Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll? Kann man Leitungswasser bedenkenlos trinken? Hilft Kollagen gegen Falten? Und ist Bio automatisch gesünder?
In kaum einem Bereich gibt es so viele widersprüchliche Informationen wie bei Ernährungs- und Gesundheitsfragen. Ein wenig Licht in den Dschungel will Julia Fischer bringen. Die bekannte Moderatorin und Ärztin geht in ihrem neuen Buch „Was stimmt denn jetzt?“ populären Gesundheitsmythen unserer Zeit auf den Grund.
Ihr Fachwissen erwarb die Autorin ab 2004 beim Medizinstudium an der Charité und anschließend als Ärztin an den Vivantes-Kliniken in Friedrichshain und Spandau. Berlin ist sie auch danach treu geblieben. Wie es dazu kam, erzählt Julia Fischer in unserem Fragebogen.
1. Frau Fischer, Sie sind 1984 in Aachen zur Welt gekommen. Wann und warum hat Ihr Weg Sie nach Berlin geführt?
Wir sind wenige Monate nach meiner Geburt von Aachen nach Hamburg gezogen – weitere acht Jahre später nach Göttingen. Göttingen war eine tolle Stadt für die Schulzeit: klein, beschaulich, kulturell immer was los, alles fußläufig oder mit dem Fahrrad erreichbar. Aber nach dem Abitur wollte ich dringend wieder in eine große Stadt.
Der Traum: Journalismus studieren, entweder in Hamburg oder Berlin. Für beide Städte war mein NC aber nicht gut genug. Also hab ich in Hamburg journalistische Praktika gemacht und festgestellt: Ich will über ein Thema schreiben, das mich sicher ein Leben lang fesseln und von der Masse abheben wird. Medizin! Das klappte – ich begann das Studium an der Charité.
2. Das erste Mal in der Hauptstadt – wie war das?
Ich hab’s sofort geliebt. Ich erinnere mich, wie ich an einem der ersten Abende mit dem Fahrrad am Fernsehturm vorbeigefahren bin. Gigantisch, historisch, angeleuchtet und in Szene gesetzt. In meinen Augen versprach alles Abenteuer. Und meine Zeit wurde abenteuerlich.
3. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie bislang gelebt – und wo sind Sie schließlich gelandet und geblieben?
Begonnen habe ich während des Studiums in Prenzlauer Berg nahe dem Mauerpark. Altbauwohnung, stylische Cafés, Flohmarkt und Karaoke im Park. Danach kam Mitte – erst Torstraße, dann Kastanienallee. Die Mieten waren im Vergleich zu heute spottbillig, ich habe mit sehr engen Freundinnen zusammengelebt und mindestens so viel Zeit auf den Tanzflächen der Clubs verbracht wie in der Uni.
Getanzt bis zum Morgengrauen, dann mit den High Heels in der Hand barfuß nach Haus. Auskatern in Cafés, und wenn das Geld am Ende des Monats nicht gereicht hat, gab es Ein-Euro-Reis mit süß-saurer Soße vom Asia-Imbiss an der Ecke. Eine der besten Zeiten meines Lebens.
Dann ein Jahr Spanien und danach Studentenwerk am Kottbusser Tor: 20 Quadratmeter WG-Zimmer für 180 Euro im Monat! Underground-Clubs, Hinterhofpartys, günstige Restaurants – Berlin war unglaublich.
Die Uni habe ich (zum Glück trotzdem) erfolgreich abgeschlossen, habe promoviert, und dann zog ich mit meinem zukünftigen Ehemann in die Graefestraße. Eine herrliche DINK-Zeit (Double Income, No Kids). Mit dem ersten Kind kam die Lust aufs zweite, also sind wir nach Tempelhof gezogen. Das Beste aus zwei Welten: Kleines Häuschen mit Gärtchen, die Kinder können draußen spielen, in fünf Minuten sind wir mit dem Fahrrad im Kiez. Die Nachbarschaft ist ein Traum. Wir beglückwünschen uns jeden Tag zu unserem Glück.

Knaur MensSana HC
Zur Person
Dr. Julia Fischer ist Ärztin, Journalistin und Moderatorin. Medizinische und wissenschaftliche Themen kompetent und unterhaltsam zu erklären, ist ihr Spezialgebiet. Seit 2019 ist sie erfolgreiche Medfluencerin auf Instagram und moderiert seit 2021 im SWR die Sendung „Doc Fischer“. Der YouTube-Kanal „ARD Gesund“ mit ihr hat über 500.000 Abonnenten.
Fischers neues Buch „Was stimmt denn jetzt?“ ist am 1. September bei Knaur erschienen (320 Seiten, 18 Euro).
4. Sie haben als Ärztin in Berliner Krankenhäusern gearbeitet, bevor Sie in die Moderation wechselten. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben?
Der Arztberuf hat mich Demut gelehrt. Im Krankenhaus wird einem jeden Tag bewusst, wie zerbrechlich Gesundheit ist und wie schnell ein ganz normaler Alltag vorbei sein kann. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie sinnstiftend der Beruf ist und wie dankbar Menschen sein können – oft nicht nur für eine erfolgreiche Behandlung, sondern dafür, dass sich jemand Zeit nimmt, zuhört und ihnen etwas verständlich erklärt. Genau das versuche ich heute in Video- und Textform .
