Bielefeld-Heepen. Als sich Bodo Friedrich Borries von Ditfurth 1901 auf den langen Weg von Greifswald nach Konstantinopel aufmachte, um als Reformator die Ausbildung und Modernisierung der osmanischen Armee unter Sultan Abdülhamid II. (1842-1918) zu unterstützen, konnte er bereits auf eine lange Karriere als preußischer Soldat zurückblicken. Geboren am 16. Dezember 1852 in Gadderbaum, gehörte er dem Adelsgeschlecht derer von Ditfurths an.
Diese gingen auf das 10. Jahrhundert zurück und kamen ursprünglich aus dem Harz. Die Bielefelder Familie indes hatte bis 1930 ihren Sitz auf dem Rittergut Lübrassen in Heepen. Vater Wilhelm von Ditfurth (1810-1876) war Geheimer Regierungs- und Landrat von Bielefeld, die Mutter stammte aus der befreundeten Von-Borries-Familie.
Bodo und sein älterer Bruder Franz (1840-1909), der in die Fußstapfen des Vaters treten sollte, hatten beide eine Karriere beim Militär angestrebt und schon am Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) teilgenommen. Bodo hatte am 19. September 1885 Paula Freiin von Blomberg (1863-1947) in Detmold geheiratet. Mit ihr hatte er neun Kinder.
Empfang beim Kaiser in Berlin
Am 24. März 1901 hatte Kaiser Wilhelm II. „die als Instruktoren nach der Türkei gehenden Offiziere Major von Ditfurth vom Infanterie-Regiment Nr. 42, Major Imhoff vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 14 und Major Auler vom Pionierbattaillon Nr. 7“ in Berlin empfangen, wie es in einer Mitteilung hieß. Ein Telegramm aus Konstantinopel meldete am 1. Juli: „Der Reformator der türkischen Artillerie, der deutsche Oberstleutnant Grumbkow-Pascha verläßt heute aus Gesundheitsrücksichten definitiv den türkischen Militärdienst. Sein Nachfolger ist der deutsche Oberstleutnant von Imhoff, der zum Pascha und Inspekteur der türkischen Artillerieschießschule in Konstantinopel ernannt worden ist. Gleichzeitig ist der deutsche Oberstleutnant v. Ditfurth-Pascha zum Inspekteur der Militärschule in Pankaldi ernannt worden.“
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Bodo setzte somit quasi eine Tradition fort. Tatsächlich hatte es seit Otto von Bismarck einen regen diplomatischen Austausch und Militärmissionen zwischen Preußen und Osmanen gegeben, die sich nach der katastrophalen Niederlage letzterer im Krieg mit Russland (1877/78) vertieften: Das Deutsche Reich hatte in den Augen der Machthaber am Bosporus weniger imperiale Ambitionen als beispielsweise die Russen oder Briten, die Deutschen suchten militärische und wirtschaftliche Partner.
Widerstand gegen Reformen
Die ausländischen Militärreformer wurden mit ihrem Eintritt in die osmanische Armee in den Generalstand erhoben, der Ehrentitel „Pascha“ an den Namen angehängt. „Ditfurth-Pascha“ war für die 1848 gegründete Militärschule in Pancaltı (Bezirk Şişli, Istanbul) verantwortlich. Im Nachruf beschrieb die Kölnische Zeitung die Zeit in der Türkei: „Er hat dort im fremden Lande seine besten Kräfte eingesetzt, um die freiwillig übernommene Aufgabe zu lösen, mußte sich aber zunächst mit dem planmäßigen Widerstand des Jildispalastes gegen jede durchgreifende Reform mit einer Lehrtätigkeit an der Kriegsschule in Konstantinopel begnügen. Erst der große Umschwung des Jahres 1908 eröffnete ihm ein weiteres Feld der Tätigkeit und führte ihn in großen Reisen in die verschiedensten Provinzen der europäischen und asiatischen Türkei. Es war ihm gelungen, überall, auch außerhalb des Kreises seiner Landsleute und Berufsgenossen, Vertrauen und vollste Hochachtung zu erwerben, und man sah ihn am Bosporus ungern scheiden, als er nach Deutschland zurückkehrte, um seine Laufbahn im preußischen Heer fortzusetzen.“
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Sohn Hans-Joachim war sogar am 8. Juli 1908 in Konstantinopel zur Welt gekommen. Für seine Verdienste hatte „Ditfurth-Pascha“ schließlich den Mecidiye-Orden erhalten. In Bodos Zeit im Osmanischen Reich fiel zugleich die Errichtung der Bagdadbahn (ab 1903), die Konstantinopel und damit Europa mit dem Nahen Osten verbinden sollte. Über die Jahre aber hatte die Anwesenheit ausländischer militärischer und ziviler Berater den Unmut einiger Militärs und der aufstrebenden, reformorientierten Jungtürken erregt, die regelmäßig mit dem autoritären und wankelmütigen Sultan aneinandergerieten.
Generalinspekteur einer neuen Unteroffiziersschule
Ihre Befürchtung, die militärischen Missionen und wirtschaftlichen Projekte würden das Reich in eine Abhängigkeit vom zunehmend dominanteren Deutschland bringen, war begründet. Der Konflikt sollte nach der Jungtürkischen Revolution (Juli 1908) zur Absetzung Abdülhamids im April 1909 führen. Die Reformatoren überstanden diese Wirren, was auch an Fürsprechern unter Jungtürkischen Offizieren gelegen haben dürfte.
Noch am 27. August des Jahres meldete Konstantinopel, dass Bodo zum Generalinspekteur einer neuen Unteroffiziersschule ernannt worden sei. Als im Oktober ein erneuter Austausch zwischen Deutschen und Türken angekündigt wurde, waren Heinrich Imhoff und Bodo von Ditfurth immer noch am Bosporus; Carl Auler, ernüchtert von der Arbeit als Reformator, war bereits 1908 nach Deutschland zurückgekehrt.
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Bodo Borries von Ditfurth hatte schließlich am 20. April 1910 die Kommandantur für das 3. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 29 ‚von Horn‘ übernommen und wurde schon am 18. Oktober zum Generalmajor der 10. Infanterie-Brigade in Frankfurt an der Oder ernannt. Seinen höchsten Rang erhielt er am 22. März 1913, als er Generalleutnant und Landwehr-Inspekteur von Köln wurde.
Tod nach einer tückischen Krankheit
Der Nachruf erklärte: „Diese Stellung bringt den Inhaber in außerordentlich enge Berührung mit weiten Kreisen der Bevölkerung, und Generalleutnant v. Ditfurth erwarb sich auch hier bald bei seinen Untergebenen, wie darüber hinaus, in der Bürgerschaft allgemeine Verehrung.“ Die Familie lebte in Köln an der Theresienstraße 64. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer 1914 zog er mit vier Söhnen an die Front; Sohn Hoimar fiel im Oktober bei Reims. Bodo erhielt kurz darauf das Eiserne Kreuz, erlag aber am 23. Februar 1915 „einer tückischen Krankheit“, die er sich im Felde zugezogen habe. Zwei Tage später wurde der Bielefelder Pascha im Familiengrab auf dem Friedhof in Heepen beigesetzt.