Liebe Leserin, lieber Leser,
zum
Ausklang der teilweise leider arg verregneten Hamburg Art Week möchte ich Ihnen
von Markus Lohmann erzählen. Er ist Experte für Kunst und Regenwetter.
Im
Auftrag der Kulturbehörde saniert Lohmann Kunstwerke, die unter freiem Himmel
stehen. Im Museum wirkt es manchmal, als seien Kunstobjekte für die Ewigkeit
geschaffen. In der Stadt – bei Regen, Wind und Eis – zeigt sich: Nein, dem ist
nicht so. Stahl rostet, Spritzbeton bröckelt, Elektronik versagt, Plexiglasbuchstaben stürzen von Eisenbahnbrücken (Z+).
Gelegentlich
gehen Werke sogar verloren. Nicht unbedingt durch Diebe, sondern durch
Abrissbagger. So war es bei Franz Erhard Walther. Vor rund 40 Jahren ließ
Walther – 2017 als bester Künstler der Biennale in Venedig ausgezeichnet –
Stahlplatten in der Innenstadt verlegen, die Sieben Orte für Hamburg.
Dabei
handelt es sich um Kunst, die man betreten darf, die Platten bilden kleine
Aussichtspunkte in den Alltag. Auf jeder steht ein anderes Wort: Zeit liegt
an der Binnenalster. Ort vor der Kunsthalle. Richtung befand sich
vor den Hochhäusern des City-Hofs, nahe des Hauptbahnhofs. Dann wurde der
City-Hof abgerissen und die Stahlplatte verschwand.
Immerhin: Sie war nicht verschrottet, sondern von der Kulturbehörde
gesichert worden, und lag nun in einer Halle auf der Veddel. Es gab jedoch ein
Problem, denn auf der Fläche des City-Hofs stand ein größerer Neubau, das
Johann-Kontor. Der alte Standort war überbaut. Was sollte man tun? Am besten:
den Künstler fragen!
»Ich kenne Walther noch aus meinem Kunststudium«, sagt Markus Lohmann.
Also schrieb er ihm einen Brief. Gemeinsam mit der zuständigen Referentin in
der Kulturbehörde schlug Lohmann einen alternativen Standort vor. Walther ist
inzwischen 87 Jahre alt, doch er stieg in seinem Wohnort Fulda in einen ICE
nach Hamburg, um den Vorschlag zu prüfen. »Er schaute auf die Straße, studierte
Luftbilder und Verbindungsachsen, dann hat er den neuen Standort ausgewählt«,
sagt Lohmann.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Heute befindet sich Richtung am Deichtorplatz, vor dem südlichen
Ende des Johann-Kontor. Neulich stand ich auf der neu verlegten Platte und
blickte auf den Kunstverein, die Deichtorhallen sowie die Pflanzeninseln
von Tita Giese, die ebenfalls von Markus Lohmann aufgefrischt worden sind. Ich
dachte: In diese Richtung könnte es weitergehen!
Kommen Sie gut in die neue Woche,
Ihr
Oskar Piegsa
PS: Falls Sie
mehr über Hamburgs Kunst im öffentlichen Raum erfahren wollen: Es gibt einen neuen Stadtführer zu diesem Thema. Geschrieben hat ihn Andrea Möller, die
Autorin des Newsletters Kunstflâneur, mit Fotos von Enver Hirsch. Auf
dem Titelfoto: eine der Platten von Franz Erhard Walther.
WAS HEUTE WICHTIG IST
© Marcus Golojewski/dpa
Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags bestärkt die Linke
in ihrer Forderung nach einem NSU-Untersuchungsausschuss. Demnach habe
dieser mehr Rechte auf Akteneinsicht als das Hamburger Forschungsprojekt. Die
Bürgerschaftskanzlei hält das Gutachten nur bedingt für auf die Länder
übertragbar. Hamburg, wo der NSU 2001 den Gemüsehändler Süleyman Taşköprü (oben
im Bild) ermordete, ist das einzige betroffene Bundesland ohne
Untersuchungsausschuss. SPD und Grüne lehnen einen solchen ab.
Der Hamburger
Buchhandlungspreis 2026 geht an den Buchladen Bettina Meyer in Neugraben,
an die Buchhandlung Frau Büchert in Eimsbüttel und an die Schanzenbuchhandlung.
