Ein Autofahrer hat an einer Tankstelle einen Kanister mit Benzin befüllt.

AUDIO: Benzinklau in Halle: Einzelfall oder bundesweites Phänomen? (3 Min)

Hohe Spritkosten

Stand: 06.09.2026 05:00 Uhr

In Halle häufen sich derzeit Fälle von Benzinklau. Abseits von Tankstellen werden Fahrzeuge aufgebrochen und Kraftstoff entwendet. An Tankstellen geht es zudem um systematischen Tankbetrug durch manipulierte Zapfsäulen. Ist Halle ein Einzelfall – oder mehren sich ähnliche Fälle auch in anderen Regionen?

von Juliane Neubauer, MDR AKTUELL

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Am Freitagmorgen entdeckte eine Autobesitzerin in Halle ihren gewaltsam geöffneten Tankdeckel und Tankverschluss an ihrem PKW. Die Polizei stellte daraufhin fest, dass nicht nur aus ihrem Fahrzeugtank Benzin gestohlen wurde, sondern aus zwei weiteren in direkter Umgebung.

Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 wurden 68 Fälle von Benzinklau in Halle gemeldet. Das sind siebenmal mehr Fälle als in den acht Monaten davor.

Benzinklau aus Privatautos selten

Das entspräche aber nicht dem deutschlandweiten Trend und sei eher ein regionaler Einzelfall, weiß Dirk Peglow, Bundesvorsitzender vom Bund Deutscher Kriminalbeamter: „Den Benzinklau als solches würde ich jetzt tatsächlich nicht als besorgniserregende Entwicklung ansehen. Der Tankbetrug ist eher ernst zu nehmen, da haben wir natürlich erheblich mehr Fälle.“

Wir sehen Sprinter mit eingebauten 1.000-Liter-Tanks und manipulierte Tankautomaten.

Daniel Kaddik, Bundesverband freier Tankstellen

Auch das Tanken an einer Tankstelle ohne Bezahlen passiere eher selten, weiß Daniel Kaddik vom Bundesverband freier Tankstellen. Allerdings beobachte er eine neue Qualität des Betrugs: „Da sehen wir Sprinter, wo auf einmal 1.000-Liter-Tanks mit eingebaut werden und Manipulation von Tankautomaten. Die werden dann außer Kraft gesetzt und dann wird fast der gesamte Tankinhalt aus dem Boden geholt. Da sehen wir tatsächlich deutlich mehr kriminelle Energie.“

Betrugsfälle in Sachsen-Anhalt nehmen stetig ab

Jährlich gebe es da ewa eine Handvoll dieser Extremfälle. In Sachsen-Anhalt nehmen die Fälle von Tankbetrug seit 2022 stetig ab. Im letzten Jahr waren es noch etwa 2.300 gemeldete Fälle, von denen die Hälfte aufgeklärt wurde, wie das Landeskriminalamt meldet.

Daniel Kaddik vom Tankstellenverband sieht im Benzinklau eher eine Randerscheinung: „Wenn jemand anfängt, mit dem Plastikschlauch Benzin aus Automobilen abzusaugen, wo vielleicht 20 oder 30 Liter im Tank sind – das scheint mir ja eher Kleinkriminalität und vielleicht auch eine Verzweiflungstat oder Beschaffungskriminalität zu sein.“

Schäden am Fahrzeug meist höher als erbeuteter Sprit

Für die Fahrzeughalterinnen und -halter ist es allerdings mehr als eine Kleinigkeit, wenn aus ihrem Fahrzeug Benzin geklaut wird, so Dirk Peglow vom Bund deutscher Kriminalbeamter: „Bei den Benzindiebstählen müssen wir ja nicht nur den reinen Verlust des Benzins sehen. Hier entstehen ja häufig erhebliche Schäden dadurch, dass Tankzugänge aufgebrochen oder Tanks selbst beschädigt werden.“

Der Schaden, der bei der Tat am Auto entstehe, sei dann häufig höher als der Wert des erbeuteten Kraftstoffs.

Wer sich vor Benzinklau schützen will, dem rät die Polizei einen abschließbaren Tankdeckel. Vor der Fahrt sollten Fahrer unter ihrem Auto nach Spänen und Lecks schauen und im Fall der Fälle sofort die Polizei benachrichtigen.