3. Liga
Stand: 05.09.2026 11:08 Uhr
Der FC Hansa Rostock ist gut in die 3. Liga gestartet. Das hat mit einem Systemwechsel zu tun – und einer dazu passenden Transferpolitik. Die Mecklenburger sind auf Kurs, haben aber auch weiter Aufgaben zu lösen, wie die Analyse vor dem Spiel gegen den SV Wehen Wiesbaden zeigt.
„Alle in blau“, so lautet der Aufruf des FC Hansa für das Heimspiel heute gegen die Hessen (14 Uhr, live im TV und im Livestream bei NDR.de). Die Rostocker Anhänger sind also aufgefordert, möglichst blau gekleidet ins Ostseestadion zu kommen – ob T-Shirt, Trikot, Pullover oder Jacke ist angesichts von erwarteten Böen und Schauern aber den Fans überlassen.
Psychologisch jedenfalls passt die Farbwahl – ob beabsichtigt oder nicht – gut in die vergangenen Tage, ja vielleicht sogar die vergangenen Wochen des Tabellenzweiten. Blau wird häufig mit Ruhe, Ausgeglichenheit und Klarheit assoziiert. Und während es bei vielen Clubs Deutschlands am Dienstag, dem sogenannten „Deadline Day„, hektisch zuging, war Hansas „gewichtigste“ Meldung des Tages, dass Innenverteidiger Dario Gebuhr erneut verliehen wird.

Drittligist distanziert sich
Im Zuge des Freundschaftsspiels beim Watford FC sollen sich Rostocker Hooligans mit Anhängern aus Schottland und Frankreich geprügelt und mit nationalsozialistischen Symbolen posiert haben.
FCH schafft die versprochenen wirtschaftlichen „Werte“
Nicht, dass die Verantwortlichen um Sportdirektor Amir Shapourzadeh am Dienstag „blau gemacht“ hätten. Sie hatten ihre Arbeit für dieses Transferfenster nur eben vorher schon weitgehend getan. Eine – im wahrsten Sinne – Nacht- und Nebel-Aktion wie im Februar, als Ryan Naderi zu den Glasgow Rangers transferiert wurde, blieb aus.
Apropos Naderi: Dessen Rekord-Abgang (zwischen fünf und sechs Millionen Euro) steht symbolisch für den unter Shapourzadeh eingeschlagenen sportlichen wie wirtschaftlichen Kurs. Der 43-Jährige wollte die „Kogge“ wieder zu einer „attraktiven Adresse für hoch veranlagte Spieler aus der Region, ganz Deutschland und dem Ausland“ machen. Den Transfer von Naderi wertete er im Februar daher „als Beleg dafür, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, wieder Werte für den Verein zu schaffen“.
Hansas Transfers folgen neuem System des Trainers
Wirtschaftlich hat auch der Abgang des Stürmers dazu beigetragen, den Club kräftig zu entschulden, wie die kürzlich vorgelegte Bilanz zeigte. Die Mecklenburger konnten ihre Verbindlichkeiten von 12,5 auf 3 Millionen Euro drücken. Doch auch sportlich passen der Naderi-Transfer sowie die im Sommer getätigten Neuverpflichtungen ins Bild, wie die Datenexperten des Global Soccer Networks (GSN) feststellen.

Nach NDR Informationen hat der Fußball-Drittligist in den vergangenen Monaten rund 9,5 Millionen Euro Schulden getilgt.
Die Transferstrategie nennen sie „systemorientiert statt namenorientiert“. Als Beispiel: Leon Dajaku, Niklas Kölle und die neue linke Seite. Die war am vergangenen Sonntag beim 4:2-Erfolg bei Aufstiegs-Mitfavorit Saarbrücken der Sieggarant. Alle Treffer – ob aus dem Spiel heraus oder per Standard – hatten ihren Ausgangspunkt auf dieser Seite.
„Keine bloße Verschiebung auf dem Taktikboard“
Der Sieg im Saarland war so auch eine Folge der Systemumstellung von Trainer Daniel Brinkmann von einem 4-3-1-2 hin zu einem 4-2-3-1. Die GSN-Experten sehen darin keine bloße „Verschiebung eines Spielers auf dem Taktikboard“. Aus ihrer Sicht haben sich nach den bisherigen Partien im Spiel „alle wesentlichen Beziehungen innerhalb der Mannschaft“ verändert: „die Breitenstaffelung, die Rollen der Außenverteidiger, die Besetzung des Zentrums, die Positionierung nach Ballverlusten, die Aufgaben des Zehners, die Funktion des Mittelstürmers und vor allem die Art, wie Hansa in den Strafraum gelangt.“