Die mit jeweils 5.000 Euro dotierten Preise wurden am Samstagabend bei der
Langen Nacht der Literatur im Literaturhaus verliehen. Die Kulturbehörde
vergibt die Auszeichnung seit 2014 alle zwei Jahre an besonders engagierte
inhabergeführte Buchhandlungen.
Am kommenden
Donnerstag um 11 Uhr ist Bundesweiter Warntag, an dem Hamburg seine 205
Sirenen testet. Bereits um 10.45 Uhr schickt die Stadt eine Testmeldung über
Warn-Apps und rund 1.700 digitale Stadtinformationsanlagen. Damit soll über den
Beginn der Sturmflutsaison informiert werden. Die Sprecherin der Hamburger
Innenbehörde, Kim-Katrin Hensman, empfiehlt zudem, die Warn-App NINA zu
installieren. Gegen 11.45 Uhr soll die Entwarnung folgen.
Der Nachlass
des Komikers Heinz Erhardt geht an das Haus der Geschichte in Bonn. 47
Jahre nach dessen Tod sollen Fotos, Schreibmaschine, Briefe und 19 Tagebücher
ein neues Zuhause finden. Zuvor wurden die Objekte in einem Keller in Hamburg
gelagert. Bis 2029 sollen die Objekte digitalisiert werden.
In Altsternähe ist eine 24-Jährige
bei einem Unfall lebensgefährlich verletzt worden. Das Taxi, in dem sie als
Fahrgast saß, wurde am Samstagabend von einem Auto gerammt und gegen einen Baum
geschleudert, wie die Polizei mitteilte. Später fuhr ein weiteres Auto in die
Unfallstelle.
Nachricht des Tages
© Bodo Marks/dpa
Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt sind am Sonntagabend laut Polizei rund 1.500 Hamburgerinnen und Hamburger gegen den Rechtsruck auf die Straße gegangen – mit Abstand zum Rathaus. Die Hamburger AfD hatte dort kurzfristig eine Fraktionssitzung einberufen, weshalb rund um das Gebäude eine Bannmeile gezogen wurde und ein Versammlungsverbot galt. Zu der Demonstration hatte das Hamburger Bündnis gegen Rechts aufgerufen. Bestürzt reagierten die Vertreter der (meisten) Parteien in Hamburg auf das Wahlergebnis: SPD-Landeschef Nils Weiland sprach im NDR-Hamburg Journal von einer Niederlage der demokratischen Mitte und warnte vor instabilen Verhältnissen in Sachsen-Anhalt. CDU-Fraktionschef Dennis Thering nannte das Ergebnis einen »rabenschwarzen Tag«, der zeige, wie tief Verunsicherung und Unzufriedenheit im Land reichten. Grünen-Landeschef Leon Alam erklärte, der Wahlabend »gehe unter die Haut«. Linken-Landessprecher Thomas Iwan fasste sich kürzer. Es sei ein »Scheißtag«. Wie es in Sachsen-Anhalt weitergeht, ist ungewiss. Sicher ist: Dieses Ergebnis ist eine Zäsur für die Republik, aber noch kein Grund, die Demokratie verloren zu geben. Die AfD wird nicht kleiner, wenn ihre Gegner in Resignation verfallen. Es braucht überzeugende Politik, und Menschen, die auch im Alltag Zeichen gegen Rechsextremismus setzen. Die Demo von gestern zeigt: Die Bereitschaft zum Widerspruch ist da.
Auf zeit.de haben einige Kolleginnen und Kollegen den Wahlabend intensiv begleitet, sie berichten auch weiterhin über die aktuellen Entwicklungen. Sie finden dort Live-Blogs, Reportagen, ausführliche Analysen zum Thema.
Annika
Lasarzik
AUS HAMBURG
© Philipp Meuser/DIE ZEIT
»Da ziehst du zu wem, den du nicht kennst. Mit deiner Tochter. Krass!«
Nach seiner Trennung
fragte er sich: Wie kann ich die Wohnung halten? Er suchte einen Mitbewohner:
einen anderen Vater. Funktioniert das Modell? Ein Besuch bei Malte Renius und
Marc Lüdtke. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Serie »Zu Besuch« von ZEIT-Redakteurin
Viola Diem.
