DruckenTeilen
Für die Einigung bei VW gibt es positives Feedback aus der Bundesregierung. Bei den Details des Sparpakets sieht die Sache jedoch anders aus.
Wolfsburg – Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Der Aufsichtsrat hat einem Sanierungsplan zugestimmt, mit dem der Konzern seine Kosten senken und seine Wettbewerbsfähigkeit sichern will. Dem Beschluss gingen monatelange Auseinandersetzungen über den künftigen Kurs des Autobauers voraus.
VW hat ein weitreichendes Sparpaket verabschiedet. © Lars Penning/dpa
Der Vorstand hatte angesichts der Krise der europäischen Autoindustrie einen verschärften Sparkurs gefordert. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen, das als wichtiger Anteilseigner im Aufsichtsrat vertreten ist, hatten sich zunächst gegen zentrale Teile der Pläne gestellt. Wie der Spiegel berichtet, verhinderte die spätere Einigung eine weitere Eskalation zwischen Konzernführung, Arbeitnehmerseite und Politik.
Bundeskanzler Merz warnt vor Verlust von Industriearbeitsplätzen „in großem Umfang“
Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte den Kompromiss. Ein offener Streit über die Führung des Konzerns bis hin zu einer außerordentlichen Hauptversammlung wäre „alles andere als hilfreich“ gewesen, äußerte der Bundeskanzler. Zugleich warnte er vor den Folgen der Krise für die Beschäftigten. „Uns gehen im Augenblick in großem Umfang Industriearbeitsplätze verloren“, sagte Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Langenhagen bei Hannover. Diesen Trend müsse und wolle die Politik stoppen: „Deutschland muss ein Industrieland bleiben!“
Merz verwies zudem auf die besondere Bedeutung von Volkswagen für Niedersachsen. Kein anderes Bundesland sei so stark von einem einzelnen großen Industrieunternehmen geprägt, so der Kanzler. Am Schicksal des Autobauers hingen deshalb nicht nur die Beschäftigten der VW-Werke, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern sowie im Handel und im Gewerbe.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Bayern
Fotostrecke ansehenOberbürgermeister von Hannover appelliert an VW, ungenutztes Potenzial auszuschöpfen
Deutlich kritischer äußerte sich Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Nach der Einigung forderte er eine klare Zukunftsperspektive für den Standort Hannover-Stöcken. „Es kann doch nicht wahr sein, dass ein Vorstand eines deutschen Unternehmens den Industriestandort Deutschland derart kampflos aufgibt“, zitiert der Spiegel den Grünen-Politiker. Von einem Management, das vor allem Kürzungen und Stellenabbau ankündige, sei der Standort nicht ausreichend abgesichert.
Onay sieht gerade im Hannoveraner Werk noch ungenutztes Potenzial. Dort werden Nutzfahrzeuge wie der ID. Buzz gebaut – ein Segment, in dem chinesische Hersteller nach seiner Einschätzung noch nicht so stark vertreten sind. Dass Volkswagen diese Expertise nicht konsequenter nutze, sei „absolut unverständlich“, erklärte der Oberbürgermeister. Die Einigung habe zwar eine unmittelbare Eskalation verhindert, für Hannover aber noch keine verlässliche Sicherheit geschaffen. (Quellen: Spiegel, dpa) (sp)