Sie gaben sich mit ihrem Stundenlohn zufrieden, statt mehr von sich zu fordern. Nach der 2:0-Führung ob der Treffer von Leon Avdullahu (45. Minute) und Tim Lemperle (54.) ließ die Zielstrebigkeit in den Reihen der TSG Hoffenheim erkennbar nach.

Den Energieverlust beschrieb der kosovarisch-schweizerische Torschütze zum 1:0 so: „Nach dem 2:0 dachten wir, dass wir das Spiel schon gewonnen hatten. Ich glaube, wir wurden einfach zu gemütlich. Das geht einfach nicht, daraus müssen wir lernen.“

Am Ende der lange von den Nordbadenern dominierten Begegnung mit dem Bundesliga-Spitzenklub Borussia Dortmund wurde dieser Samstagnachmittag noch überaus ungemütlich für die Mannschaft des österreichischen Trainers Christian Ilzer. Der BVB erwies sich in der Crunchtime dieser hin- und herwogenden Begegnung als zielstrebiger.

Der rasche Ausgleich durch die Tore von Mittelstürmer Serhou Guirassy (61.) und dem eine Minute danach eingewechselten zweiten Angreifer Fabio Silva (66.) erreichte Dortmund widerstandslos den Gleichstand in Sinsheim und legte in der Schlussphase noch den Treffer zum Sieg nach: Der Hoffenheimer Innenverteidiger Albian Hajdari fälschte ein Schüsschen des Engländers Ethan Nwaneri unhaltbar für den deutschen Nationaltorwart Oliver Baumann zum 3:2-Sieg der Borussia ab (87.).

Zwei, die den Unterschied machen: die BVB-Stürmer Serhou Guirassy und Fabio SilvaZwei, die den Unterschied machen: die BVB-Stürmer Serhou Guirassy und Fabio Silvadpa

Schmerzlicher kann sich eine Niederlage kaum anfühlen, die sich nicht abgezeichnet hatte. Und so standen die Hoffenheimer, die fünftbeste Mannschaft der vorigen Saison, wie schon nach der 2:3-Niederlage zum Bundesligaauftakt in Köln aufs Neue mit leeren Händen da.

Dabei hatte TSG-Trainer Ilzer nach dem 2:2-Ausgleich „das Gefühl, dass wir es sind, die aufs 3:2 gehen. Am Ende bleibt nichts übrig, das schmerzt. Aber wir gehen weiter und bleiben auf diesem Weg.“

Beim BVB blieben Spieler, Trainer und Sportdirektor Ole Book der Siegesfreude zum Trotz selbstkritisch. „Uns allen wäre es lieber“, sagte Book, „wenn die Impulse noch stärker von Beginn an auf dem Platz sind.“

Und auch Trainer Niko Kovač, der sein fünfzigstes Bundesligaspiel in den Diensten des BVB mit der über diesen Zeitraum besten Vereinsbilanz – 33 Siege, 7 Unentschieden, 10 Niederlagen – bestritt, verhehlte nicht, „dass wir erst nach dem 0:2-Rückstand aufgewacht sind“. Dann aber sei seine Mannschaft „ins Alles oder Nichts gegangen“.

Dazu wurde erkennbar, dass die Borussia in der Kaderbreite besser geworden ist. Spieler wie Nwaneri, ein 19 Jahre alter offensiver Mittelfeldspieler, ausgeliehen vom FC Arsenal, oder der zur zweiten Hälfte für den indisponierten Felix Nmecha gekommene niederländische Spielgestalter Joey Veerman, verpflichtet von der PSV Eindhoven, lieferten erste Qualitätsnachweise in der Bundesliga.

Am Dienstag bekommt es der BVB in der Champions League zu Hause mit dem spanischen Topklub FC Villarreal zu tun.