5. In Ihrem neuen Buch entlarven Sie Mythen rund um Essen, Fitness und Wohlbefinden. Gibt es einen Ernährungstrend, der Ihnen in Ihrer Wahlheimat Berlin zu viel wird?
Ich weiß gar nicht, ob das typisch Berlin ist. Aber mich beschäftigt der Trend, Ernährung immer stärker auf einzelne Nährstoffe oder sogar Moleküle zu reduzieren. Es wird leidenschaftlich über Proteinmengen, NAD+, Nahrungsergänzungsmittel oder den neuesten Longevity-Hack diskutiert. Oft reichen schon spannende Labor- oder Tierstudien, damit ein Trend als wissenschaftlich bewiesen verkauft wird. Dabei beginnt belastbare Evidenz erst mit hochwertigen Studien am Menschen. Und die beste Evidenz haben bis heute keine Infusionen, sondern eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, Schlaf und Nichtrauchen. Das verkauft sich nur leider schlechter.
6. Was nervt Sie persönlich am meisten an der Stadt?
Mich ärgert, dass der CDU-geführte Senat beim Umbau Berlins zu einer fahrrad-, klima- und umweltfreundlicheren Stadt auf die Bremse tritt. Geplante Radverkehrsprojekte wurden gestoppt oder neu bewertet, auf zahlreichen Hauptstraßen gilt wieder Tempo 50 statt Tempo 30 – Entwicklungen, die ich persönlich bedauere. Wenn ich sehe, wie konsequent Städte wie Paris oder Barcelona den öffentlichen Raum zugunsten von Radfahrenden, Fußgängerinnen und Fußgängern sowie Grünflächen umgestalten, wünsche ich mir diesen Mut auch für Berlin. Stattdessen kommen gefühlt überall Dauerbaustellen dazu, die ewig nicht fertig werden. Egal, welchen Weg ich nehme: Irgendwo ist gesperrt, aufgerissen oder umgeleitet.
Und trotzdem heitert mich Berlin immer wieder auf. Spätestens auf dem Tempelhofer Feld. Dort tanzen Menschen Swing, andere lassen Drachen steigen, spielen Cricket oder trainieren Kickboxen, Familien picknicken, Kinder lernen Fahrrad fahren, und irgendwo grillt immer jemand. Kaum ein Ort zeigt so schön, wie bunt, offen und entspannt diese Stadt sein kann. Genau deshalb wünsche ich mir, dass Berlin sein Potenzial noch konsequenter nutzt.
7. Welcher ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?
Die Hängematte in meinem Garten.
8. Ihre persönliche No-go-Area?
Klassische No-go-Areas habe ich eigentlich nicht. Es gibt eher Orte, an denen ich nicht freiwillig viel Zeit verbringen möchte: riesige Shoppingcenter an Samstagnachmittagen gehören definitiv dazu.
9. In welchem Restaurant reservieren Sie für einen gelungenen Abend?
Im Il Casolare in Kreuzberg.
10. Einkaufen in der Stadt: In welchem Laden kennt Ihre Kreditkarte kein Limit?
Hm, ich glaube, in keinem. Ich gebe mein Geld lieber für Reisen, gutes Essen oder gemeinsame Erlebnisse aus als für Dinge.
11. Der beste Stadtteil Berlins? Und der schlimmste?
Mein Lieblingsstadtteil ist Kreuzberg, vor allem rund um den Graefekiez. Da hat Berlin für mich genau die richtige Mischung: schöne Altbauten, gute Cafés, individuelle Shops, nette Restaurants, der Kanal. Auf der Admiralbrücke sitzen und Livemusik hören, jederzeit in Spätis einkaufen können, einfach abhängen: herrlich.
Am wenigsten mag ich die Ecken Berlins, die aussehen, als wären sie ausschließlich zum Einkaufen und Durchfahren gebaut worden. Große Ketten, breite Straßen, viel Beton, wenig Atmosphäre. Das Gegenteil von dem, was Berlin für mich ausmacht.
12. Wie sieht Ihr perfektes Berlin-Wochenende aus – vom Frühstück am Morgen bis zum letzten Drink in der Nacht?
Am liebsten beginne ich mein Wochenende früh mit einer Runde Joggen auf dem Tempelhofer Feld oder ein paar Bahnen im Prinzenbad, solange die Stadt noch nicht richtig wach ist. Danach Frühstück im Le Bon, mit Freunden und ohne Zeitdruck. Anschließend über einen Flohmarkt schlendern – ohne etwas Bestimmtes zu suchen, aber meistens doch mit irgendeinem Schatz nach Hause kommen. Wenn es richtig heiß ist, nachmittags gern ein Sprung in einen der Berliner Seen. Und abends Pizza bei Zola am Funkhaus, weil ich den Ort liebe: Industriecharme, Spree, Sonnenuntergang. Oder aber Dinner und Drinks in der Beuster Bar, und als letzter Stopp: ein Cocktail in der Green Door. Für mich ist das Berlin in Perfektion: Nichts Spektakuläres geplant – aber am Ende trotzdem ein Tag, der sich wie Urlaub anfühlt.
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