Nigers Militärregierung macht Frankreich offiziell für den gescheiterten Putschversuch in Niamey verantwortlich und erwägt wegen der mutmaßlichen ausländischen Beteiligung Schritte vor der internationalen Justiz. Die Erklärung erfolgte am 4. September 2026 nach einer Sitzung des Ministerrats. Paris weist den Vorwurf entschieden zurück, während Niamey Russland, Algerien und den Staaten der Sahel-Konföderation für ihre Unterstützung während der Krise dankt.
Die Regierung von General Abdourahamane Tiani behauptet, hinter den Ereignissen vom 28. und 29. August stehe ein internationales Netzwerk unter Führung der französischen Regierung. Belege für eine operative Beteiligung Frankreichs legte der Ministerrat in seiner öffentlichen Erklärung nicht vor. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnete die Anschuldigungen einen Tag später als „reine Fantasien“.
Regierung spricht von international gesteuerter Destabilisierung
Ausgangspunkt des Putschversuchs war die strategisch wichtige Militärbasis 101 am internationalen Flughafen von Niamey. Angehörige einer Spezialeinheit wandten sich dort gegen die Führung. Die Kämpfe griffen anschließend auf weitere Bereiche der Hauptstadt über, darunter das Umfeld des Präsidentenpalastes. Loyalistische Kräfte gewannen mit Unterstützung russischer Africa-Corps-Soldaten wieder die Kontrolle über die Basis.
Der nigrische Ministerrat bezeichnete die Vorgänge nun als „Versuch der Destabilisierung“ und als „Aggression“ gegen das Land. Eine Operation mit internationalen Verbindungen sei von einem Netzwerk „angestiftet und unterhalten“ worden, an dessen Spitze die französische Regierung von Präsident Emmanuel Macron stehe, erklärte Regierungssprecher Soumana Boubacar.
Die Regierung erklärte zugleich, sie habe eine umfangreiche Dokumentation zu den Ereignissen zusammengestellt. Niger behalte sich auf dieser Grundlage das Recht vor, Verfahren vor der internationalen Justiz einzuleiten. Welche Institution angerufen werden könnte und welche konkreten Belege Niamey dafür vorlegen will, wurde nicht mitgeteilt.
Frankreich weist Vorwürfe vollständig zurück
Barrot widersprach der Darstellung aus Niamey am 5. September. Es habe weder eine französische Absicht noch eingesetzte Mittel gegeben, um einen solchen Putschversuch auszulösen, sagte der Außenminister dem französischen Sender RFI.
„Das sind reine Fantasien“, erklärte Barrot. Die nigrische Führung weise Frankreich erneut eine Verantwortung zu, die „schlicht nicht existiert“.
Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit dem Militärputsch vom Juli 2023 stark belastet. Tiani und seine Verbündeten beendeten die enge sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Paris und ließen die französischen Truppen aus Niger abziehen. Gleichzeitig baute Niamey die militärische Kooperation mit Russland aus.
Russland half loyalen Kräften bei der Niederschlagung des Putschversuchs
Die Ereignisse Ende August machten die neue sicherheitspolitische Ausrichtung Nigers unmittelbar sichtbar. Russische Africa-Corps-Kräfte griffen auf Seiten der loyalistischen Truppen in die Kämpfe ein und unterstützten die Rückeroberung der Militärbasis. Russische Kräfte beteiligten sich direkt an der Niederschlagung des Putschversuchs.
Der nigrische Ministerrat dankte Russland anschließend ebenso wie Algerien sowie Mali und Burkina Faso als Partnern in der Konföderation der Sahelstaaten für ihre Solidarität während der Ereignisse.

Parallel dazu empfing Tiani den russischen Botschafter Viktor Voropaev in Niamey. Der Diplomat erklärte nach dem Treffen, er habe dem nigrischen Volk und den Behörden angesichts der Ereignisse vom 28. und 29. August die Solidarität Russlands ausgesprochen und der Führung weitere Unterstützung zugesichert.
Putschversuch traf strategische Militärbasis in Niamey
Der Putschversuch begann in der Nacht zum 29. August auf der Basis 101 im Bereich des internationalen Flughafens Diori Hamani. Die Anlage besitzt auch für die gemeinsame Sicherheitsarchitektur Nigers mit Mali und Burkina Faso strategische Bedeutung.
Bei den Kämpfen wurden Soldaten festgenommen und getötet. Die nigrische Regierung bestätigte inzwischen auch zivile und militärische Todesopfer, veröffentlichte in ihrer Erklärung vom 4. September jedoch keine vollständige Opferbilanz.
Der Aufstand war die bislang schwerste offene interne Herausforderung für die Führung um Tiani seit deren Machtübernahme 2023. Die Militärregierung hatte den damaligen gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt und anschließend große Teile ihrer außen- und sicherheitspolitischen Partnerschaften neu ausgerichtet.
Konflikt mit Paris verschärft sich weiter
Niamey hat Frankreich seit dem Machtwechsel wiederholt vorgeworfen, gegen die neue politische Ordnung in Niger zu arbeiten. Paris hat entsprechende Anschuldigungen regelmäßig zurückgewiesen.
Der aktuelle Streit geht darüber hinaus, weil die Regierung Frankreich nun unmittelbar mit einem bewaffneten Putschversuch innerhalb der nigrischen Sicherheitskräfte in Verbindung bringt und mögliche juristische Schritte ankündigt. Gleichzeitig bezeichnet Niamey Russland ausdrücklich als unterstützenden Partner während derselben Krise.
Die Konfrontation fällt zudem in eine Phase wachsender Spannungen um französische Wirtschaftsinteressen in Niger. Seit dem Bruch mit Paris hat die nigrische Führung auch die Kontrolle über Uranaktivitäten des französischen Konzerns Orano verschärft.
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