
In Sachsen-Anhalt ist am Sonntag ein neuer Landtag gewählt worden. Die AfD wird nach den bisherigen Zahlen stärkste Kraft. Politiker aus Berlin und Brandenburg äußern sich zum Ergebnis in Sachsen-Anhalt – auch mit Blick auf die Wahl in Berlin.
- Laut Hochrechnungen ist die AfD stärkste Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geworden
- AfD Berlin spricht von „großartigem Wahlsieg“, andere Parteien besorgt bis kämpferisch
- Nächste Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist nach den Hochrechnungen von Sonntagabend die AfD stärkste Kraft geworden. [mdr.de] Sie erzielte rund 44 Prozent der Stimmen. Der Landesverband der AfD wird vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Das Wahlergebnis ist von Politikern in Berlin und Brandenburg unterschiedlich kommentiert worden – während sich die AfD zufrieden zeigt, reagierten Vertreter anderer Parteien bedrückt.
Gedrückte Reaktionen in Brandenburg
Der Brandenburger SPD-Generalsekretär, Kurt Fischer, sagte dem rbb, die SPD in Sachsen-Anhalt habe zwar besser abgeschnitten als vorhergesagt. Dennoch sei es ein schlechtes Ergebnis für die Demokratie in Deutschland. Nun müsse darum gerungen werden, dass das Land in der Gesamtaufstellung wieder vorangebracht – und die AfD wieder kleiner wird. Der Generalsekretär der CDU in Brandenburg, Julian Brüning, sprach im rbb ebenfalls von einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis der Sachsen-Anhalt-Wahl. Seine Partei habe um die Stimmen der Menschen gekämpft – aber angesichts der hohen Verluste wird das Ergebnis in Ruhe aufgearbeitet werden müssen. Mit Blick auf die Regierungskoalition in Potsdam sagte Brüning, die CDU leiste derzeit sehr vertrauensvolle, gute Zusammenarbeit mit der SPD. Für die Linke sagte die Brandenburger Landes-Parteichefin Katharina Slanina dem rbb, es freue sie zwar, dass sich ihre Partei in den ostdeutschen Landtagen stabilisiere. Dennoch sei dieses Wahlergebnis kein Erfolg für keine demokratische Partei in diesem Land. Es bedeute einen Einschnitt für die gesamten Bundesrepublik, den man jetzt auswerten müsse.
AfD Berlin: Menschen wollen politischen Wandel
Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD Berlin, Kristin Brinker, sprach laut einer Pressemitteilung von einem „großartigen Wahlsieg“. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und die sachsen-anhaltinische AfD hätten „ein Ergebnis erzielt, dass der AfD noch vor kurzem niemand zugetraut hätte.“ Die Menschen, so Brinker weiter, seien unzufrieden und wählten daher die AfD. Man spüre das auch im Wahlkampf für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 21. September: „Sie wollen den politischen Wandel, eine grundsätzliche politische Wende.“
Andere Berliner Parteien besorgt bis kämpferisch
Der Generalsekretär der CDU Berlin, Lukas Krieger, zeigte sich enttäuscht über die ersten Hochrechnungen: „Ich hätte mir für Sachsen-Anhalt ein anderes Wahlergebnis gewünscht. Dass eine gesichert rechtsextreme Partei in einem deutschen Landtag so deutlich vorne liegt, ist eine Zäsur für unser Land“, erklärte Krieger laut einer Pressemitteilung. Er betonte, dass seine Partei niemals mit der AfD zusammenarbeiten werde. Ebenso distanzierte sich Krieger von der Berliner Linken.
Spitzenkandidat und Landesvorsitzender der Berliner SPD, Steffen Krach, äußerte sich besorgt über die Zukunft der Demokratie. CDU und Linke, so Krach, müssten in Sachsen-Anhalt über ihren Schatten springen um „den ersten rechtsextremen Ministerpräsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg zu verhindern“, so Krach in seinem Pressestatement. Die AfD sei „auch hier in Berlin eine Gefahr für unsere Demokratie“, so Krach und dürfe „niemals wieder stärkste Kraft werden“. Bereits am Sonntagnachmittag hatte die Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) mit Blick auf den zu erwartenden Wahlsieg der AfD ein Gesetz zum Schutz der Demokratie gefordert. Vor allem engagierte Träger und Vereine in Sachsen-Anhalt seien jetzt ernsthaft in ihrer Existenz bedroht, erklärte Kiziltepe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.
Die Linke-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, sagte über die Gewinne der AfD Sachsen-Anhalt: „Dieser Tag markiert einen historischen Bruch, doch der Kurs der Geschichte ist noch nicht gesetzt.“ In ihrem Pressestatement betonte sie, dass sie sich für ein bezahlbares und sicheres Leben in Berlin einsetzen will. „Ich bin die Antwort auf Sachsen-Anhalt“, so Eralp.
Der innenpolitische Sprecher der Berliner Grünen, Vasili Franco, forderte ein AfD-Verbot: „Kein Milimeter mehr nach Rechts. Kein Fußbreit dem Faschismus. Bringt die AfD endlich vor das Bundesverfassungsgericht!“, erklärte er auf der Plattform Bluesky.
Bisher regiert Dreierbündnis aus CDU, SPD, FDP
Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr waren rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen. 15 Parteien traten an. Bislang wird Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP regiert – unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). Die erste Sitzung des neuen Landtags von Sachsen-Anhalt muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss, aber Fristen für mögliche weitere Wahlgänge, sollten der erste und weitere scheitern.
AfD Sachsen-Anhalt gilt als gesichert rechtsextremistisch
Der Landesverband Sachsen-Anhalt der Alternative für Deutschland (AfD) wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD Sachsen-Anhalt klagt gegen diese Einstufung, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt.
Auch die Brandenburger AfD-Fraktion wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD Brandenburg hat ebenfalls Rechtsmittel eingelegt und klagt dagegen. Auch hier ist das Verfahren derzeit ausgesetzt.
Die Ergebnisse der Wahl waren mit Spannung erwartet worden – auch mit Blick auf die kommenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. Hier wird in zwei Wochen gewählt.
Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 06.09.2026, 19:30 Uhr Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 06.09.2026, Ismahan Alboga