Im Mittelpunkt steht ein klares Ziel: Es geht darum, die Würde der Seeleute zu wahren. Dieses Motto der Deutschen Seemannsmission – auf Englisch „Support of Seafarers’ Dignity“ – gilt seit mittlerweile 140 Jahren. Am Montag feiert die Organisation ihren Geburtstag mit einem Festakt in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen.
Was ist die Deutsche Seemannsmission?
Die Deutsche Seemannsmission (DSM) ist eine evangelische Seelsorge- und Sozialeinrichtung für Seeleute. Sie betreibt mit ihren Mitgliedsvereinen 32 Stationen im In- und Ausland. Laut Satzung ist sie „Fürsprecher der Seeleute und macht durch Lobbyarbeit auf die oft schwierigen Arbeitsbedingungen der Seeleute aufmerksam“. Sie versteht sich zudem als Kontaktstelle und Vermittlerin zwischen Seeleuten und Reedern sowie zwischen Schiffsbesatzungen und Hafenarbeitern.
Seit wann gibt es die DSM?
Als Gründungsdatum gilt der 29. September 1886. Der Hamburger Pastor Johann Hinrich Wichern, der in der Hansestadt das Rauhe Haus für Waisenkinder leitete, gab den entscheidenden Anstoß dazu. Auf einer Reise nach England sah er, wie man sich dort für Seeleute einsetzte. In seiner Rede auf dem Kirchentag in Wittenberg 1848 rief er zur sogenannten Inneren Mission auf, die in den wachsenden Städten Not, Armut und Verwahrlosung der Menschen lindern und die Gesellschaft christlich erneuern solle. Ein Jahr später plädierte er dafür, dass sich die evangelische Kirche auch um Seeleute kümmern solle.
Am 29. September 1886 wurde in Hannover aus den lutherischen Landesvereinen der Inneren Mission heraus das „Komitee zur kirchlichen Versorgung deutscher Seeleute im Ausland“ gegründet. Es entstanden Seemannsheime in Amsterdam, Rotterdam (Niederlande), Antwerpen (Belgien), Kopenhagen (Dänemark), Genua (Italien), Marseille (Frankreich), Petersburg (Russland), Alexandria (Ägypten), Buenos Aires (Argentinien), Valparaiso (Chile) und New York (USA).
Wo wirkt die DSM heute?
Die Deutsche Seemannsmission ist im Ausland an 16 Standorten in 15 Ländern vertreten. Im Inland sind es 13 Mitgliedsvereine an 16 Standorten und Häfen. Die Mehrzahl der deutschen Stationen liegt in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Aber auch in Duisburg – die Ruhrstadt hat einen der größten Binnenhäfen der Welt – gibt es eine Dependance.
Blick in einen Aufenthaltsraum des Seemannsclubs Duckdalben der Deutschen Seemannsmission in Hamburg.
Archivfoto: dpa/Christian Charisius
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Die DSM ist Teil und Gründungsmitglied des großen Netzwerks der ICMA, der International Christian Maritime Association, in der sich die verschiedenen christlichen Organisationen zusammengeschlossen haben, die sich um das Wohl der Seeleute kümmern. Die Deutsche Seemannsmission ist nach eigenen Angaben die drittgrößte international tätige Seemannsmission weltweit.
Wie wirkt die DSM?
Klassische Seemannsheime mit Übernachtungsmöglichkeit gibt es heute nur noch an größeren Standorten. Die meisten Standorte sind Tageseinrichtungen, in denen Seeleute sich während ihres Landgangs stundenweise aufhalten können. Speziell für Seeleute auf Kreuzfahrtschiffen gibt es seit einiger Zeit die sogenannten Seafarers’ Lounges (derzeit in Hamburg und Kiel). Sie sind direkt in die Terminals integriert, sodass die Seeleute sie aufsuchen können, ohne die übliche Sicherheitskontrolle passieren zu müssen.
Auch der „Club Lighthouse“ der Bremer Seemannsmission gehört zu den Anlaufstellen für Seeleute.
Archivfoto: dpa/Focke Strangmann
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Zum Angebot aller Standorte gehören typischerweise kleinere Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote. Die Deutsche Seemannsmission wird als kirchliche Organisation von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem Bund und durch Spenden getragen, wirkt aber überkonfessionell: „Wir haben auch eine Mission“, heißt es in einer Mitteilung: „Nämlich für Seeleute aus aller Welt da zu sein – unabhängig von ihrer Religion oder Nationalität.“
Ein aktuelles Beispiel
Ein aktuelles Arbeitsfeld sind die Folgen des Kriegs mit dem Iran, durch die Schiffe kaum noch die immer wieder blockierte Straße von Hormus passieren können. Die DSM versteht sich als Fürsprecher der Seeleute auf diesen Schiffen, die oft wochenlang keinen Hafen anlaufen können und die nur via Internet Kontakt zu ihren Familien haben. „Diesen Menschen, die dafür sorgen, dass unsere globalen Lieferketten nicht reißen, wollen wir eine Stimme geben“, heißt es.
Wie viele Menschen arbeiten für die DSM?
„Wir haben knapp 100 hauptamtliche Mitarbeitende im In- und Ausland, 33 junge Leute im Freiwilligen Jahr und über 350 Ehrenamtliche“, sagte DSM-Generalsekretär Matthias Ristau auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Bei Besuchen an Bord, in den Clubs, den Lounges für Kreuzfahrtseeleute und den Übernachtungshäusern begegnen wir über 150.000 Seeleuten pro Jahr. “
Die Gründung der Deutschen Seemannsmission datiert auf das Jahr 1886.
Archivfoto: dpa/Katrin Luxenburger
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Was wünscht sich die Seemannsmission für die Zukunft?
„Wir wünschen uns bessere Arbeits- und Lebensbedingungen an Bord aller Schiffe, die durch gute internationale Regeln garantiert und überall durchgesetzt werden“, sagt Ristau. Das Recht auf Landgang und auf ausreichende Ruhezeiten sei dabei besonders wichtig. Allgemein gelte: Seeleute müssten als Menschen behandelt werden. „In allen Häfen und auf allen Schiffen“, betont der DSM-Generalsekretär. „Dazu wünschen wir uns, dass die Seeleute wertgeschätzt werden und ihre besondere Situation wahrgenommen wird.“