Die Glehner Schützen sind in Feierlaune und das Wetter spielt mit. Es gab eine positive und eine traurige Nachricht. Zuerst die gute: Präsident Thomas Coenen hatte sich gefreut, dass in diesem Jahr sieben Großfackeln für einen beeindruckenden Fackelzug sorgen würden. Überraschenderweise waren dann aber sogar acht Fackeln da. Die wundersame Fackelvermehrung hatte einen besonderen Grund.

Großfackel vom Zug „Frischlinge“

Schützenkönig Klaus II. Lohe marschiert auch in Neuss bei den „Frischlingen“ mit. Diese hatten eigens eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet ohne ihr Mitglied Lohe, um in aller Ruhe eine Fackel bauen zu können: Ein großes rosafarbenes Schwein mit einem Schützenhut und neun Frischlingen – alle von innen beleuchtet. Zugkollege Hermann-Josef Baaken erklärte, dass der Glehner Schützenkönig Gründungsmitglied bei den Frischlingen sei, „Bauleiter“ war Christoph Höck. Die Überraschungsfackel war am Samstag von der Fackelbaustelle in Neuss zum elf Kilometer entfernten Glehn überführt worden.

Doch es gab auch eine traurige Nachricht: Thomas Coenen verlas wie in jedem Jahr die Namen der Verstorbenen. Einer von ihnen, Sebastian Patzelt, war am Donnerstag plötzlich und unerwartet im Alter von 44 Jahren verstorben. Sein Zug war erst vor einem Jahr gegründet worden. Seine zwölf Schützenbrüder entschieden daher, in diesem Jahr nicht mitzumarschieren.

Kneipensterben in Glehn thematisiert

Die Großfackeln hatten eine Gemeinsamkeit: Sie waren mit Liebe zum Detail und Einfallsreichtum gebaut worden. Der Zug „Pass Op“ thematisierte das Kneipensterben in Glehn bei gleichzeitiger Zunahme von Friseurgeschäften. „Haare schneiden kein Problem, doch wo soll man einen heben geh“n?“, lautete ihre Frage.

Dem Grenadierzug „Volltreffer“ gelang mit Platz eins bei der späteren Prämierung ein Volltreffer: Bei dieser Großfackel wurde Glehn mit Las Vegas verglichen, die Protagonisten drehten sich im Kreis. Die Figuren kamen aus dem 3D-Drucker, waren anschließend per Hand bemalt worden. Sie hatten ihre letzte Fackel gebaut und riefen andere Züge dazu auf, aktiv zu werden: „Entfliehe jetzt dem Alltagsgrau und widme dich dem Fackelbau.“

Das Motto des Zuges „Alles parat“ lautete: „Hurra, Hurra, was für ein Jahr: Der erste Glehner Jägerkönig ist da.“ Da schob der Schützenkönig den Jägerkönig im Kinderwagen. Der Zug „Janz wat Feines“ wiederum machte ein Malheur aus dem vergangenen Jahr zum Thema: Da war so sehr getanzt worden, dass der Zeltboden aufgebrochen war.

Da es immer weniger Möglichkeiten gibt, Fackeln zu bauen, hatten Franz-Josef Bolten und seine Männer eine Fackel konzipiert, die sich auf Knopfdruck so schrumpfen lässt, dass sie in eine Garage passt. Im letzten Jahr gegründet und jetzt schon mit einer Großfackel vertreten: Die Mitglieder von „Net von Hee“ griffen jetzt ihren holperigen Start auf: Die Schützen hatten sich vor dem Major in den Zug eingereiht.

Und auf dem Wagen des Grenadierzugs „Durchzuch“ sticht eine riesige Wespe einen Schützen. Der Hintergrund: Ein Zugkollege war vor einem Jahr auf dem Oberstehrenabend von einer Wespe gestochen worden und musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Und es wurde sogar politisch beim Fackelzug in Glehn: „Alles Parat“ hatte hinten auf die Fackel folgende Parole geschrieben: „Schützen gegen Rechts“.

Kranzniederlegung und Großer Zapfenstreich

Einer der Höhepunkte des Glehner Schützenfestes war auch in diesem Jahr die Kranzniederlegung mit Großem Zapfenstreich. Insgesamt 14 Tambourcorps und Musikkapellen waren wieder engagiert worden, darunter das Tambourcorps „Blüh“ auf Glehn“, das Bundesschützenmusikkorps Kleinenbroich, der Musikverein Willich und das Viersener Tambourcorps.

Premiere bei der Parade am Sonntag

Als „bravouröses Ereignis mit Gänsehautmomenten“ bezeichnete Hans-Dieter Breuer, zweiter Schatzmeister beim Schützenverein Glehn, die Parade am Sonntagnachmittag. „Es lief alles wie geplant.“ Das war keine Selbstverständlichkeit. Denn erstmals wurde die Hauptstraße als Paradestraße genutzt. „Die Pferde standen ganz ruhig in der Gruppe. Wie im Sicherheitskonzept vorgesehen, standen sie in Fluchtrichtung Bachstraße“, so Breuer. Und bei herrlichem Spätsommerwetter strahlte das Königspaar Klaus II. Lohe und seine Frau Sabine mit seinen Ministerpaaren Christian und Susanne Lange sowie Johann und Gabi von Wirth mit der Sonne um die Wette.