Bielefeld-Heepen. Was tun, wenn drei hungrige Katzen vor der Tür stehen? Eine Familie in Brake entschloss sich, die Tiere zu füttern. Das funktionierte auch eine Weile. Doch dann bekamen die ersten Katzen Kinder und irgendwann wurden aus dreien 50.
Inzwischen ist aus dem Füttern ein Fall für den Tierschutz geworden. Auf einem Resthof in Brake leben nach Angaben des Vereins „Tiere in Not OWL“ derzeit noch rund 30 Katzen. Etwa 20 weitere Tiere konnten in Pflegestellen untergebracht werden – in Spenge, Brake und Löhne. Viele der Katzen waren demnach krank und stark unterernährt, etliche litten unter Katzenschnupfen. Einige Tiere mussten dringend medizinisch behandelt werden.
Die Geschichte beginnt offenbar ganz harmlos. Eine Familie auf dem Hof begann irgendwann, herrenlose Katzen zu füttern. Aus den drei Besuchern wurden nach und nach mehr. Die Katzen bekamen Nachwuchs, der Nachwuchs wiederum Nachwuchs. Irgendwann war aus dem Futterplatz eine Katzenkolonie geworden, die den Bewohnern über den Kopf wuchs.
Keine Hilfe vom Bielefelder Veterinäramt
Besonders die jungen Tiere sind zum Teil sehr krank.
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Im Juli wandte sich die Familie nach Angaben von „Tiere in Not OWL“ erstmals an das Veterinäramt. Hilfe habe sie dort nicht bekommen, berichtet Vereinsvorsitzende Christine Engelhardt. Sinngemäß sei argumentiert worden, es handele sich schließlich um die Katzen der Familie, weil diese die Tiere füttere. Ob das tatsächlich so gesagt wurde, lässt sich von der Stadt nicht bestätigen: Auf Fragen zum Fall teilt eine Sprecherin lediglich mit, dass man sich aus Datenschutzgründen nicht zu einem konkreten Fall äußern könne.
Für „Tiere in Not OWL“ war die Sache damit keineswegs erledigt. Der Verein rückte an und begann, die Tiere einzufangen, zu versorgen und kastrieren zu lassen. Inzwischen wurden neun Katzen und Kater kastriert. Weitere sollen folgen. „Beim Anblick dieses Katzenelends sind wir sofort aktiv geworden“, sagt Engelhardt.
Einige Tiere bereiteten den Helfern besonders große Sorgen: Ein Kater hatte eine schwere Augenverletzung, zehn kranke Katzenbabys mussten versorgt werden. Eine Mutterkatze mit vier Kitten kam in eine Pflegestelle, ebenso eine hochträchtige Katze. Insgesamt konnten bislang rund 20 Tiere vom Hof geholt werden.
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Die Zeit drängt
Verletzungen und Katzenschnupfen stellten die Tierschützer bei vielen der Katzen fest.
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Doch die Zeit drängt. Der Hof liegt in einem Umfeld, in dem drei größere Straßen verlaufen. Eine der frisch kastrierten Katzen wurde bereits überfahren. Deshalb sollen die Tiere nach Angaben des Vereins nicht einfach wieder auf dem Hof ausgesetzt werden. Ziel sei es, alle Katzen vom Hof zu holen, medizinisch zu versorgen, zu kastrieren und anschließend dauerhaft unterzubringen. Das allerdings sei leichter gesagt als getan.
Auch das Tierheim Bielefeld fragte das Team von „Tiere in Not OWL“ um Hilfe. Tierheimleiterin Susanne Müller bestätigt das. Helfen könne man derzeit allerdings nur eingeschränkt. Der Tierarzt des Tierheims sei im Urlaub, außerdem seien die eigenen Kapazitäten ausgeschöpft. Im Großraum des Tierheims sitzen bereits zahlreiche Kitten aus einer anderen großen Fangaktion, auch die Muttertierstation ist voll. Unterstützung bei den Kastrationen sei deshalb erst ab dem 7. September möglich.
Pflegestellen und „Für-immer-Zuhause“ gesucht
Nun sollen die Katzen möglichst schnell in Pflegestellen und feste Zuhause vermittelt werden.
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Müller wirft zugleich eine andere Frage auf: Woher kommen überhaupt so viele Katzen? Für sie ist offen, ob es sich bei den Tieren tatsächlich um Fundkatzen handelt oder ob sich auf dem Hof eine private Katzenhaltung beziehungsweise Vermehrung entwickelt hat, die irgendwann außer Kontrolle geraten ist. Mehr könne sie zu dem konkreten Fall nicht sagen, weil ihr dazu keine weiteren Informationen vorlägen, sagt sie auf Nachfrage. Die Familie selbst möchte sich gegenüber nw.de nicht zu den Umständen äußern.
Für „Tiere in Not OWL“ steht unterdessen weniger die Frage nach der Schuld als die nach dem nächsten freien Platz im Vordergrund. Denn auf dem Hof sitzen weiterhin rund 30 Katzen. Gesucht werden deshalb Pflegestellen und endgültige Zuhause für Katzen jeden Alters. Wer helfen möchte, kann sich an Christine Engelhardt von „Tiere in Not OWL“ wenden – per E-Mail an christine-engelhardt@tiere-in-not-owl.de oder telefonisch unter der allgemeinen Vereins-Telefonnummer: 0176 46782365.
INFORMATION
Kastrationspflicht für Freigänger
In Bielefeld gibt es eine Katzenschutzverordnung. Sie gilt im gesamten Stadtgebiet und soll verhindern, dass sich freilebende Katzen unkontrolliert vermehren und dadurch leiden. Halter von Katzen mit unkontrolliertem Freigang müssen ihre fortpflanzungsfähigen Tiere kastrieren lassen. Außerdem müssen Freigängerkatzen gekennzeichnet und registriert werden. Als fortpflanzungsfähig gelten Katzen ab dem fünften Lebensmonat, wenn sie nicht kastriert sind.
Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Es kann ein Bußgeld von bis zu 1.000 Euro verhängt werden.
Aber wem gehören herrenlose Katzen? Die Verordnung unterscheidet zwischen einer gehaltenen Freigängerkatze und einer freilebenden Katze. Nur weil jemand herrenlose Tiere füttert, sind sie nicht automatisch dessen Haustiere. Ob eine Person als Halter gilt, hängt davon ab, ob sie die Katze tatsächlich hält und für ihre Versorgung verantwortlich ist.


