Stand: 07.09.2026 15:36 Uhr

Die Pläne zur Übernahme werden konkreter: Ein Investor und das Land Niedersachsen wollen den VW-Standort Osnabrück kaufen. Drei Viertel der Arbeitsplätze sollen der Absichtserklärung zufolge erhalten bleiben.

Das teilten Staatskanzlei, Betriebsrat und Unternehmen am Montag mit. Zukünftig werde der Standort „zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen weiterentwickelt“, heißt es schriftlich vom VW-Betriebsrat. Am VW-Standort Osnabrück sollen voraussichtlich Rüstungsgüter für Israel produziert werden. Dafür ist eine Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems angekündigt. Der Finanzinvestor ist Aurelius Capital – eine internationale Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in Israel. Die Produktion des T-Roc Cabriolets wird den Angaben des Betriebsrats zufolge wie vereinbart im Spätsommer 2027 auslaufen. VW zieht sich demnach vollständig vom Standort Osnabrück zurück.

Beschäftigungssicherung bis Ende 2029

Am traditionsreichen Automobilstandort Osnabrück arbeiten laut Betriebsrat rund 1.800 Menschen. Die jetzt angesteuerte Lösung biete knapp 1.400 von ihnen eine Zukunft – zumindest vorerst. Die Beschäftigungssicherung gilt bis Ende 2029. Der Volkswagen-Betriebsrat und IG Metall begrüßen die vereinbarten Eckpunkte für die Zukunft des VW-Standorts.

Tarifverträge bleiben bestehen

Die Tarifbindung in der Metall- und Elektroindustrie bleibe bestehen, teilte der Betriebsrat ferner mit: Sämtliche Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Arbeitsverträge und Betriebsratsstrukturen gelten demnach nach wie vor. Durch Rente und Altersteilzeit wird die Belegschaft den Angaben zufolge „in der näheren Zukunft“ auf 1.200 Stellen reduziert werden. Auch für diese Arbeitsplätze gelte eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029.

Lies: „Realistische Chancen für langfristige Beschäftigung“

„Diese Partnerschaft schafft realistische Chancen für langfristig hochwertige Beschäftigung an einem Standort, der seit 125 Jahren für industrielle Exzellenz steht“, sagte Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen. „Unsere Sicherheitslage hat sich grundlegend verändert. Deutschland und Europa müssen ihre Fähigkeiten in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie stärken und unabhängiger werden“, sagte Lies.

Video:
Lies zu Plänen für VW in Osnabrück: „Das schafft Perspektiven“ (1 Min)

„Industrielles Know-how“ von VW werde genutzt

Die Einigung zeige, so der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Christoph Bratmann, „dass das industrielle Know-how und die Infrastruktur von Volkswagen wichtige Standortvorteile sind, die auch für andere Unternehmen interessant sein können“. Volkswagen verfüge über hervorragend qualifizierte Beschäftigte, gewachsene Strukturen und jahrzehntelange Erfahrung in anspruchsvoller industrieller Fertigung.

„Wichtiger Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen“

„Wir haben einen wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück erreicht“, sagt Daniela Cavallo, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG. Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, betonte, die „industrielle Perspektive für Osnabrück und die Region“ bedeute „vor allem Sicherheit für die Beschäftigten und ihre Familien“. Sie entbinde Volkswagen „jedoch nicht von der Aufgabe, auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen“.

Grüne: „Wichtige Weichen“ gestellt

Auch Volker Bajus, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion, zeigte sich erleichtert. „Nach zwei Jahren Unsicherheit“ zeichne sich endlich eine reale Perspektive für die Beschäftigten ab. Darüber hinaus sagte Bajus: „Die heutige Unterzeichnung ist eine entscheidende Voraussetzung und stellt wichtige Weichen, um Arbeitsplätze und industrielle Strukturen in Osnabrück zu sichern.“

Scharfe Kritik von Aktivisten

Deutliche Kritik hingegen kommt von Aktivistinnen und Aktivisten des „Zukunftswerks Osnabrück“. Die Stadt und ihre Anwohner müssten nun mit der Entwicklung umgehen, sagte Jens Scheller vom „Zukunftswerk“. „Denn hier vor Ort werden künftig Rüstungsgüter von Menschen hergestellt, die genau wie wir in der Friedensstadt leben. Und wir müssen uns damit beschäftigen, für welche Kriege diese Rüstungsgüter eingesetzt werden.“ Seit Sommer 2025 hatten unter dem gemeinsamen Label „Zukunftswerk Osnabrück“ unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen kreative Protestaktionen, Austauschtreffen und Infoveranstaltungen organisiert und damit sichtbar machen wollen, dass nicht alle mit einer Rüstungskonversion einverstanden sind. Am Montag beendete die Vernetzung ihre Kampagne.

Die nächsten Schritte

Die Absichtserklärung konkretisiert die gemeinsame Absicht der Partner, auf Lösungen für den Standort Osnabrück hinzuarbeiten, heißt es vom VW-Betriebsrat. Die nächste Phase werde aus detaillierten Verhandlungen bestehen. Das Land Niedersachsen werde diesen Prozess aktiv begleiten und unterstützen.

Das Bild zeigt

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