Über den Neulingen von Borussia Mönchengladbach steht offenbar kein guter Stern. Der nächste Zugang hat sich schwer verletzt: Nicolas Kühn, den Manager Rouven Schröder erst am letzten Tag des Transferfensters von Como 1907 geholt hat, hat sich einen Muskelbündelriss zugezogen. Unsere Redaktion kann bestätigen, was „Bild“ berichtet.
Damit steht Trainer Eugen Polanski eine wichtige Option für den Angriff vorerst nicht zur Verfügung. Bei dieser Art von Verletzungen kann man von einer Ausfallzeit von vier bis acht, unter Umständen sogar zwölf Wochen ausgehen. Da Kühn nur für eine Saison und ohne Kaufoption ausgeliehen ist, wird er einen guten Teil seiner Borussia-Zeit womöglich verpassen.
Kühn hatte am Samstag beim 3:4 gegen die SV Elversberg debütiert. Er kam in der 69. Minute für Franck Honorat als Rechtsaußen ins Spiel, das war kurz nachdem Elversberg das Anschlusstor zum 2:3 gelungen war. In der Folgezeit ging das Spiel noch verloren. Beim sogenannten Spielersatztraining am Sonntag passierte dann die Verletzung.
Gladbach: Sechs von zehn Neuen hat es schon erwischt
Es ist eine skurrile Pechsträhne, die Gladbachs Zugänge des Sommers derzeit heimsucht. Zunächst erwischte es den Rechtsverteidiger Yukhym Konoplia, der sich im Testspiel bei Rot-Weiss Essen bei einem Foul seines Gegenspielers einen Innenbandanriss zuzog. Der für den Ukrainer verpflichtete Ersatzmann Daiki Hashioka musste beim 0:3 im ersten Bundesligaspiel in Leipzig raus, weil ihm bei einem Zweikampf der Kopf gefährlich wegknickte.
Der Japaner zog sich keine schlimme Verletzung zu, fehlte aber beim Spiel gegen Elversberg. Er soll aber schon kurzfristig wieder ins Training einsteigen. Ob er aber bereits in Freiburg wieder eine Alternative sein kann, bleibt abzuwarten. Der Amerikaner Joe Scally ist noch da und übernahm gegen Elversberg den Rechtsverteidiger-Job.
Der nächste Ausfall folgte vergangene Woche: Mittelfeldspieler Enzo Leopold zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu und wird monatelang fehlen. „Bleib stark, Enzo“, stand auf den Trikots mit der Nummer 8 auf dem Rücken, die alle Borussen beim Einlaufen gegen Elversberg trugen, um den Kollegen zu unterstützen.
Noch immer angeschlagen ist auch Hashiokas Landsmann Zento Uno. Er hatte muskuläre Probleme und arbeitet noch seinen Trainingsrückstand auf, ist mittlerweile aber im Teamtraining. David Herold musste zudem vor dem Trainingslager rund eine Woche miz muskulären Problemen aussetzen. Damit hat es sechs der zehn im Sommer verpflichteten Borussen erwischt, mehr als jeden zweiten also. Hinzu kommt der Ausfall von Jens Castrop, der sich beim Testspiel gegen Rottach-Egern im Trainingslager die Schulter verletzte.
Schröders Einsatz am Deadline Day war zunächst einmal umsonst
Für die Gladbacher Offensive bedeutet das: Die Schnelligkeit und die Eins-gegen-eins-Qualität, die sich Polanski von Kühn erhoffte, fallen weg, bevor sie wirklich im Team angekommen sind. So muss der Trainer weiter auf die vorhandenen Kräfte setzen: Robin Hack, Wael Mohya und Hugo Bolin sowie Franck Honorat sind die ersten vier Kandidaten für die Dreierreihe hinter dem Mittelstürmer, dazu kommen noch Shuto Machino und die Talente Fritz Fleck und Iaia Manco Danfa, die durch die Kühn-Verpflichtung vermutlich etwas geringere Einsatzchancen hätten.
Damit ist Schröders Einsatz am Deadline Day zunächst einmal umsonst gewesen. Kadertechnisch ist wieder alles beim Alten, also wie vor der Verpflichtung. Nach dem Leopold-Ausfall hatte Rouven Schröder noch demonstrativ eingefordert, „positiv“ zu bleiben. Das erneute Verletzungspech wird an der Haltung des Sportchefs nichts ändern, ihn aber dennoch extrem nerven. Denn gerade nach dem Fehlstart war Kühn ein Hoffnungsträger, von dem sich Gladbach neue Impulse versprach.
Für Kühn selbst ist die Geschichte einigermaßen tragisch. Er hatte sich für den Weggang von Como entschieden, weil er sich dort unter Trainer Cesc Fabregas keine Einsatzmöglichkeiten ausrechnete. „Ich hoffe einfach, dass ich wieder zeigen kann, was ich draufhabe. Darum geht es“, sagte Kühn nach seiner Verpflichtung. Die Hoffnung ist erst einmal dahin.