Mitten an der Talachse im Liegestuhl mit Lametta und Aperol zu Balkanstyle und Gipsy Swing grooven? Das fünfte „Summer in the City“ Festival auf dem Vorplatz der „Färberei“ in Oberbarmen machte das möglich. Mit einer Mischung aus Musik, Mitmachangeboten und Open-Air-Kino bot das soziokulturelle Zentrum bis zum späten Abend ein Feuerwerk aus Kultur und Begegnung mitten im Stadtteil Oberbarmen mit und für seine Menschen.

„Wir versuchen mit diesem Festival, die Leute aus Oberbarmen zusammenzubringen“, erklärte Daniela Raimund, Leiterin des Bereichs Kunst und Kultur bei der „Färberei“. Das soziokulturelle Zentrum will mit dem Festival aktiv gegen das Gefühl ankämpfen, das sich bei vielen Einwohnerinnen und Einwohnern Oberbarmens eingestellt hat – das abgehängt sein. „Wir versuchen mit unserer gesamten kulturellen und künstlerischen Arbeit den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie abzuholen“, so Raimund.

Den Stadtteil mit mehr positiven Assoziationen verbinden

Die Künstlerin ist Teil der „Mobilen Oase“ – eines interdisziplinären Künstlerkollektivs, das sich auf eine liebevolle und schnippische Art mit dem umstrittenen Stadtteil auseinandersetzt. Vor einem Jahr hat es Oberbarmen den Status eines zertifizierten Luftkurorts an der lieblichen Wupper verliehen und gibt eben denselben seitdem mit einer großen gelben Ortstafel zur Kenntnis. Mit Urlaubsassoziationen an einem Ort, der im Allgemeinen eher wenig damit verbunden wird, spielt auch der umgerüstete Marktwagen, den die Kunstschaffenden der „Mobilen Oase“ zu einem Tourismusbüro auf Rädern umgebaut haben. „Ich glaube, manchmal ist es so sehr Klischee, dass es immer reproduziert wird“, sagt Raimund zu den negativen Schlagzeilen über Oberbarmen. „Wir müssen es lernen, positive Geschichten zu erzählen und es gibt hier genug Positives.“

Roland Brus ist künstlerischer Leiter der „Mobilen Oase“ und stellte mit seinen Kolleginnen und Kollegen eine eigene Behörde an dem Tag auf. Interessenten konnten sich ganz ohne Wartezeiten ihre Sehens- und Riechenswürdigkeiten aus dem Stadtteil zertifizieren lassen. „Muss Mensch gesehen haben“, „Gibt‘s sonst nirgends“, „Heimatgefühl“ und „Schlimmer geht‘s nimmer“ – mit diesen oder anderen Kategorien galt es für die weißbekittelten Künstlerinnen und Künstler die persönlichen Sehenswürdigkeiten auf Urkunden einzutragen. Der Künstlergruppe geht es darum, Begegnung zu inszenieren und den Alltag von Menschen im öffentlichen Raum zu unterbrechen, so Brus, auch beim Amt für außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten. „Oberbarmen ist ein besonderer Ort, ein Weltort, hier leben 140 Nationen in Frieden zusammen.“ Für ihn sind die größte Sehenswürdigkeit des Stadtteils seine Menschen. „Die Menschen erzählen einem sehr schöne Sachen, obwohl es an vielem fehlt.“

Kulturen mischen als Ziel der Veranstaltung

Die interaktiven Parts für die Gäste wurden im Programm mit zahlreichen vielfältigen Live-Acts kombiniert, die bis in die Nacht spannend blieben. Während die einen Kinder und Jugendlichen bei einem Hip Hop-Workshop oder beim mobilen inklusiven Atelier „Paint it“ bespaßt wurden, boten andere bereits ein eigenes Bühnenprogramm, etwa die jungen Zauberkünstler und Jongleure aus dem Verein „Zirkus Krümel“. Kulturen mischen – durchaus auch eins der vielen Ziele, die die Veranstaltenden verfolgen, gelang auf musikalischer Ebene bereits hervorragend.

Mit „Chelóna“ stimmte ein griechisches Duett einfühlsame Töne an, die mit der tiefen Stimme der Sängerin und Schauspielerin aus Kyjiw, der Hauptstadt der Ukraine, Svit Lana beinahe in meditativen Folklore-Gesang übergingen. „Es sind jedes Jahr andere“, erklärte Daniela Raimund ihren Ansatz, man versuche bei der Auswahl gezielt, die multikulturelle Vielfalt des Stadtteils hervorzuheben.

Einen stimmungsvollen Abschluss mit Tanzeinlage lieferte zum Schluss die Kölner Band „Pablo Froind“, die zu Rhythmen aus Swing, Folk, Pop und Latin gedankenvolle deutschsprachige Lyrik auf die Bühne bringt.