Hattingen – Draußen Tulpenmarkt, Sonnenschein und ein gut besuchter Marktplatz, drinnen Farben, Formen, Linien und die Frage: Was sehe eigentlich ich darin? Im Forstmanns in Blankenstein wurde am Sonntag (6. September 2026) die Ausstellung von Barbara Hünecke eröffnet.
Unter dem Titel „Ich male, was meine Seele berührt“ zeigt die Hattinger Künstlerin Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen. Mehr als 30 Jahre künstlerischer Arbeit liegen hinter ihr. Einen Eindruck davon vermittelt auch ein Bildband, der zur Ausstellung ausliegt und deutlich macht: Den einen Stil, an dem sich Barbara Hünecke sofort erkennen lässt, gibt es nicht.
Vielleicht ist gerade das die Konstante.
Da wird gesucht, ausprobiert, verworfen, wieder aufgenommen und manchmal schlicht geschehen gelassen. Hünecke arbeitet mit Pigmenten, Tusche, Acryl- und Ölfarbe, Marmormehl, Seidenpapier, Stiften oder Leinöl, auf Papier ebenso wie auf Leinwand, Pappe und Holz. Mal entstehen kräftige Flächen, mal Linien und Strukturen, mal wird geschüttet, gespachtelt oder Material eingearbeitet.
Selbst Haare finden sich in neueren Arbeiten. Die Idee dazu entstand bei einem Friseurbesuch. Aus gesammelten Haaren entwickelte sich ein Projekt, das später mit dem Thema Gold zusammenfloss. Was daraus zu lesen ist, möchte Hünecke dem Betrachter nicht vorgeben.
Überhaupt spielt das fertige Ergebnis bei ihrer Arbeit zunächst offenbar eine erstaunlich kleine Rolle. Viel wichtiger ist der Weg dorthin. Hünecke beschreibt ihre Arbeitsweise als meditativ und prozessorientiert. Manchmal tanzt sie, bevor sie mit der Arbeit beginnt, manchmal zeichnet oder schüttet sie Farbe mit geschlossenen Augen. Nicht der Kopf soll bestimmen, wohin eine Linie läuft oder welche Farbe als Nächstes kommt.
Barbara Hünecke (Fotos: Holger Grosz, RuhrkanalNEWS)
Der Tanz begleitet sie dabei schon seit ihrer Kindheit. Später kamen Meditation und die Beschäftigung mit der Wirkung von Formen hinzu. Kreis, Dreieck und Quadrat wurden zu wiederkehrenden Ausgangspunkten ihrer Arbeit. Andere Werke entstanden aus persönlichen Erfahrungen, aus Nähe und Distanz, Veränderung, Beziehungen oder Verlust – allerdings nicht unbedingt mit einem vorher festgelegten Thema.
Das erklärte Hünecke bei der Ausstellungseröffnung in einem ausführlichen Gespräch mit einer Freundin. Und manchmal widersprach sie dabei auch deren Interpretation der eigenen Bilder. Fast beiläufig wurde damit deutlich, worum es Hünecke geht: Ein Bild muss nicht für jeden dasselbe bedeuten.
„Meine Erklärung gar nicht so wichtig nehmen“, gab sie den Besuchern sinngemäß mit auf den Weg. Vielmehr sollten sie selbst vor den Arbeiten stehen, schauen und spüren, was ein Bild bei ihnen auslöst.
Und genau das taten die Besucher. Es wurde aufmerksam betrachtet, diskutiert, nachgefragt und miteinander gesprochen. Die sehr unterschiedlichen Arbeiten boten dafür reichlich Anlass. Wer durch die Ausstellung geht, bekommt keine chronologisch sauber erzählte Entwicklung und keine eindeutige Stilrichtung präsentiert. Zu sehen sind vielmehr Stationen eines langen künstlerischen Suchens und Experimentierens.
Zur Eröffnung begrüßte Otti im Namen des Kulturvereins Artemedes die Gäste und erinnerte daran, dass das Forstmanns längst mehr als ein Veranstaltungsraum für Live-Musik ist. Ausstellungen und Diskussionsabende gehören ebenso zum Programm. Gemeinsam mit dem Butterbrotmarkt und dem Magazin „Der Blankensteiner“ bildet das Kulturforum eine der drei Säulen der Vereinsarbeit.
Für den musikalischen Rahmen der Vernissage sorgte Regina Poppel mit Klaviermusik und schuf damit eine Verbindung, die durchaus zur Künstlerin passte. Denn bevor Farbe, Pigmente und Leinwand kamen, waren Bewegung und Musik bereits da.
Barbara Hünecke, Jahrgang 1961, lebt in Hattingen und bezeichnet sich als Autodidaktin. Sie besuchte unter anderem die Kunstschulen von Erika Wobser in Oberhausen und Gabriele Musebrink in Essen und ordnet ihre Arbeiten der freien, informellen und gestischen Malerei zu.
Die Ausstellung im Forstmanns läuft bis zum 30. Oktober 2026. An mehreren Tagen ist Barbara Hünecke selbst vor Ort und steht für Gespräche über ihre Arbeiten zur Verfügung. Die Finissage findet am 30. Oktober um 18 Uhr statt.
Und vielleicht braucht es bei dieser Ausstellung tatsächlich genau das, wozu die Künstlerin ihre Besucher eingeladen hat: nicht nach einer Erklärung für jedes Bild zu suchen. Sondern davor stehenzubleiben, hinzusehen – und herauszufinden, ob etwas passiert.
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