Bielefeld. Die alte Lady will nicht mehr anspringen. „Manchmal hat sie Stimmungen. Dann hilft nur noch Starthilfe-Spray“, sagt Olaf Null und streicht behutsam über den Sattel seines Bastert-Motorrads. Der Heeper Hersteller von Nähmaschinen, Fahrrädern und Kleinmotorrädern hat vor rund 40 Jahren Konkurs angemeldet. 1934 wurde ein großes Firmengebäude in Heepen eingeweiht. Vereinzelt tauchen noch Produkte aus dem Werk auf. „Mein Motorrad ist ein Scheunenfund“, berichtet der 59-Jährige.

Am 1. August 1952 wurde sein Leichtmotorrad, das mit einer Höchstgeschwindigkeit von 77 Kilometern pro Stunde angegeben ist, gebaut. „Mein Elternhaus, in dem ich heute noch wohne, steht in Heepen. Bei meinem Weg zur Schule bin ich immer an den Bastert-Werken vorbei gekommen“, erzählt Null. Er weiß noch genau, wo die einzelnen Gebäude der Firma standen. Inzwischen sind sie abgerissen, aber eine Straße, die an die Ära des Bielefelder Unternehmens erinnert, befindet sich nur einige Hundert Meter von Nulls Haus entfernt.

„Irgendwann hat mich dann auch das Bastert-Virus befallen“, erzählt der Maschinenbau-Ingenieur. Sein Traum sei das legendäre Einspurauto der Firma. Der außergewöhnliche Luxus-Motorroller (1951-1956) sei trotz seines Namens kein echtes Auto gewesen. Davon gebe es weltweit jedoch schätzungsweise nur noch 20 Exemplare.


Das Emblem verrät die Herkunft des Motorrads. - © Peter Unger

Das Emblem verrät die Herkunft des Motorrads.
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Der Tankdeckel mit dem Buchstaben „B“ ist erhalten

Mitte 2024 entdeckte der Heeper dann auf einem Kleinanzeigen-Portal eine Anzeige, die ihn nicht mehr losließ. Der Vater eines zwölfjährigen Sohnes machte sich auf den Weg nach Syke im Landkreis Diepholz und lernte dort Andreas Krüger kennen. Der habe das Bastert-Motorrad zufällig entdeckt – in einem schlechten Zustand.

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Viele Teile seien verrostet gewesen, der Chrom teilweise abgeblättert. Am Lenker war ein Zettel angebracht: „Zu verkaufen“. Am Hersteller gab es jedoch keine Zweifel. Der Original-Tankdeckel mit dem Großbuchstaben „B“ und dem Schriftzug „Bastert-Werke Bielefeld“ ist erhalten. Krüger restaurierte die Maschine im Laufe der Jahre und bot sie dann zum Kauf an.

„Sie war mir mit 4.700 Euro eigentlich zu teuer, wir haben aber gut verhandelt und uns dann auf einen Betrag geeinigt“, erzählt Olaf Null. Seitdem steht das Schmuckstück in der Heeper Garage. Darauf ist der Liebhaber alten Blechs ein bisschen stolz: „Bielefeld war ja damals eine Hochburg für Motorräder und Fahrräder.“

Bei Grasbahnrennen auf dem Leineweberring

Deshalb sammelt der Oldtimer-Fan auch weitere Zweiräder. Ein zweites betagtes Schätzchen befindet sich noch in seiner Obhut. Alleine es fehlt die Zeit. Als Mechaniker habe er alle Kenntnisse, die er für eine Restaurierung brauche. Zeitweise habe er mit seinem Bruder eine Bootsfahrschule betrieben – und bis vor zwei Jahren auch Kurse gegeben. Das Gewerbe habe er noch angemeldet. Sein fester Arbeitsplatz befindet sich seit 2015 jedoch beim Zweigwerk der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF) in Brackwede. „Dort arbeite ich im Energie- und Umweltmanagement“, sagt Null.


So sah das Motorrad vor der Restaurierung aus. - © Privat

So sah das Motorrad vor der Restaurierung aus.
| © Privat

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Gelernt habe er mal an der Drehmaschine. Das Schöne sei, dass sein Hobby noch bezahlbar sei, weil man vieles selber reparieren könne. Aber: „Die Klientel stirbt aus. Die Jugend hat kein Interesse an Oldtimern“, glaubt der Vater. Seinem Sohn Connor (12) macht es auf jeden Fall Spaß, eine Spritztour mit ihm zu unternehmen. Der Luisenschüler erzählt, dass er auch mal mit ins Bielefelder Lenkwerk fahre. Er hat ein großes Herz für Oldtimer und weiß, dass dort einmal im Monat donnerstags Motorrad-Treffen stattfinden. „Ich war mit Papa auch schon auf dem Leineweberring bei den Grasbahnrennen“, berichtet der Zwölfjährige.

„Ich mag es, wenn Leute alte Autos und Motorräder erhalten. Das finde ich toll“, betont Olaf Null. Sein Traum wäre es, einmal auf der Radrennbahn ein paar Runden zu drehen. Außerdem steht die Brocker Mühle noch auf seinem Wunschzettel. Der Bikertreffpunkt in Herzebrock-Clarholz lockt mittwochs immer wieder Tausende Motorradfahrer an.