Der HSV lag 0:4 gegen Mainz zurück, der Sonntag war gelaufen, das Comeback von Fabio Vieira im Eimer, die Debüts der anderen teueren Neuzugänge ebenso. Doch ein Ex-Hamburger machte alles noch schlimmer.
Ransford Königsdörffer, im Sommer ablösefrei nach Mainz gegangen und am Sonntag in Halbzeit zwei eingewechselt, enteilte von Philipp Mwene in die Tiefe geschickt der letzten HSV-Linie, zog dann gegen Abwehrchef Sebastian Bornauw nochmal auf, um diesen zu vernaschen und den Ball unhaltbar für Daniel Heuer Fernandes zum 5:0 für Mainz im Hamburger Tor zu versenken. Es folgte ein Jubel-Sprint von Königsdorffer, der Knierutscher und reichlich Gestik mit den Händen hinter den Ohren in Richtung der Zuschauer.
Diese Provokation, expressiver Jubel bei einem Tor gegen den Ex-Klub, zumal erst Wochen nach dem Abschied, wird immer als solche gewertet werden, rüttelte den Volkspark nochmal wach. Pfiffe und Buhrufe gegen Königsdörffer waren die Folge. Auch die HSV-Spieler reagierten. Kapitän Nicolai Remberg ging entschlossen auf die Mainzer Jubeltraube zu, um den Ex-Kollegen zur Rede zu stellen.
„Ich mag Ransi unfassbar gerne. Ich komme unfassbar gut mit ihm klar“, sagte Remberg anschließend bei DAZN. „Aber ich bin Kapitän von diesem Verein und wenn einer vor unseren Fans jubelt, dann gehört sich das für mich nicht, dann muss ich da hingehen. Das muss ich dann sagen.“
Er habe Königsdörffer gleich mitgeteilt, dass er dessen Aktion für „einfach nicht korrekt“ hielt. „Er hat hier gespielt. Dann so zu jubeln, so doll und so extrem – wenn du dann einen Knierutscher machst, ist das vielleicht auch nicht cool.“
Getty Images“Manchmal unter der Gürtellinie“: Remberg fühlt mit dem Ex-Kollegen
Remberg zeigte aber auch Verständnis für Königsdörffer, der in der vergangenen Saison teils heftiger Kritik ausgesetzt war.
„Von außen hat man gar nicht mitbekommen, wie schlimm die Beleidigungen gegen ihn waren. Deswegen muss ich vielleicht jetzt nicht sagen, ich kann ihn verstehen, aber es war schon manchmal echt unter der Gürtellinie, was ich da mitbekommen habe“, erklärte Remberg. „Das kam vielleicht bei ihm gerade raus, so hatte ich das Gefühl, weil er danach dann auch abklatschen wollte.“
Weniger verständnisvoll meldete sich Ex-HSV-Profi Sonny Kittel, der noch mit Königsdörffer zusammenspielte. „Bodenlos!“, kommentierte der auf dem Instagram-Kanal von DAZN ein Video.
Während sich Königsdörffer selbst nicht äußerte, bemühten sich beide Trainer um Deeskalation. „Ich will das nicht überbewerten. Das ist mir scheißegal, wer irgendwas nach einem Tor macht“, sagte Merlin Polzin. „Das sollen die Jungs untereinander klären.“ Sinngemäß ergänzte Hamburgs Trainer, er habe nach einem 0:5 andere Themen zu bearbeiten.
Getty ImagesKönigsdörffer spielt wichtige Rolle bei Aufstieg und Klassenerhalt
„Man sollte es natürlich nicht übertreiben. Aber ich finde, dass sich ein Spieler freuen sollte, wenn er ein Tor schießt“, sagte der Mainzer Coach Urs Fischer. Für Remberg blieb am Sonntag ein „kleiner Beigeschmack“. Sein persönliches Verhältnis zum früheren Kollegen würde dadurch aber nicht lange leiden.
Vor dem Spiel hatte Königsdörffer von HSV-Sportdirektor Claus Costa ein Abschiedsgeschenk für seine Zeit in Hamburg erhalten. Der 24-Jährige war 2022 von Dynamo Dresden zum HSV gekommen und hat 138 Spiele für die Rothosen absolviert. In der Saison 2024/25 hatte er großen Anteil am Aufstieg, im Vorjahr war er Stammspieler beim HSV und steuerte fünf Tore zum Klassenerhalt bei.