Der Tag danach
Stand: 07.09.2026 11:52 Uhr
Am Tag nach der Landtagswahl beginnt in Sachsen-Anhalt die Suche nach möglichen Mehrheiten. Die AfD liegt laut vorläufigem Ergebnis mit knapp 44 Prozent deutlich vorn. Alle Ergebnisse, Reaktionen und Entwicklungen im Liveticker.
11:49 Uhr
Eilbefragung: Mehrheit für Regierungsbeteiligung der AfD
Eine Mehrheit der Teilnehmenden einer laufenden Eilbefragung von MDRfragt kann sich eine Regierungsbeteiligung der AfD vorstellen. 56 Prozent finden, dass die Partei nach ihrem Wahlsieg regieren oder mitregieren sollte, 39 Prozent lehnen das ab.
Zudem blickt eine Mehrheit skeptisch auf die Zukunft: 54 Prozent erwarten eine eher schlechtere politische Entwicklung in Sachsen-Anhalt, 31 Prozent eine bessere. Rund 8.000 Menschen haben bislang teilgenommen. Die Befragung ist nicht repräsentativ und läuft noch bis 19 Uhr.
11:13 Uhr
Söder fordert Kurswechsel – Warken verteidigt Merz
CSU-Chef Markus Söder hat der Bundesregierung Verantwortung für den Sieg der AfD in Sachsen-Anhalt gegeben. Der AfD-Sieg sei eine „Denkzettelwahl“ für die Bundesregierung und ein „Epochenbruch“, sagte er im Bayrischen Rundfunk. Berlin müsse Reformen beschleunigen und sozial ausbalancieren. Die CDU warnte er davor, um jeden Preis weiterregieren zu wollen: Der Regierungsauftrag liege bei der AfD.
Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) wies dagegen Debatten über eine Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz zurück. Die Regierung sei für vier Jahre gewählt und brauche Stabilität. Zugleich forderte auch sie mehr Tempo: Die Menschen spürten bislang nicht, dass sich etwas ändere.
Video:
Kanzleramtsministerin Warken schließt Zusammenarbeit mit AfD aus (1 Min)
10:58 Uhr
Kirchen zeigen sich besorgt
Die Kirchen im Land blicken mit „großer Sorge“ auf das Ergebnis der Landtagswahl. Die Wahl habe die politischen Verhältnisse tiefgreifend verändert. Das Land sei gespalten. „Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, teilten die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche, Friedrich Kramer und Gerhard Feige, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche, Karsten Georg Wolkenhauer, mit.
Die AfD droht der Kirche unter anderem mit der Streichung von Geldern. Die Kirchen wiederum hatten schon vor der Wahl Stellung gegen die AfD bezogen. Christliche Werte seien unvereinbar mit den Positionen der AfD, hieß es etwa von der evangelischen Kirche.
10:45 Uhr
Was bedeutet das Wahlergebnis für die Parteien, wie ist die Stimmung im Land? Um diese Fragen geht es bei MDR AKTUELL LIVE:
Video:
Landtagswahl Sachsen-Anhalt – Der Tag danach (13 Min)
Um die Folgen des Wahlergebnisses geht es am Abend ab 21 Uhr außerdem bei „Fakt ist!“ im MDR Fernsehen.


Fakt ist! aus Magdeburg am 07.09.2026 | 21 Uhr
10:30 Uhr
Regionale Unterschiede bei der Wahl
Regional gibt es zum Teil große Unterschiede bei den Wahlergebnissen. So holte die AfD in Schnaudertal im Burgenlandkreis etwa fast 65 Prozent. In Halle sind es dagegen knapp 30. Die CDU erreicht ihr bestes Ergebnis in Steigra im Saalekreis: gut 23 Prozent. Die SPD ist in Wernigerode besonders stark. Die Grünen kommen in Halle auf gut 20 Prozent. Das BSW holt seinen besten Wert in Loitsche-Heinrichsberg in der Börde – mit 8,5 Prozent. Die FDP bleibt überall im Land unter fünf Prozent.
Auf dieser Karte sehen Sie, in welchen Orten die Parteien besonders stark bzw. schwach abgeschnitten haben.
09:42 Uhr
BSW würde AfD ins Ministerpräsidentenamt verhelfen
Die künftige Fraktion des BSW will sich im dritten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten enthalten. Das kündigte Spitzenkandidat Thomas Schulze im Deutschlandfunk an. Dann wäre gewählt, wer die meisten Stimmen erhält – es reicht eine einfache Mehrheit.
Sollte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund antreten, könnte die Enthaltung ihm den Weg ins Amt erleichtern. „Wir werden uns an einer Brandmauer-Koalition nicht beteiligen“, sagte Schulze. Zugleich will das BSW einen überparteilichen Kandidaten aus Sachsen-Anhalt vorschlagen und „zeitnah“ eine Person benennen.
09:21 Uhr
AfD-Wahlsieg: Experten warnen vor langfristigen wirtschaftlichen Risiken
Manager und Wirtschaftsberater aus ganz Deutschland erwarten nach dem AfD-Wahlsieg kaum direkte wirtschaftliche Folgen, warnen aber vor Risiken. Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen hält „teils deutliche Änderungen“ in der Bildungs-, Kultur- und Rundfunkpolitik für möglich. Wirtschaftliche Folgen dürften sich erst mittel- bis langfristig zeigen.
