Allein der Name Nosferatu-Spinne löst bei einigen Menschen schon Unbehagen aus. Findet man ein Exemplar in der eigenen Wohnung, ist bei vielen sogar Panik angesagt. Doch was macht die Zoropsis spinimana – wie die Nosferatu-Spinne im Lateinischen heißt – eigentlich so Furcht einflößend? Wie werde ich das Tier wieder los? Und ist sie wirklich gefährlich? Ein Experte aus Bielefeld klärt auf.
Wo wurde die Nosferatu-Spinne in OWL schon gesichtet?
Die Nosferatu-Spinne stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und gilt hier als Neozoon, also eine gebietsfremde Art, die sich dauerhaft etabliert hat. Durch den Klimawandel breitet sie sich seit einigen Jahren aber auch in Deutschland aus – mittlerweile auch in Ostwestfalen-Lippe. „Die erste Sichtung einer Nosferatu-Spinne war 2005 in Köln“, erklärt René Köhler. Der Kurator der biologischen Sammlung im Naturkundemuseum Bielefeld beschäftigt sich nicht nur beruflich, sondern auch privat mit den Tieren. „Auf meiner Baustelle habe ich schon einige Nosferatu-Spinnen eingesammelt.“
Die Nosferatu-Spinne sei in OWL vor allem in Bielefeld, Bünde und Leopoldshöhe verbreitet. Etwa am Botanischen Garten in Bielefeld sowie in Brackwede gebe es recht ausgewachsene Populationen. Eine erste vom Naturschutzbund (NABU) bestätigte Sichtung ist auf September 2022 datiert. Damals fand ein Familienvater das Tier auf dem heimischen Sofa in der Nähe des Botanischen Gartens. „Mittlerweile ist sie da und geht auch nicht mehr weg“, schätzt Köhler. Dafür komme die Spinne zu gut mit unserem urbanen Lebensraum klar.
Wie weit sich die große braune Spinne in OWL bereits ausgebreitet hat, zeigt auch die Naturbeobachtungsplattform Observation.org. Bürgerwissenschaftler und Naturinteressierte können dort weltweit Daten eintragen und Fotos einreichen – von ganz verschiedensten Tier- und Pflanzenarten. Darunter findet sich auch die Zoropsis spinimana, die auf der Karte auch in OWL mehrfach gemeldet wurde.
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Wie erkenne ich eine Nosferatu-Spinne?
Ihren Namen verdankt die Nosferatu-Spinne ihrer auffälligen Maserung beziehungsweise ihrem Muster auf dem Vorderleib. Sie erinnert an das Gesicht des Vampirs aus dem Filmklassiker „Nosferatu“.
Die markante Maserung auf dem Vorderleib der Spinne erinnert an den Vampir aus dem Film „Nosferatu“. In der Natur dient das Muster zur Tarnung.
| © Naturkundemuseum Bielefeld/René Köhler
Die Spinne ist abgesehen von ihrer schwarzen Maserung eher bräunlich gefärbt. Die acht Beine sind samtig und kräftig. Der Körper kann bis zu zwei Zentimeter groß werden, die Spannbreite der Beine beträgt etwa fünf Zentimeter. Außerdem ist sie „eine der schnellsten Spinnen, die es gibt“, weiß Köhler. Dabei bewege sie sich eher seitwärts – „ähnlich einer Krabbe“ – statt vorwärts oder rückwärts.
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Ist die Spinne giftig und gefährlich?
„Ja, alle Spinnenarten sind giftig“, sagt der Experte. Ihr Gift brauchen Spinnen, um ihre Beute zu töten oder vor dem Fressen zu zersetzen. Für den Menschen stellen die allermeisten Spinnen jedoch keine Gefahr dar. Sie sind eigentlich friedliebend.
