Bielefeld. Im Januar 2024 machte ein Ereignis in Schildesche Schlagzeilen: Um ihrem Protest gegen Baumfällungen Ausdruck zu verleihen, kettete sich die 82-jährige Helga Jung-Paarmann zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Baum fest. Die Doktorin der Politikwissenschaften gehört zu Extinction Rebellion.

Die Fällungen an der Apfelstraße und An der Reegt waren nötig geworden, um den Neubauten der Martin-Niemöller-Gesamtschule Platz zu machen. Am mit 140 Millionen Euro teuersten Schulbau hatte sich immer wieder Kritik entzündet. Alleine die Nutzfläche der Schule beträgt 12.500 Quadratmeter.

Kurze Zeit nach der Aktion von Paarmann zogen rund 20 Aktivisten der Gruppe mit Sarg, Baum und Grabreden durch die Innenstadt, um unter anderem gegen die Fällungen in Schildesche zu protestieren. Auch einige Bezirkspolitiker und Anwohner sprachen sich gegen die Fällung von 140 Hainbuchen, Linden, Eichen, Vogelbeeren und Ahornen aus.

Sorgen um verbliebene Bäume

Als die Temperaturen in diesem Sommer auf mehr als 30 Grad anstiegen, beobachteten besorgte Anwohnerinnen den Zustand der verbliebenen Bäume, die inmitten der Baustelle entlang der Apfelstraße stehen. „Sie werden nicht gut gepflegt“, lautete der Tenor.

Nun teilt der Umweltbetrieb der Stadt mit, dass die im Baugebiet bestehenden Bäume während der gesamten Baumaßnahme fachlich begleitet würden, „um ihren langfristigen Erhalt sicherzustellen“. Hierfür habe der Immobilienservicebetrieb (ISB) eine Umweltbaubegleitung beauftragt. Neben der Einhaltung des Baumschutzes würden auch Eingriffe im Wurzelbereich begutachtet.

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Wie viele andere Straßenbäume würden einzelne Bäume im Baugebiet Anzeichen von Trockenstress zeigen. In den vergangenen Tagen scheint sich das Grün jedoch teilweise erholt zu haben. Geplant sei, dass nach Fertigstellung der Baumaßnahme eine Pflege der Bäume durch eine externe Firma stattfinde.


Helga Jung-Paarmann hat sich aus Protest gegen die Fällungen angekettet. - © Kurt Ehmke

Helga Jung-Paarmann hat sich aus Protest gegen die Fällungen angekettet.
| © Kurt Ehmke

Nun ist bekannt geworden, dass von den 140 auf dem Schulgelände gefällten Bäumen 66 Ersatzbäume wieder auf dem Gelände gepflanzt werden sollen. „Die weiteren 74 Ersatzbäume werden in Park- und Grünanlagen des Stadtteils und in bislang versiegelten Bereichen entlang von Straßen verortet“, teilt Stadt-Sprecherin Milena Hillingmeier mit.

Grün soll bis zu 20 Meter hoch werden

Um sicherzustellen, dass die Neupflanzungen „einen relevanten Beitrag zur Verbesserung des lokalen Stadtklimas leisten“, sollen die Ersatzstandorte einen maximalen Abstand von 1.500 Metern zu den bisherigen Standorten bekommen. Die neuen Bäume sollen bereits eine Höhe von sechs bis acht Metern aufweisen – und bis zu 20 Meter erreichen.