Einer der großen Siege Borussia Mönchengladbachs, die mit Stefan Effenberg zu tun haben, hat die Tage sein 30-Jähriges. Am 10. September 1996 siegten die Borussen 3:2 beim FC Arsenal in London. Es war der erste Sieg des Klubs in England. Ein Jahr zuvor holte Gladbach mit dem „Tiger“ als mentalem Anführer den DFB-Pokal.

Lars Stindl ist Gladbachs Rekordkapitän und war der Chef der letzten Champions-League-Generationen vom Niederrhein. Er sorgte mit seinem Doppelpack beim 4:2 gegen den FC Sevilla 2015 für Gladbachs ersten Sieg in der Meisterklasse. Heute ist der frühere „Capitano“ Co-Trainer der deutschen U20-Nationalmannschaft. Als solcher sprach er am Sonntag beim „Doppelpass“ von Sport 1 über den Ist-Zustand des Klubs, von dem er sagte, er sei dessen „Fan“.

Der aktuelle Gladbach-Kapitän Tim Kleindienst kritisierte seine Kollegen nach dem Kostenpflichtiger Inhalt 3:4 gegen die SV Elversberg harsch. „Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält, und keine Ahnung, woran es liegt, weniger Tiktok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen“, sagte er beim ZDF.

Er legte bei Sport 1 nach: „Also ich weiß nicht, ob manche kurze Stromausfälle haben oder ob wir immer vergessen, was wir zu tun haben. Wenn du dann keinen Bock hast zu verteidigen bis 90 plus X“, sagte Kleindienst.

Effenberg ist über die Kleindienst-Aussagen verwundert. „Ich hoffe für ihn, dass er die Worte vorher in der Kabine, mit Tür zu, gewählt hat. Ich glaube, das hat noch mal mehr Gewicht. Grundsätzlich ist es ja gut, dass du Dinge in der Öffentlichkeit ansprichst. Aber ich bin kein Freund davon, dass du punktuell auf Spieler oder die Defensive oder die Innenverteidiger gehst und die öffentlich so hinstellst. Dann funktioniert das Team nicht“, merkte Effenberg an. Er selbst war früher kein Verächter der drastischen Worte.

Stindl über Kleindienst: „Das ist schon authentisch“

„Er ist schon drastisch in der Sprache und der Art und Weise. Aber wer Tim so ein bisschen kennt: Das ist schon authentisch, das ist auch seine Sprache, die er wählt. Und ich bin überzeugt davon, dass er diese Worte auch intern gewählt hat, vielleicht extern noch mal, um die Wichtigkeit und den Ernst der Lage noch mal zu verdeutlichen, weil man ganz andere Ambitionen hatte“, sagte Stindl, der sich als Kapitän stets klar, aber nicht so brachial äußerte.

„Da hat sich was getan im Sommer bei der Borussia. Eugen Polanski hat sein Trainerteam noch mal umstrukturiert, hat neue Leute hinzugeholt. Es wurden sehr, sehr spannende Transfers getätigt. Ich war in der Vorbereitung vor Ort, habe mir noch mal ein Bild gemacht. Die Stimmung war eigentlich sehr positiv, was die neue Saison betrifft. Man hat sich viel vorgenommen, sehr intensiv daran gearbeitet, auch die Haltung so ein bisschen zu verändern“, sagte Stindl.

Doch es läuft nicht. Stindl nannte Gründe. „Diese gravierenden Fehler, die sich momentan häufen, mit den sieben Gegentoren, das ist einfach zu viel. Und so kommen die Ergebnisse zustande. Das ist natürlich jetzt maximal unglücklich momentan“, sagte Stindl.

Effenberg über Gladbach: „Nicht bundesligatauglich“

Effenberg wurde deutlicher. „Ich finde das gar nicht maximal unglücklich. Das ist einfach nicht bundesligatauglich, was sie gemacht haben. Da kommt ein Aufsteiger, der Fußball spielen kann, und du hast eigentlich in der Vorbereitung diese Vorfreude gehabt, diese Ruhe, diese Stabilität – und nach zwei Spieltagen ist sie weg“, monierte Effenberg und fügte hinzu: „Jetzt fahren sie nach Freiburg. Ich mache mir wieder mal große Sorgen um Borussia Mönchengladbach.“