Bevor es zum Äußersten kommt, zögen sich die Tiere immer erst zurück. „Nur wenn sie eingeklemmt werden, könnten sie zur Verteidigung zubeißen“, meint Köhler. Eine Nosferatu-Spinne könne mit ihrem Beißwerkzeug eher nur dort, wo die menschliche Haut dünn ist, durchschlagen.
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Bei einem Biss der Spinne gelangt Speichel in die Wunde und kann zu einer Reaktion des Immunsystems führen. „Das schmerzt vielleicht etwas mehr als ein Mückenstich, aber weniger als ein Wespenstich“, beschreibt Köhler. Menschen, die bereits auf die Kriebelmücke oder auf Wespen allergisch reagieren, könnten auch hier eine etwas stärkere Reaktion zeigen. Dann ist ein Gang zum Arzt zur Abklärung anzuraten.
Wo hält sich die Nosferatu-Spinne am liebsten auf?
Zu finden ist die Spinne dort, wo es warm ist. Ab Herbst zieht es die Krabbeltiere daher nahezu magisch ins Haus. Dabei orientieren sie sich krabbelnd an Hauswand und Kanten. Fliegen können nur die ganz kleinen Spinnenbabys, die sich an ihrer Spinnenseide mit dem Wind gleiten lassen. „Da spricht man auch von Luftplankton“, weiß der Fachmann.
„In jeder Wohnung gibt es Spinnen, das lässt sich nicht vermeiden“, sagt Köhler. Das muss allerdings nicht unbedingt die Nosferatu-Spinne sein. Ein anderes Spinnenexemplar komme besonders häufig vor und könne die Nosferatu-Spinne sogar fernhalten: „Diese ganz dünnen Spinnen, die oft mit Weberknechten verwechselt werden, heißen Zitterspinnen.“ Sie jagen vor allem andere Spinnen. Die Zitterspinnen können andere Arten laut dem Experten so lange in ihrem Netz einwickeln, bis sie den tödlichen Giftbiss bekommen – auch die Nosferatu-Spinne.
In den meisten Fällen bekomme man die Nosferatu-Spinne jedoch gar nicht zu Gesicht, denn sie ist eine Nachtjägerin und spinnt keine Netze.
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Nosferatu-Spinne in der Wohnung: Wie entfernen?
Eine Nosferatu-Spinne sollte man besser nicht auf die Hand nehmen. Fühlt sie sich bedroht, beziehungsweise wird sie eingeklemmt, könnte sie beißen. Mit einem Glas oder Becher lässt sich das Tier nach draußen bringen.
| © picture alliance/dpa
Wer die Spinne, die zur Art der Kräuseljagdspinnen gehört, doch in der Wohnung findet, kann sie vorsichtig nach draußen bringen. „Ich rate davon ab, sie auf die Hand zu nehmen“, sagt Köhler. Stattdessen kann ein Glas, Becher oder Gefäß sowie ein Stück Pappe oder Papier helfen. Aber Achtung, die Tiere sind sehr flink und können bis zu 30 Zentimeter weit springen. „In der Regel von der Gefahr weg.“
Zur Paarungszeit im Spätsommer bis Herbst könnte auch ein Kokon, der den Spinnennachwuchs beherbergt, in der Wohnung auffallen. „Meist wird der am Fensterrahmen oder einer anderen kleinen Ecke angebracht“, weiß der Experte. Das Spinnenweibchen bewache die Brut und solle daher zunächst eingefangen werden. Der Kokon mit den Eiern kann dann ebenfalls abgekratzt und nach draußen gebracht werden.
Wie kann man die Spinnen fernhalten?
Ein verlässliches Abwehrmittel, etwa ein besonderer Duft oder eine andere Tierhaltung, gebe es nicht. „Das interessiert die Nosferatu-Spinne alles nicht“, erklärt Köhler. Wer den Weg ins Haus zumindest etwas erschweren möchte, kann auch im Herbst und Winter auf Fliegengitter vor den Fenstern setzen.

