Ein Facebook-Post aus Luxemburg teilt ein Sharepic mit folgendem Text: „Ich frage mich, warum die ukrainischen Flüchtlinge nicht in der Westukraine sind. Die ist seit drei Jahren völlig kriegsfrei und flächenmäßig fast so groß wie die Bundesrepublik. Warum?“

Bewertung

Die Behauptung, die Westukraine sei seit Jahren „kriegsfrei“, ist falsch.

Fakten

Seit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine vom 24. Februar 2022 sind nach Angaben der UN-Flüchtlingsbehörde UNHCR knapp 5,7 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine im Ausland registriert worden. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat hatten im April 2026 knapp 4,4 Millionen Ukrainer vorübergehenden Schutz in der EU beantragt. Davon entfielen knapp 1,3 Millionen auf Deutschland.

Zutreffend ist, dass die östlichen Regionen der Ukraine, beispielsweise der Donbass, seit 2022 besonders stark von Kriegshandlungen aller Art betroffen ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Westen des Landes „kriegsfrei“ wäre.

Eines der Hauptziele im Westen der Ukraine ist die Stadt Lwiw (früher Lemberg). Ende Juli wurden dort, nur 70 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt, nach russischen Raketentreffern 10 Tote und 15 Verletzte gemeldet. Im Januar 2026 hatte Russland die Stadt erstmals mit einer Hyperschall-Mittelstreckenrakete „Oreschnik“ angegriffen. Im Februar 2026 ereigneten sich zeitgleich zu heftigen Raketen- und Drohnenangriffen Explosionen im Stadtzentrum. Im Oktober 2025 hatte Russland die Region Lwiw mit 140 Drohnen und 23 Raketen angegriffen.

Warnung vor Reisen in die Region

Das Luxemburger Außenministerium verweist unter anderem auf die Reisehinweise des deutschen Außenministeriums. Am 19. August 2026 hieß es dort, in den westukrainischen Regionen Wolhynien, Riwne, Lwiw, Ternopil, Transkarpatien, Iwano-Frankiwsk und Tscherniwzi seien „Frequenz und Intensität der Luftangriffe zwar deutlich geringer ausgeprägt als in den anderen Landesteilen, dennoch kommt es aber auch hier immer wieder zu Angriffen u.a. mit Marschflugkörpern und Langstreckendrohnen“. 

Das britische Außenministerium warnt grundsätzlich vor Reisen in das Grenzgebiet mit Belarus. In die anderen westukrainischen Gebiete – wozu auch die Region Lwiw gehört – sollten nur zwingend notwendige Reisen („essential travel“) unternommen werden. Die Gefahr von russischen Angriffen bestehe „in der gesamten Ukraine“. „Zwar treten diese Vorfälle häufiger dort auf, wo das Außenministerium grundsätzlich von jeglicher Reise abrät, doch können sie auch in den westlichen Regionen vorkommen – und tun dies auch –, wo das Außenministerium von allen Reisen abrät, die nicht unbedingt notwendig sind.“

Das US-Außenministerium sieht die Lage in seinen Reisehinweisen ebenso. Die Sicherheitslage in der Ukraine sei «unberechenbar», heißt es dort. Dies gelte auch für den Westen der Ukraine: „Russlands unprovozierte groß angelegte Invasion in der Ukraine dauert an, und selbst Regionen abseits der Front sind weiterhin russischen Raketen- und Drohnenangriffen ausgesetzt.» Daher sollten US-Bürger Reisen in die westukrainischen Regionen «noch einmal überdenken“.

Die russischen Angriffe auf Ziele im Westen der Ukraine werden übrigens auch von der russischen Nachrichtenagentur TASS bestätigt. So berichtete die Agentur beispielsweise am 30. Juli 2026, die Ukraine habe russische Angriffe mit Langstreckenraketen auf Ziele in Lvov (russisch für Lwiw) nicht abwehren können.

Nicht einmal offizielle russische Stellen behaupten also, die westliche Ukraine sei „kriegsfrei“.

(Stand: 19.8.2026)

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