Die beiden Schüler Jonas Hilden und Loven Eßer wussten in den vergangenen Wochen ganz genau, was sie zu tun hatten. „Wir sind manchmal schon mittags zum Fackelbau gekommen und haben bis 22 Uhr daran gearbeitet“, sagt Hilden. „Dabei konnten wir unseren Gedanken freien Lauf lassen und so einiges von dem umsetzen, was wir uns ausgedacht haben.“ Hilden und Eßer sind Mitglieder der Junggesellen- und Jungmänner Schützenkompanie Düsseldorf-Hamm (Jüko) und damit auch in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft des Stadtteils.
Hamm gehört neben Volmerswerth und Flehe zu den wenigen Stadtvierteln, in denen anlässlich des jeweiligen Schützenfestes auch ein Fackelumzug durch die Straßen zieht. „Als Fackel bezeichnen wir die Motivwagen, die humoristisch örtliche Geschehnisse des vergangenen Jahres auf die Schippe nehmen“, erläutert St. Sebastianus Schützenchef Andreas Küpper. „Von unseren zwölf Gesellschaften haben zehn eine Fackel gebaut.“
Lediglich das Bundesfanfarencorps Hamm und die 2. Grenadier-Kompanie wurden in Sachen Motivwagen nicht aktiv. „Das Fanfarencorps spielt während der Zeit des Sommerbrauchtums auch bei vielen anderen Schützenvereinen. Da fehlt einfach die Zeit, sich um eine Fackel zu kümmern“, sagt Küpper. „Und die Grenadiere sind eine kleine Kompanie. Bei ihnen fehlt es an Fackelbauern.“
Der Fackelumzug gehört alljährlich zu den Höhepunkten des Hammer Veranstaltungsprogramms. Nicht nur die zehn Motivwagen, sondern auch 25 Musikgruppen und die meisten der 600 Bruderschaftsmitglieder machen sich gemeinsam auf den gut fünf Kilometer langen Umzugsweg. „Ich schätze mal, dass sich zweieinhalb- bis dreitausend Menschen am Straßenrand die Fackeln ansehen“, vermutete der Schützenchef vor dem Umzug. „Es gibt auch viele Hammer, die inzwischen woanders leben und arbeiten, die extra wegen des Schützenfestes zurückkehren. Wir Schützen bieten für Hamm eine Heimat und für jeden ein starkes Zugehörigkeitsgefühl.“
Zum heimatlichen Wohlbefinden gehört auch, dass man sich getreu dem Motto „Was sich liebt, das neckt sich“ auch mal auf den Arm nimmt. Genau das ist die Aufgabe der Fackeln. „Zwei Fackeln thematisieren den traurigen Zustand der Josef-Kardinal-Frings-Brücke und die scheinbar endlose Geschichte bis zu einem Neubau“, sagt der zweite Schriftführer der Bruderschaft Sebastian Terhorst.
Anders als im Düsseldorfer Rosenmontagszug, in dem die satirisch zugespitzten Mottowagen von Jacques Tilly weltweit für Aufmerksamkeit sorgen, sind die Motivwagen in Hamm ohne bewegliche Elemente nicht komplett. „Wir haben acht bewegliche Elemente eingebaut und alle drei Ebenen mit einbezogen“, sagt Yannick Hecker (Jüko). „Damit wir auch sicher sein können, dass alles funktioniert, haben wir einen 40-Kilowatt-Luftkompressor verbaut.“ So also bewegte sich der Bagger vor und zurück, hob und senkte den Greifarm, während Rauch aus dem Abrissbohrer am Greifarmende schoss. Zwei Brückenteile verdrehten sich gegeneinander und symbolisierten den maroden Zustand der Josef-Kardinal-Frings-Brücke. „Wir haben vor drei, vier Wochen angefangen, unsere Fackel zu planen“, sagt Elektroniker Robin Meuer (Jüko). „Es macht richtig Spaß, auch mal aus dem beruflichen Alltagstrott auszubrechen und etwas Kreatives zu gestalten.“
Zum Sieg beim vereinsinternen Wettbewerb um die schönste Fackel hat es trotz aller Arbeit und Kreativität für die Jüko nicht gereicht. Das St.-Sebastianus-Fackelkomitee, in das jede Gesellschaft der Bruderschaft einen Vertreter entsendet, setzte den Motivwagen der Schützenkompanie Liederkranz auf die Eins. Knapp dahinter kam die Jüko, vor der Sankt Blasius Kompanie.