Laura Lootens ist das Fliegen gewohnt. Die 27-jährige Musikerin reist viel und sitzt „eigentlich die ganze Zeit in Fliegern“. Ganz wohl ist ihr trotzdem nie. „Ich habe generell ein bisschen Flugangst“, sagt sie kurz vor ihrem Flug von München nach Amsterdam. Die Vorfälle am Münchner Flughafen hat sie im Kopf. Vor allem die Beinahe-Katastrophe der Boeing 787 von Vietnam Airlines habe für sie „echt nicht ungefährlich“ gewirkt. „Natürlich denkt man dann schon: ‚Boah, was, wenn dir das passiert?‘“
Flughafen München: Beinahe-Katastrophe der Boeing aus Vietnam beschäftigt Reisende
Innerhalb weniger Tage sorgten Mitte August zwei große Passagiermaschinen am Münchner Flughafen auf derselben Bahn 26L für Aufsehen. Zunächst hob ein Dreamliner von Vietnam Airlines erst nach Ende der Piste ab und musste zurückkehren. Zwei Tage später setzte ein Lufthansa-A380 noch vor der Landeschwelle auf und beschädigte ebenfalls Teile der Anflugbefeuerung. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung prüft die Vorfälle.
Wie unterschiedlich Reisende darauf reagieren, zeigt ein Meinungsbild unter Passagieren des Franz-Josef-Strauß-Flughafens. Besonders kurios war es für die Trübenbachs: Die vierköpfige Familie landete nach einer Vietnam-Reise selbst mit einem Dreamliner von Vietnam Airlines in München. Beim Rückflug aus Hanoi habe das Boarding bereits begonnen, als es wegen eines technischen Problems gestoppt wurde. Was genau der Grund war, habe er vor Ort nicht erfahren können, erzählt der Vater und fügt humorvoll hinzu: „Wir hatten jetzt eh wenig Möglichkeiten, auf ein anderes Flugzeug umzusteigen.“
Münchner Flughafen: Manche Fluggäste halten die Aufregung für aufgebauscht
Christian Russ aus Diedorf lässt sich von den Vorfällen nicht beeindrucken. „Nö, hat mich nicht beeinflusst“, sagt der 61‑Jährige. Über die technische Sicherheit des Münchner Flughafens habe er sich „bisher überhaupt keine Gedanken gemacht“. Nach seiner Grönland-Reise seien eher schwierige Anflüge bei Nebel auf kleinen Flughäfen ein Grund, nervös zu werden.
Fehler könnten überall vorkommen, sagt Dunja Arnold. „Sicherlich sollte es trotzdem nicht passieren.“ Auffällig sei für die Augsburgerin aber, „dass das jetzt so direkt hintereinander war“. Die Aufregung hält sie für überzogen: „Der Deutsche ist halt so, dass er aus jeder Mücke einen Elefanten macht.“
Sinkendes Sicherheitsgefühl an Flughäfen: „Was ist eigentlich genau los?“
Eva R. aus Hamburg beschäftigt weniger die Technik als ein allgemein sinkendes Sicherheitsgefühl an Flughäfen, das sie früher noch nicht verspürt habe. Wenn etwas nicht reibungslos funktioniert, fragt man sich schnell: „Was ist eigentlich genau los?“
In echte Panik scheint dennoch niemand zu verfallen. Selbst Laura Lootens steigt trotz Flugangst wieder ein – der Vietnam-Airlines-Dreamliner will ihr trotzdem nicht so recht aus dem Kopf gehen.