04.09.2026 – 12:45
Hannover (ots)
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Niedersachsen lehnt die nach Medienberichten vom Landesrechnungshof empfohlene Reduzierung des Dienstpferdebestands und die Schließung eines Reiterstaffel-Standortes in Hannover oder Braunschweig ab. Eine Betrachtung, die vor allem die Kosten je Dienstpferd in den Mittelpunkt stellt, greift zu kurz. Entscheidend ist, welchen taktischen und personellen Mehrwert die berittenen Einheiten im Einsatz erbringen.
Patrick Seegers, Landesvorsitzender der DPolG Niedersachsen: „Sicherheit kostet Geld. Gerade vor dem Hintergrund der Sabotageaktionen der vergangenen Tage und der angespannten geopolitischen Lage sparen wir bei Polizei und Bevölkerungsschutz am falschen Ende. Es wäre widersinnig, ausgerechnet jetzt bewährte polizeiliche Fähigkeiten abzubauen. Wer einen Standort schließt, verliert speziell ausgebildete Teams, Infrastruktur und Einsatzfähigkeit – und kann all das bei einer verschärften Sicherheitslage nicht kurzfristig zurückholen.“
Polizeipferde bewähren sich insbesondere bei Fußballspielen, Demonstrationen, Großveranstaltungen, Fahndungen und Suchmaßnahmen. Sie verschaffen Übersicht, wirken sichtbar und häufig deeskalierend und können Menschenmengen lenken oder Gruppen trennen. Ein berittenes Team kann dabei lageabhängig den Einsatzwert von bis zu zehn Beamtinnen und Beamten am Boden erreichen.
Christian-Tobias Gerlach, stellvertretender Landesvorsitzender: „Wer nur den Preis eines Polizeipferdes berechnet, aber den personellen Ersatzaufwand ausblendet, legt eine unvollständige Rechnung vor. Fallen die Pferde weg, fallen die Aufgaben nicht weg. Dann müssen für Absperrungen, Trennmaßnahmen und die Lenkung größerer Gruppen deutlich mehr Kolleginnen und Kollegen eingesetzt werden. Das verschärft den Personalmangel statt ihn zu lösen.“
Auch Hamburg darf keine Blaupause für Niedersachsen sein. Die dort geplante Abschaffung der Reiterstaffel wird von der DPolG Hamburg ausdrücklich kritisiert. Wenn mehrere Länder gleichzeitig spezialisierte Einsatzfähigkeiten abbauen, schwächt das zudem die gegenseitige Unterstützung bei großen und länderübergreifenden Einsatzlagen.
Die DPolG Niedersachsen fordert deshalb vor jeder Strukturentscheidung eine transparente Bedarfs- und Wirtschaftlichkeitsanalyse. Sie muss neben den Vollkosten auch den taktischen Einsatzwert, den zusätzlichen Personalbedarf ohne Pferde, längere Anfahrts- und Transportwege sowie den Verlust ausgebildeter Teams und vorhandener Infrastruktur berücksichtigen. Bis diese Gesamtbewertung vorliegt, müssen beide Standorte und eine bedarfsgerechte Zahl einsatzfähiger Polizeipferde erhalten bleiben.
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