, immerhin auch schon 72 Jahre alt, hatte vorher noch ein Bad in der Menge genommen, war durch die Reihen und über – die wenigen freien – Stühle geklettert, hat viele Hände geschüttelt und Umarmungen verteilt. Ein Star zum Anfassen, mit einer Stimme gesegnet, bei der viele jüngere Kollegen vor Neid erblassen. 

Johnny Logan mit Mr. Lordi in einem Restaurant, nach dem Auftritt im Fernsehgarten. Johnny Logan mit Mr. Lordi in einem Restaurant, nach dem Auftritt im Fernsehgarten.Foto: Privat/Oho