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Eine der bekanntesten Autohausgruppen Deutschlands steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Fall zeigt, wie stark der Druck im Autohandel wächst.
München – Das Autohaus König, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Renault-Händler, hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 1200 Beschäftigte an 82 Standorten. Das Berliner Familienunternehmen gehört zu den bekanntesten Autohandelsgruppen Deutschlands – und steht nun nach sechs Jahrzehnten Wachstum vor einer ungewissen Zukunft.
Autohaus König: Der Berliner Autohändler hat nach Medienberichten Insolvenz angemeldet. Die Gruppe gilt nach eigenen Angaben als größter Renault-Händler Deutschlands und betreibt 82 Standorte mit rund 1200 Beschäftigten. © IMAGO/Joko
Die Insolvenz trifft eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. Autohändler klagen über wachsende Vorgaben der Hersteller, steigende Bürokratie, schwache Kauflaune und eine Politik, die das Auto zunehmend als Problem betrachte. Der Fall Autohaus König gilt vielen Beobachtern deshalb als Symbol für die Krise des deutschen Autohandels.
Autohaus König meldet Insolvenz an
Das Unternehmen selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu den Berichten geäußert. Nach Informationen der „Welt“ unter Berufung auf vertrauliche Unternehmensunterlagen wurde die Belegschaft lediglich per „Hausmitteilung“ über die Lage informiert. Auch das Branchenportal „Autohaus“ berichtete über finanzielle Schwierigkeiten und verwies auf ein Schreiben, in dem aus rechtlichen Gründen auf amtliche Bekanntmachungen zu einem Insolvenzverfahren verwiesen wird.
Das Familienunternehmen wurde 1966 als Werkstatt in West-Berlin gegründet. Über drei Generationen wuchs Autohaus König zu einer der größten Autohausgruppen Deutschlands heran. Zuletzt betrieb die Gruppe 82 Standorte, vor allem im Osten Deutschlands. Nach eigenen Angaben ist Autohaus König der größte Renault-Händler Deutschlands und war zudem der erste deutsche Dacia-Händler.
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Neben Renault und Dacia vertrieb das Unternehmen zahlreiche weitere Marken. Zum Portfolio gehörten unter anderem Fahrzeuge von Opel, Fiat, Jeep, Suzuki, BYD, Kia und weitere Modelle sowie Zweiräder. Damit war Autohaus König längst mehr als ein klassischer Renault-Betrieb. Die Gruppe hatte sich zu einem breiten Mobilitätsanbieter mit großer regionaler Präsenz entwickelt.
Rekordzahlen machen Insolvenz überraschend
Umso überraschender wirkt der Insolvenzantrag, weil die wirtschaftlichen Kennzahlen zuletzt auf den ersten Blick stabil erschienen. Allein im ersten Quartal 2025 verkaufte das Unternehmen 11.600 Fahrzeuge. Auch der Werkstattumsatz stieg auf eine Rekordhöhe. Die „Welt“ berichtet nun, vertrauliche Papiere zeigten das Ausmaß des tiefen Falls.
Wie es trotz dieser Rekordwerte zur Zahlungsunfähigkeit kommen konnte, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Möglich ist, dass mehrere Belastungen zusammenkamen: hohe Finanzierungskosten, steigende Betriebsausgaben, Herstelleranforderungen, Margendruck und ein schwieriger Automarkt. Belegt ist im Moment vor allem: Die Insolvenz eines so großen Händlers zeigt, wie angespannt die Lage im Autohandel geworden ist.
Krise des Autohandels verschärft sich
Die Pleite von Autohaus König fällt in eine Phase, in der viele Händler ihr Geschäftsmodell neu sortieren müssen. Elektroquoten, Direktvertrieb der Hersteller, neue Agenturmodelle, hohe Investitionen in digitale Prozesse und Ladeinfrastruktur sowie schwankende Nachfrage verändern den Markt. Viele Händler müssen gleichzeitig mehr investieren und mit geringeren Margen auskommen.
Besonders schwierig ist die Lage für große Autohausgruppen mit vielen Standorten. Sie brauchen hohe Auslastung im Verkauf und im Service, müssen aber zugleich Personal, Immobilien, Finanzierung und Lagerbestände tragen. Wenn sich die Nachfrage abschwächt oder Hersteller Konditionen verändern, geraten solche Strukturen schnell unter Druck.
Neuer Händlerverband VAD nimmt Arbeit auf
Die Insolvenz von Autohaus König fällt zudem in eine Zeit des Aufbruchs in der Branche. Zeitgleich hat der neu gegründete Verband der Automobilhändler Deutschlands seine Arbeit aufgenommen. Der Verband wurde am 18. September 2025 in Münster gegründet. Initiiert wurde er von führenden Autohausunternehmern, darunter Burkhard Weller, Helmut Peter, Peter Schäfer und Kurt-Christian Scheel.
Das erklärte Ziel des VAD ist es, Händlerinteressen gegenüber Politik und Herstellern stärker durchzusetzen. „Die Hersteller machen uns das Leben immer schwerer. Deswegen brauchen die Autohändler eine eigene, wirksame Vertretung ihrer Interessen“, sagte VAD-Vertreter Burkhard Weller dem Magazin „Autohaus“. Weller betonte außerdem: „Wir wollen erreichen, dass die Politik erkennt: Verkehrspolitik geht nur mit den Händlern und nicht gegen die Händler.“
Händler wollen eigene Stimme gegenüber Herstellern
Der VAD versteht sich als reine Händlervertretung – im Unterschied zum bisherigen Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, der auch das Kfz-Handwerk vertritt. „Nur der VAD ist Händler pur“, betonte Weller. Mitglied können alle Neuwagenhändler werden, die nicht von einem Hersteller kontrolliert werden. Der Mitgliedsbeitrag beginnt bei 5000 Euro für kleine Händler.
Langfristig strebt der Verband einen Organisationsgrad von über 80 Prozent des Fahrzeugabsatzes an. Das zeigt, wie groß der Wunsch nach einer stärkeren politischen und wirtschaftlichen Interessenvertretung ist. Viele Händler sehen sich zwischen Herstellervorgaben, Regulierung und Kundenverhalten aufgerieben.
300.000 Beschäftigte im deutschen Autohandel
Der deutsche Autohandel beschäftigt nach eigenen Angaben rund 300.000 Menschen. Die Branche ist damit nicht nur ein Vertriebsarm der Hersteller, sondern ein bedeutender Arbeitgeber. Besonders in kleineren Städten und regionalen Märkten sind Autohäuser wichtige Betriebe für Verkauf, Service, Ausbildung und Werkstattgeschäft.
Genau deshalb hat eine Insolvenz wie bei Autohaus König Signalwirkung. Wenn eine große Gruppe mit 82 Standorten und 1200 Beschäftigten ins Wanken gerät, ist das mehr als ein Einzelfall. Es zeigt, wie stark die Transformation des Automarkts inzwischen auch den Handel erreicht. Während Hersteller über Elektromobilität, China-Konkurrenz und Plattformstrategien sprechen, müssen Händler vor Ort die Folgen tragen. (Quellen: Welt, Autohaus, Business Insider, Autohaus König, Verband der Automobilhändler Deutschlands) (mare)