Sinsheim (dpa) – Für die Krönung eines fulminanten Fußball-Samstags von Borussia Dortmund sorgte ausgerechnet Erzrivale FC Schalke 04. Weil der Aufsteiger in Königsblau Serienmeister FC Bayern am Abend ein 0:0 abtrotzte und so sicherstellte, dass der BVB nach mehr als zwei Jahren mal wieder in einer Tabelle vor dem FC Bayern steht. „Das ist megageil, oder?“, sagte Torwart Gregor Kobel zum Dortmunder Traumstart in der Fußball-Bundesliga.
Mit einem furiosen Comeback beim 3:2 nach 0:2-Rückstand bei der TSG Hoffenheim trug der BVB freilich auch selbst dazu bei, mal wieder – zumindest für eine Momentaufnahme – vor den Bayern zu stehen. „Wo Dortmund spielt, ist was los! Das war schon gegen Hamburg so. Nach dem 2:0 konnte man nicht mehr unbedingt damit rechnen. Aber wir sind zurückgekommen“, sagte Geschäftsführer Lars Ricken.
Arsenal-Juwel Nwaneri leitet Entscheidung ein
Die von Topstürmer Serhou Guirassy befeuerte und von Trainer Niko Kovac orchestrierte Aufholjagd ließ erahnen, welches Potenzial dieser BVB hat. „Wir haben alles oder nichts gespielt“, sagte der Chefcoach, der in Fabio Silva und in dem 19 Jahre jungen Arsenal-Zugang Ethan Nwaneri zwei Schlüsselspieler für die heiße Schlussphase einwechselte. Guirassy und Silva trafen, Nwaneri leitete das entscheidende 3:2 ein – ein Eigentor von Albian Hajdari.
Für Kovac, der in Dortmund immer wieder in der Kritik steht, war es das 50. Bundesliga-Spiel als BVB-Coach. Mit den 107 erreichten Punkten schneidet er auch besser ab als Lucien Favre (106), Thomas Tuchel (105) und sogar deutlich positiver als Bundestrainer Jürgen Klopp, der in seinen ersten 50 Partien in Dortmund 86 Zähler holte.
Kovac-Rekord: „Damit gewinnst du nicht viel“
„Das ist eine Statistik, die ist jetzt da. Wenn ich dann nicht mehr hier bin, wird es ein anderer wieder besser machen. Nehmen wir mit, die Blumen, aber damit gewinnst du nicht viel“, sagte der 54 Jahre alte Kovac gelassen. Während RB Leipzig (1:3 bei Werder Bremen) und Bayer Leverkusen (2:3 bei Aufsteiger SV Elversberg) schon früh in der Saison gepatzt haben, sieht Dortmund in den ersten Bundesliga-Wochen wie der stabilste Bayern-Rivale aus.
Das liegt auch an den Transferentscheidungen, die der Club im Sommer getroffen hat. Konstantinos Karetsas glänzte beim dominanten 2:0 gegen den Hamburger SV zum Auftakt. Der eingewechselte Joey Veerman ordnete das lange chaotische Dortmunder Spiel beim Auf und Ab in Sinsheim. Als Leon Avdullahu und Tim Lemperle die TSG mit 2:0 in Führung gebracht hatten, sah quasi nichts nach einem BVB-Coup im Kraichgau aus.
Besonderes Lob für Veerman
„Das war schon verrückt, und für uns war es sehr schön, dass wir das Spiel gewonnen haben. Nachdem wir dann mit drei Mittelfeldspielern gespielt haben, hat sich das Spiel geändert, so dass wir etwas mehr Kontrolle hatten“, beschrieb Veerman, der Nationalspieler Felix Nmecha zur Halbzeit ersetzte.
Mit 27 Jahren bietet der Niederländer, der von der PSV Eindhoven kam, einen Kontrast zu den vielen geholten Talenten wie Karetsas (18), Nwaneri (19) und Joane Gadou (19). „Das hilft dieser Mannschaft, deshalb bin ich sehr froh“, sagte Kovac über Veerman. Der Stratege bringe viel Erfahrung mit, aber auch Qualität.
Ein Heimspiel im DFB-Pokal
Die schwache erste Stunde wischten die BVB-Profis nach dem Happy End schnell beiseite. „Was willst du haben? Das kannst du nicht immer entscheiden. Du musst nehmen, was du kriegst“, ordnete Torhüter Kobel, der Dortmund vor einem höheren Rückstand bewahrte, zum Spiel ein. Man sei nach dem vollbrachten Comeback „sehr happy, sehr vergnügt“.
Ein Punktverlust der Bayern, ein eigener Sieg, dazu ein schönes Heimspiel im DFB-Pokal: Der BVB empfängt in der zweiten Hauptrunde Ende Oktober Werder Bremen. Es sind gerade schöne Spätsommertage für die Dortmund-Fans. Am Dienstag (21.00 Uhr/Prime Video) wartet das erste Champions-League-Spiel gegen den spanischen Vertreter FC Villarreal.
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