Nach der Ausladung von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival haben jetzt mehrere Berliner Musiker ein deutliches Zeichen gesetzt: DJ Alle Farben, Rapperin Nura und Ski Aggu spielten den Alphaville-Hit „Forever Young“ auf der Bühne in Hockenheim – aus Solidarität mit der Band, die wegen politischer Äußerungen ihres Sängers Marian Gold zunächst ausgeladen worden war.

Der Eklat vor dem Festival

Die Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals wollten auf ihren Bühnen einen Überschwang an Politik verhindern.

Sänger Marian Gold hatte sich zuvor gegen rechtsradikale Tendenzen positioniert. Das reichte offenbar, um Alphaville wieder auszuladen.

Nach heftiger Kritik ruderten die Organisatoren zurück und luden die Band erneut ein. Alphaville lehnte trotzdem ab.

Die Band fehlte auf der Bühne. Ihr größter Hit nicht.

Das Glücksgefühle-Festival wird seit 2023 von dem ehemaligen Fußballprofi Lukas Podolski und von Markus Krampe organisiert. Es gilt als eines der größten Musikfestivals Deutschlands, mit Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern am Hockenheimring.

Genau das machte den Vorfall so brisant: Eine derart große Bühne, die politische Äußerungen aufs Minimum reduzieren wollte, wurde selbst zum Gegenstand einer politischen Debatte.

Zustimmung wird geprüft…

Alle Farben macht den Anfang

Noch vor dem eigentlichen Festival-Wochenende setzte der Berliner DJ Alle Farben das erste Zeichen.

Schon am Donnerstagabend, beim Vor-Auftakt, baute er „Forever Young“ in sein Set ein.

Ein kleines, aber unmissverständliches Statement – noch bevor die Kontroverse ihren Höhepunkt erreichte.

Nura wird deutlich

Am Freitag zog Rapperin Nura nach. Sie spielte den Klassiker an und ließ es nicht bei der Musik allein bewenden.

Wer sie buche, bekomme keine unpolitische Show, machte sie dem Publikum klar.

Besonders pointiert: Sie verwies darauf, dass andere, rechts positionierte Künstler weiter auftreten dürfen – während ausgerechnet Alphaville zum Politikum erklärt wurde.

Zustimmung wird geprüft…

Ski Aggu über Kunstfreiheit

Auch der Wilmersdorfer Hyperpop-Rapper Ski Aggu spielte den Song und nutzte seinen Auftritt für ein Plädoyer.

Wer eine Meinung habe, solle sie sich niemals verbieten lassen, rief er dem Publikum zu.

Für Demokratie und Meinungsfreiheit einzutreten, sei selbstverständlich. Ein Künstler dürfe und solle Haltung zeigen, erklärte er.

Aus dem Mund eines Fun-Rappers, dessen Bild sonst von Ironie und Exzess lebt, wirkte dieser Ernst besonders deutlich.

Warum ausgerechnet Berlin

Zufall ist das nicht.

Wer hier auf immer schon politisiertem Pflaster groß geworden ist (ob nun in Neukölln, Kreuzberg oder Marzahn-Hellersdorf), hat gelernt: Pop, Privates und Politisches lassen sich selten sauber trennen.

Alle Farben, Nura und Ski Aggu haben das vorgeführt, jeder auf seine Weise. Der eine allein schon über die Musikauswahl, die anderen über klare Worte zwischen den Songs.

Der Song verselbstständigt sich

Was als spontane Geste einzelner Berliner Acts begann, entwickelte über das Wochenende ein regelrechtes Eigenleben.

Weitere Künstlerinnen und Künstler (etwa der britische Singer-Songwriter Tom Gregory und der Kölner Männerchor Die Grüngürtelrosen) griffen den Song im Laufe des Festivals ebenfalls auf – als musikalisches Kürzel für eine Haltung, die auf der Bühne eigentlich unerwünscht war.

„Forever Young“ wurde so vom zeitlosen Radio-Evergreen zur informellen Hymne einer ganz und gar gegenwärtigen Debatte, die das Festival vermeiden wollte.

Ein Song wird zum Statement

Am Ende hat das Festival, das Politik von seinen Bühnen verbannen wollte, genau das Gegenteil erreicht.

„Forever Young“ schallte quer über den Hockenheimring – gespielt von Künstlerinnen und Künstlern, die zeigten, dass Solidarität manchmal am effektvollsten erklingt, wenn man einfach einen Song spielt.

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