Christmas Bazaar 2025
Von Heide Newson
Ein halbes Jahrhundert steht die Brüsseler Vereinigung „Femmes d’Europe“ im Dienst der Wohltätigkeit. Jetzt feiert sie ihren 50. Geburtstag. Seit der Gründung im Jahr 1976 hat sich die Organisation zu einer festen Größe im europäischen sowie internationalen Ehrenamt entwickelt. Anlässlich ihres Jahrestags kann die Vereinigung auf beeindruckende Erfolge zurückblicken. In den vergangenen fünf Jahrzehnten konnten Millionen von Euro gesammelt und Hunderte von Projekten finanziert werden – von der Ausstattung von Schulen über medizinische Versorgung bis hin zur Nothilfe in politisch instabilen Gebieten.
WIE ALLES BEGANN
Als Carola Ehlermann 1976 auf Vorschlag eines lutherischen Pastors ein Wohltätigkeitsprojekt aus der Taufe hob, hätte sie sich sicher nicht träumen lassen, dass daraus ein Verband mit 700 Mitgliedern entstehen würde. Resolut wie sie war, gewann sie den damaligen EU-Kommissar für Entwicklung und Zusammenarbeit, Claude Cheysson, für ihr Projekt. Und siehe da – er war von diesem so überzeugt, dass er ihr und einigen anderen Freiwilligen sogar ein Büro im Berlaymont-Gebäude zur Verfügung stellte und sie logistisch unterstützte.
Kurz darauf, am 5. Dezember 1976, fand der erste Weihnachtsbasar statt. Dieser Markt ist heute aus der Brüsseler Weihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Wer schon einmal auf einem dieser Basare in der Europäischen Kommission war, ist stets begeistert von der internationalen Atmosphäre, unterschiedlichen Weihnachtstraditionen sowie allem, was an den Ständen so angeboten wird.
AUSHÄNGESCHILD DER „FEMMES D‘EUROPE”
Stets fand ich dort für meine Familie ein passendes Weihnachtsgeschenk, für meine mittlerweile verstorbene Mutter wundervolle Ohrringe, die sie selten ablegte. Und ich fand am griechischen Stand eine Schmetterlingsbrosche, die auf meinen Auslandsreisen weltweite Bewunderung fand. Oft wurde ich gefragt, wo ich diesen so exotischen, handgefertigten Schmetterling erstanden habe.
Angetan hatte es mir ein Adventskranz, der hundertprozentig zu meiner Weihnachtsdekoration passte und von der Anfang 2026 verstorbenen Hiltrud Jaeschke, langjähriges Mitglied der “Femmes d‘ Europe” mit viel Liebe und Sorgfalt gefertigt worden war. Wer von den vielen Besuchern des Weihnachtsmarkts, der für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist, hat nicht schon einmal im Wiener Kaffeehaus die hausgemachte Sachertorte genossen und beim Verzehr an alles andere als an Kalorienzählen gedacht? Nicht zu vergessen der süffige Champagner, mit dem ich zusammen mit Freundinnen so langsam das Weihnachtsfest eingeläutet habe.
Mittlerweile ist der Weihnachtsbasar längst ein echtes Aushängeschild der „Femmes d’Europe“. Einfach faszinierend und imponierend, wie die ehrenamtlichen Mitglieder, Frauen verschiedener Nationalitäten vieles selbst anfertigen – von der Weihnachtsdekoration, über Kunsthandwerk bis hin zu gestrickter Kleidung oder Kissen. Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz. Landestypische Produkte zum Schlemmen oder zum Kaufen sind sehr gefragt und füllen die Kasse. Und das Schönste daran ist, dass alle Erlöse einem guten Zweck dienen. Seit Bestehen der Vereinigung wurden mittlerweile 2700 Projekte mit 12 Millionen Euro unterstützt. Schon der erste Weihnachtsmarkt, den 5000 Personen besuchten, war ein durchschlagender Erfolg.
Als erste Ehrenvorsitzende hatte Lady Mary Soames, Ehefrau des damaligen Vizepräsidenten der Kommission, Christopher Soames und Tochter von Sir Winston Churchill, damals die Veranstaltung eröffnet. Mittlerweile verfügt der Verband über 23 nationale Gruppen, darunter eine EFTA-Gruppe, eine multinationale sowie nach wie vor eine Gruppe aus dem Vereinigten Königreich.
Dennoch brauche „Femmes d’Europe“ weiteres Engagement und Unterstützung, so die Griechin Niovi Kyriazakou, die aktuelle Präsidentin der Vereinigung. Hunderte von Frauen hätten ihre Zeit und Energie für die gute Sache eingesetzt und so dazu beigetragen, den Verein zu der etablierten und angesehenen Institution zu machen, die er heute sei. „Es ist mir eine Ehre und ein großes Anliegen, unsere langjährige Tradition fortzuführen sowie die wichtige Arbeit der Femmes d‘Europe bekannter zu machen und unser Image durch die Präsentation unserer Projekte zu verbessern“, sagte Kyriazakou.
Die vielen Jubiläumsfeierlichkeiten dürften dazu beitragen, das Spendenaufkommen weiter zu erhöhen. Auch die Tombola während der Oster- und des Weihnachtsbasars bringt Geld in die Wohltätigkeitskasse, ebenso weitere große Veranstaltungen wie Konzerte, Vintage-Verkäufe sowie Ausflüge innerhalb, aber auch außerhalb Belgiens. Alle Einkünfte kommen in einen Topf. Und jedes Mitglied kann dann Projekte vorschlagen, die ein Projektausschuss genehmigt. Unterstützt wurden zum Beispiel Frauen in prekären Verhältnissen in Belgien, aber auch Zelte und Schlafsäcke für obdachlose Menschen.
WIE GEHT ES WEITER?
Das Jubiläum in Brüssel steht unter dem Motto: „In Solidarität investieren, für die Zukunft vereinen.“ Neben feierlichen Veranstaltungen, wie dem Wohltätigkeitskonzert „ A voice of Ireland“ am 27. Oktober im Palais des Beaux-Arts (BOZAR), nutzen die Mitglieder nun vor allem die Gelegenheit, neue Spendenaktionen ins Leben zu rufen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Auch nach 50 Jahren lässt ihr Engagement nicht nach. Und auch wenn sich die Herausforderungen weltweit verändern, bleibt das Ziel unverändert: Menschen in Not zu helfen und eine Perspektive zu bieten. Herzlichen Glückwunsch, „Femmes d’Europe“, zu 50 Jahren unermüdlichem Einsatz!
Fotos: Femmes d’Europe