Wer wohnt hier?
Malte Renius, 51, ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Physik in Teilzeit.
Er lebt mit seinen Töchtern Penelope, zwölf, und Valeria, acht, seit 2020 in
der Wohnung auf St. Pauli.
Marc Lüdtke, 40, ist Ingenieur und arbeitet als Projektleiter bei Hamburg
Wasser. Seine Tochter Kira, fünf Jahre, und er sind im Januar 2026 eingezogen.
Wie sieht es bei euch zu Hause aus?
Malte Renius: Die Leute werden immer sauer, wenn ich nicht spontan sagen kann, wie viele
Zimmer diese Wohnung hat. Wenn man die Wohnküche als einen Raum zählt, dann
sind es sieben. Es gibt zwei Balkone und ein Extrazimmerchen unter dem Dach.
Insgesamt sind es um die 150 Quadratmeter, verteilt auf den ersten und zweiten
Stock.
Marc Lüdtke: In der Wohnung war schon viel Leben, als wir eingezogen sind: Es war
familiär eingerichtet, mit viel Spielzeug, Fotos und Bastelresten. Es herrschte
gemütlicher Trubel. Einerseits fand ich es schön, in ein fertiges Zuhause zu
ziehen, wo man nicht alles einrichten muss. Andererseits war es auch etwas
seltsam, sich in ein »gemachtes Nest« zu setzen. Daher hieß es erst mal: Fotos
aufhängen, Utensilien in Küche und Bad verteilen und das Kinderzimmer mit Kira
etwas umgestalten. Das hat enorm geholfen. Jetzt habe ich schon einen
Lieblingsplatz: Ich liege gern auf dem Sofa im Wohnzimmer. Da kann man
wunderbar schlummern, gerade wenn die Kinder nicht da sind. Und ich freu mich
im Sommer über zwei Balkone.
Malte Renius: Unsere Wohnung erfüllt total viele Wünsche, aber ein, zwei Macken gibt es
trotzdem. Das Haus ist erst 25 Jahre alt, aber beim Geräuschschutz wurde
gepfuscht, du hörst einfach alles. Wenn unten im Erdgeschoss in der
Geigenwerkstatt gespielt wird, hört man es bis ins Zimmer unter dem Dach. Das
Haus ist ein einziger Resonanzkörper.
Wie das Modell
funktioniert, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
Wenn Sie uns auch
hereinlassen und erzählen möchten, wie Sie wohnen, schreiben Sie uns an hamburg@zeit.de. Betreff: »Zu Besuch«.
SCHON GELESEN?
© Hahn + Hartung/DIE ZEIT
Markus Lanz: »Höcke ist nicht nur radikal, er
ist vor allem langweilig«
Markus Lanz erreicht Millionen. Hier erklärt er seine Haltung zur AfD und
die Wirkung von Krawall und Quote. Über Gaza sagt er: »Wir werden uns kollektiv
dafür schämen.«
Die ZEIT-Redakteure
Cathrin Gilbert und Christof Siemes haben mit ihm gesprochen. → Zum Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Nach dreijähriger Pause startet das JazzLab mit einem monatlichen Konzert im Aalhaus in die
jetzt beginnende Wintersaison. Angekündigt sind Jazzkonzerte mit Schnittmengen zu
Electronica, Outernational, Rock, Ambient und mehr – den Initiatoren geht es
darum, grenzüberschreitende Musik vorzustellen, eine Art »Clubabend mit
Freunden« zu kreieren. Morgen Abend sind Cats & Breakkies zu Gast.
Jazzlab: mit Cats & Breakkies, 8. September,
20 Uhr; Aalhaus,
Eggerstedtstraße 39
MEINE STADT
Bleichenhof © Claudia Schweppe Unruh
HAMBURGER SCHNACK
Eine Kundin beim Bäcker. Die Treuekarte
liegt auf dem Tresen, während der Verkäufer das Brot sucht und mithilfe der
Kundin schließlich findet: »Tut mir leid, ich bin noch neu.«
Sie
lacht: »Macht nix, ich nicht.«
Erlebt
von Hannah Rebekka Ehlers
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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