Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1xArtikel teilen

Trumps Lieblingsunterhändler tauschen Floskeln mit Wladimir Putin aus und hegen erst gar nicht die Illusion, über Frieden zu reden. In Kiew zollen sie Wolodymyr Selenskyj immerhin ein gewisses Maß an Respekt.

Die Herren Jared Kushner und Steve Witkoff haben mal wieder in Moskau vorbeigeschaut und freundliche Worte mit Wladimir Putin gewechselt. Soviel man weiß, haben die Gesandten Donald Trumps ihm diesmal nicht nach dem Munde geredet; das ist schon mal was. Der russische Präsident sicherte ihnen zu, dass er Kiew nicht bombardieren lässt, wenn sie zu Wolodymyr Selenskyj weiterreisen.

Mit Russland ist es wie mit dem Iran. Der US-Präsident würde beide gerne dazu überreden, vom Krieg abzulassen. Keiner von beiden hat Interesse daran, seinen Wünschen zu entsprechen: Der Iran hat die Angst vor den USA verloren und Putin ist geübt im Ausweiten des Kriegs, nicht in seiner Eindämmung.

Nicht zufällig ließ der russische Präsident gerade jetzt leugnen, dass eine neuerliche Massenmobilisierung bevorsteht. Im Sommer soll er beschlossen haben, bald 300.000 bis 400.000 neue Soldaten zu rekrutieren. In Russland sagt man dazu, sie würden „in den Fleischwolf geworfen“. Das Verhältnis auf den Schlachtfeldern ist momentan so, dass gar nicht so viele neue Soldaten an die Front versetzt werden können, wie dort sterben.

Zur Person

Gerhard Spörl interessiert sich seit jeher für weltpolitische Ereignisse und Veränderungen, die natürlich auch Deutschlands Rolle im internationalen Gefüge berühren. Er arbeitete in leitenden Positionen bei der „Zeit“ und beim „Spiegel“, war zwischendurch Korrespondent in den USA und schreibt heute Bücher, am liebsten über historische Themen.

Putin sieht die USA in einer Position der Schwäche

Wann immer Donald Trump Gesandte vorbeischickt, kommt Wladimir Putin zum immer gleichen Ergebnis: Die USA handeln aus Schwäche. So war es auch, als kurz zuvor John Ratcliffe überraschend in Moskau aufgetaucht war. Ratcliffe ist der Chef der CIA und soll Putin davor gewarnt haben, ein Nato-Land anzugreifen. Dazu gab er ihm wohl eine realistische Einschätzung über den Stand des Kriegs, die dem Kriegsherren im Kreml sicher nicht gefallen hat.

War Putin beeindruckt? Wohl kaum. Er hat ja auch davon gehört, dass die USA von nun an Europa sich selbst überlassen wollen, was ihm bestimmt gefällt. Wie aber sollte er da den Warnungen des CIA-Chefs Bedeutung beimessen?

Die beiden Unterhändler Witkoff und Kushner waren erstmals seit Januar wieder im Kreml. Die USA sind bekanntlich anderswo beschäftigt. Wie sollte Putin jetzt noch darauf bauen, dass Trump ihm die Ukraine auf dem Silbertablett überreicht?