Der Chefvolkswirt der Großbank ING, Carsten Brzeski, sieht den Wahlausgang als Teil eines längerfristigen Trends und warnt, stabile Koalitionen würden „immer schwieriger“. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nennt das Ergebnis ein „Misstrauensvotum gegenüber der Bundesregierung“ und fordert tiefgreifende Reformen.
08:52 Uhr
Siegmund: Versuchen, Regierung möglich zu machen
AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund hat sich am Morgen glücklich über das Abschneiden seiner Partei gezeigt. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die AfD habe ein fulminantes und historisches Wahlergebnis eingefahren. Das sei ein Vertrauensvorschuss der Menschen, über den er dankbar und stolz sei.
Mit 39 Sitzen fehlen der AfD aber drei Sitze für eine absolute Mehrheit im Landtag. Nach den Worten Siegmunds ist das Ergebnis ein „klarer Regierungsauftrag“. Man wolle deshalb versuchen, das in den nächsten Tagen „irgendwie möglich zu machen.“ Das aber nur unter der Maßgabe, dass man sich selbst treu bleibe.
Bundes-Co-Parteichef Tino Chrupalla erklärte im ARD-Morgenmagazin, die AfD werde Gesprächsangebote an alle Parteien senden. Da werde man sehen, „wer uns die Hand wegschlägt“. Chrupalla sieht im AfD-Ergebnis einen „ganz klaren Regierungsauftrag“.
08:37 Uhr
CDU fällt bei jungen Wählern durch
Nach der Wahl läuft die Analyse der Ergebnisse. Unter anderem zeigt sich: Die CDU schneidet besonders schlecht bei den 18- bis 24-Jährigen ab. Ginge es nach dieser Altersgruppe, überspringt die CDU gerade so die Fünf-Prozent-Hürde.
Die AfD ist mit 41 Prozent auch hier mit Abstand die stärkste Kraft, liegt aber leicht unter ihrem Ergebnis im Land.
Die Linke und die Grünen sind bei den jungen Wählern im Vergleich besonders beliebt. Die Linke holt mit rund 15 Prozent etwa dreimal so viele Stimmen wie die CDU – so viel wie in keiner anderen Altersgruppe. Die Grünen liegen mit 14 Prozent auch deutlich über ihrem Landesergebnis.
08:04 Uhr
Kretschmer: Dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fordert der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), die Sorgen der Menschen endlich ernst zu nehmen. Ein selbstkritisches Innehalten in der Politik halte er für dringend erforderlich.
Er habe die Hoffnung, „dass wir nicht in einer oder zwei Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen, was bewegt die Menschen, warum wählen sie so“, sagte der CDU-Politiker am Abend in Dresden. „Und es ärgert mich total über die vergangenen Jahre, dass das eben nicht passiert ist.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fordert nach der Landtagswahl, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und „nicht wieder zur Tagesordnung überzugehen“.
07:36 Uhr
Spitzengremien der Bundesparteien beraten in Berlin über Wahlausgang
In Berlin kommen heute führende Parteimitglieder im Bund zusammen, um über die Ergebnisse der Landtagswahl zu beraten. Dabei dürfte es vor allem um mögliche Konsequenzen aus dem klaren Wahlsieg der AfD gehen.
Den Auftakt machen um 10:15 Uhr die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Es folgt um 12:45 Uhr Linken-Bundesparteichefin Ines Schwerdtner.
Danach tritt um 13:30 Uhr CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze vor die Presse. Am Abend wird Schulze dann in Magdeburg mit dem Landesvorstand und den CDU-Kreisvorsitzenden sprechen.
SPD-Bundesvorsitzender Lars Klingbeil hält um 14 Uhr eine Pressekonferenz gemeinsam mit Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann. Zeitgleich tun dies auch Grünen-Parteichef Felix Banaszak und die Spitzenkandidatin der Landes-Grünen, Susann Sziborra-Seidlitz.
Schon am Vormittag (11.00 Uhr) äußert sich auch FDP-Chef Wolfgang Kubicki, dessen Partei nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag nun auch am Wiedereinzug in den Landtag in Sachsen-Anhalt scheiterte.
07:29 Uhr
Höchste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung
77,8 Prozent der Wahlberechtigten haben bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ihre Stimme abgegeben. Das ist die höchste Beteiligung bei einer Landtagswahl seit der Wiedervereinigung. Der bisherige Höchstwert lag 1998 bei 71,5 Prozent.
Nach einer ARD-Analyse entschieden sich frühere Nichtwähler besonders häufig für die AfD.
Besonders hoch war die Wahlbeteiligung in Eichstedt in der Altmark mit 88 Prozent und in Schönburg im Burgenlandkreis mit 87 Prozent. Vergleichsweise niedrig lag sie in Benndorf im Landkreis Mansfeld-Südharz mit 67 Prozent und in Zeitz mit 71 Prozent.
07:13 Uhr
Vorläufiges Ergebnis: AfD gewinnt deutlich – absolute Mehrheit verfehlt
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nach dem vorläufigen Ergebnis mit großem Vorsprung gewonnen. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht zum Montag mitteilte, kam die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 43,8 Prozent. Mit 39 Mandaten fehlen der AfD aber drei Sitze zur absoluten Mehrheit.
Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze erreichte 17,2 Prozent. Dahinter folgen die SPD mit 9,3 Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent und die Linke mit 8,6 Prozent. Auch das BSW zieht mit 5,3 Prozent in den Landtag ein. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.
07:33 Uhr
Der Ticker der vergangenen Tage
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MDR (Moritz Arand, Kalina Bunk, Maren Wilczek); dpa, epd, reuters, kna