05:51 Uhr – Sonntag, 06. September
Der Chef des Dax-Konzerns Siemens Energy warnt mit Nachdruck vor der Wirtschaftspolitik der AfD. Das Programm der Partei, die unter anderem eine Rückkehr zu Kohle und Atomkraft fordert, sei schlecht für den Wirtschaftsstandort Deutschland und greife teilweise demokratische Strukturen an, sagte Christian Bruch der Deutschen Presse-Agentur. „Das halte ich für absolut kritisch.“
Bruch betonte: „Unser Unternehmen und unsere deutschen Arbeitsplätze sind davon abhängig, dass wir exportieren, dass wir auch internationale Fachkräfte nach Deutschland holen und dass sich ausländische Investoren auf politische Stabilität verlassen können. Und wenn das nicht passiert, dann ist es für den Wirtschaftsstandort Deutschland nachteilig.“ Er blicke daher mit großer Sorge auf die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt.
Bruch bedauerte, dass es der Politik bisher nicht gelungen sei, Kompromisse zu finden, in denen sich der Großteil der Bevölkerung wiedergefunden habe. „Das ist absolut eine kritische Situation.“ Doch die AfD sende mit ihrer Vision, in der sie eine Rückkehr zu früheren Erfolgen Deutschlands zeichnet, eine „dramatisch falsche Botschaft“. Bruch sagte: „Ich sehe die AfD nicht veränderungsaffin, sondern nostalgisch, um es mal freundlich auszudrücken.“
Der Manager fügte hinzu: „Die Menschen unterschätzen, mit welcher Geschwindigkeit sich andere Länder verändern. Wir müssen Veränderung endlich als Chance begreifen. Nostalgische Politik wirft uns immer weiter zurück.“ Diskussionen um eine Rückkehr zur Nukleartechnologie seien in Deutschland „müßig in einem energiepolitisch hervorragend vernetzten Europa, in dem es nun mal Kernkraftwerke in Frankreich gibt oder in Tschechien oder anderswo gebaut werden“ sagte Bruch. Er halte die energiepolitischen Aussagen, die er im AfD-Programm lese, „nicht für sinnvoll“.