In der Liga weiter ungeschlagen
Die Mecklenburger gewinnen auch ihr zweites Auswärtsspiel der Saison und sind nach drei Spieltagen oben in der Tabelle der 3. Liga mit dabei.
Dajaku und Kölle als Sinnbilder
Die Rostocker haben bislang „weniger Ballbesitz, kommen mit diesem Ballbesitz aber häufiger in gefährliche Räume“. Siehe Dajaku und Kölle, die im Sommer ablösefrei von Drittliga-Absteiger SSV Ulm 1846 an die Ostsee wechselten. Zwei Transfers, die – sollten sie weiter so spielen – wirtschaftlichen Wert für Hansa schaffen könnten.

Hansa-Neuzugang Leon Dajaku.
Zwei Transfers aber auch, die laut Einschätzung von GSN in der zurückliegenden Spielzeit in der Form nicht gepasst hätten: „Mehr Flügelspieler machen nur Sinn, wenn sie auch natürliche Positionen erhalten. Mehr Außenverteidigeroptionen machen nur Sinn, wenn deren Rollen variabler gestaltet werden.“ Anders formuliert: Im eher zentrumslastigen Spiel des FCH der zurückliegenden Saison wären Dajaku und Kölle „verschenkt“ gewesen.
Stabiler Kern, neue „Peripherie“
Beide profitieren bislang aber auch davon, dass es Shapourzadeh und Brinkmann gelungen ist, den Kern der Mannschaft zu halten – mit Ahmet Gürleyen, Lukas Wallner, Florian Carstens, Franz Pfanne, Kenan Fatkić, Jonas Dirkner oder Maximilian Krauß zum Beispiel.
Das Zwischenfazit: Die Achse blieb, die „Peripherie“ wurde verändert. Und eben diese die „Peripherie“, die Außenbahnen, sind laut GSN im neuen System „wesentlich wichtiger als zuvor“. Zehn Tore nach drei Begegnungen sind Ausdruck eines sehr viel zielstrebigeren Angriffsspiels – sieben Punkte und Platz zwei die Belohnung. „Wir sind sehr überzeugt von unserem Weg“, sagte Trainer Brinkmann: „Amir stellt mir im Zusammehang mit der Scoutingabteilung einen sehr guten Kader stellt.“

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick.
Enstanden ist das aus einem Wechselspiel von Ruhe und Sturm: Mehr Ruhe und strategische Klarheit außerhalb des Rasens haben für besseres Spiel und mehr „Sturm“ auf dem Platz gesorgt, was wiederum für mehr Ruhe im Umfeld sorgt. Zum Vergleich: In der Vorsaison wurde die Zehn-Tore-Marke erst am elften Spieltag geknackt – dank eines 3:0-Erfolgs über Wehen Wiesbaden. Der FCH stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang 14, Trainer Brinkmann in der Kritik.
Die Balance zwischen beiden Flügeln bleibt ein Entwicklungsfeld.
GSN-Analyse
Bei aller Entwicklung in den vergangenen Monaten gibt es aber auch noch genug Baustellen. Offensiv „bleibt die Balance zwischen beiden Flügeln ein Entwicklungsfeld“ für die Datenexperten. Hansa ist aktuell sehr linkslastig. Die Verpflichtung von David Kopacz, der am vergangenen Wochenende noch von Zweitligist VfL Osnabrück geholt wurde, könnte helfen, diese Balance herzustellen.

Bei welchem Verein man sich das nächste Fußball-Spiel anschaut? Wie wäre es mit einer Partie des FC Hansa Rostock ?
Rostock muss den Strafraum besser schützen
Und defensiv wird Brinkmann mit seinem Team Lösungen finden müssen, die Gegentorflut zu stoppen. Sieben sind es bislang, auch wenn die Mecklenburger insgesamt weniger Chancen zulassen. Nur „wenn der Gegner durchkommt, wird die Situation zu gefährlich“ (GSN). So fielen alle bisherigen Gegentreffer aus dem eigenen Strafraum heraus.
Über die Saison hinweg wird es also auch um die Balance zwischen Offensive und Defensive gehen. Und auch das passt zum Samstag und der Partie gegen Wiesbaden, wo Coach Brinkmann aus einem „guten einen sehr guten Start“ machen möchte. Der Spieltag steht nämlich nicht nur unter dem Motto „Alle in blau“, sondern ist auch der Nachhaltigkeit gewidmet. Oder – auf den Fußball gemünzt: Wird die zuletzt positive Entwicklung verstetigt, wäre es ein weiterer Baustein für den avisierten Aufstieg.