Die Frankreichreise des Papstes vom 25. bis 28. September steckt voller ungewohnter Herausforderungen für den bislang weitgehend „unfallfreien“ Papst Leo XIV. Das liegt nicht nur an der explosiven politischen Lage rund ein halbes Jahr vor den mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahlen im April 2027. Denn dann scheint eine Machtübernahme durch die fremdenfeindlichen Rechtsnationalen unter Führung von Marine Le Pen in Reichweite.

Spannende innerkirchliche Themen

Sehr speziell gelagert sind auch die innerkirchlichen Konflikte. In Frankreich geht es vor allem um Themen der Post-Modernität, die in die Kirche ausstrahlen. Sie zeigen sich etwa im Aufschwung von Erwachsenen-Taufen, der die Bischöfe in einigen Großstädten überrascht hat. Hinzu kommt der Konflikt mit den in Frankreich besonders stark vertretenen Traditionalisten der Piusbruderschaft. Er ist selbst nach der jüngsten Exkommunikation ihrer Bischöfe durch den Vatikan keineswegs ausgestanden. Und auch die Skandale um sexuellen Missbrauch durch Kleriker werfen noch immer ihre langen Schatten auf die Kirche zwischen Rhein und Atlantik.

Doch Papst Leo ist kein Freund von Streit und Zuspitzungen. Seine Frankreich-Reise hat er so geplant, dass weder die Präsidentschaftswahl am Horizont noch die anhaltenden innerkatholischen Spannungen ins Zentrum rücken sollen.

Abtreibung und Sterbehilfe im Fokus

Das biblische Motto der Reise verdeutlicht dies. Es lautet „Damit die Welt das Leben habe“. Das lässt jedoch Raum für Spekulationen, ob der Papst in seinen Ansprachen auf die unter Präsident Emanuel Macron liberalisierte Gesetzgebung in Sachen Abtreibung und Sterbehilfe eingehen wird. 

Klar ist bislang aber nur das Programm der Reise. Nach dem Empfang durch den Staatspräsidenten am Freitag im Elysee-Palast und einer Rede vor Politikern und Diplomaten steht als erster Höhepunkt ein Besuch am Sitz der weltweiten Kulturbehörde Unesco auf dem Programm.

Das Phänomen der Erwachsenen-Taufen

Mit einem Wortgottesdienst in der aus Feuersbrunst und Asche wiedererstandenen Kathedrale Notre Dame und einer Gebetsvigil mit Jugendlichen im „Stade de France“ folgen zwei unverfängliche kirchliche Highlights. Spannend wird es am Samstagmorgen, wenn der Papst die Mitglieder der Synodalversammlung des Großraums Paris trifft.

Dort wird Leo XIV. Gelegenheit haben, das schwer zu deutende und von manchen für problematisch erklärte Phänomen der unerwartet zahlreichen Erwachsenen-Taufen in Frankreich anzusprechen. Etliche der Neulinge werden bei dem Treffen dabei sein.

Große Papstmesse als Stimmungsbarometer

Der anschließende große Freiluftgottesdienst auf der „Place de la Concorde“ am Samstagnachmittag wird ein wichtiges Stimmungsbarometer. Die Messlatten früherer Papstgottesdienste in Paris liegen hoch: Johannes Paul II. konnte dort beim Weltjugendtag 1997 überraschend 1,2 Millionen meist junge Leute mobilisieren. Und zuletzt predigte Benedikt XVI. im September 2008 am Invalidendom vor einer Viertelmillion Menschen.

Ein kleines Handicap für den Papst mit dem französischen Familiennamen Prevost ist die Sprache. Vor allem mit der Aussprache des Französischen tut er sich mitunter schwer. Aber das hindert ihn nicht daran, es in manchen Momenten auch kraftvoll und mitreißend zu nutzen – so wie er es bei seiner Reise in den Libanon im vergangenen Dezember tat.

Belastende Rupnik-Mosaiken in Lourdes

Ein besonders unangenehmer Konflikt erwartet Leo XIV. am dritten Tag seiner Reise ausgerechnet am Marienwallfahrtsort Lourdes in Südwestfrankreich. Die Fassade der dortigen Rosenkranzbasilika ist Teil des Problems. Der wegen Missbrauchsvorwürfen von Ordensfrauen in der Kritik stehende Mosaikkünstler Marko Rupnik hat sie einst bildnerisch mitgestaltet.

Zwar findet der große Papst-Gottesdienst am Sonntag auf einem Freigelände neben der Basilika statt – ohne Blick auf die Fassade. Auf Geheiß des Ortsbischofs wurde im vergangenen Jahr damit begonnen, einige Rupnik-Mosaiken zu verhängen. Noch vor Leos XIV. Besuch soll auch der Rest verdeckt werden. Der kirchenrechtliche Prozess gegen den Künstler im Vatikan verläuft indes bislang ohne erkennbare Fortschritte und im Geheimen – und das führt zu einer ungewollten Belastung des Papstbesuchs an dem populären Marienwallfahrtsort.

Debatte um die Kosten der Reise

Zudem gibt es in Frankreich eine Debatte um die Kosten des Besuchs. Der Streit geht darum, inwieweit der laizistische Staat neben den Kosten für die Sicherheit auch jene für die Bereitstellung der Infrastruktur übernehmen soll. Doch die Möglichkeiten der weitgehend mittellosen Kirche in Frankreich sind trotz eigener Spendensammlungen für den Besuch begrenzt, so dass der Staat trotz aller Bedenken vermutlich einspringen wird.

An seinem letzten Besuchstag überfliegt Leo XIV. Frankreich von West nach Ost und reist nach Metz. Es wird erwartet, dass er im lothringischen Dreiländereck unter Berufung auf den Europa-Gründervater Robert Schuman die christlichen Wurzeln und die Einheit des Kontinents beschwören wird.

Gut möglich, dass er bei dieser Gelegenheit auch ein paar Sätze auf Deutsch sagen wird – und dass Menschen aus der benachbarten Region Luxemburg-Trier-Saarbrücken ihn dort live erleben können. Am späten Montagabend wird der Papst in Rom zurückerwartet.

Papstbesuch in Frankreich 2026

Papst Leo XIV. reist vom 25. bis 28. September nach Frankreich und macht Station in der Hauptstadt Paris, im Marienwallfahrtsort Lourdes sowie in Metz in Lothringen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert das vom Vatikan am Freitag veröffentlichte Reiseprogramm in eigener Übersetzung.  

Apostolische Reise Seiner Heiligkeit Papst Leos XIV. nach Frankreich und Besuch des Hauptsitzes der Unesco (25.-28. September 2026)