Der erste rote Teppich seines Lebens. Aber von Premierenfieber keine Spur. Bestens gelaunt begrüßte Geschäftsführer Guido Stephan die Gäste zur Feier des 75-jährigen Bestehens der Antoniter Siedlungsgesellschaft im Haus der Evangelischen Kirche. Heiter waren die Zeiten nicht, als das evangelische Wohnungsunternehmen am 13. Februar 1951 die Arbeit aufnahm. Damals als „Evangelische Siedlungsgesellschaft mbH, Köln“. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen viele Häuser in Köln als Ruinen. Flüchtlinge und Vertriebene kamen hinzu.
Im September 1950 lebten rund 595.000 Menschen in der Stadt, für die nur etwa 123.000 Wohnungen zur Verfügung standen. Das Unternehmen startete mit 50.000 D-Mark. 75 Prozent des Kapitals kamen vom Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Köln, 25 Prozent vom Kirchenkreis selbst. Zunächst saß die Gesellschaft in der Antonsgasse, im Sommer 1951 zog sie an den Mauritiuswall. Erster Aufsichtsratsvorsitzender und Initiator der Gründung war Hans Encke. Der Pfarrer der Kreuzkapelle in Riehl, später Stadtsuperintendent, war von 1953 bis 1955 auch Geschäftsführer. In jener Zeit galt es, die Insolvenz abzuwenden und das Unternehmen zu konsolidieren. Das gelang: Bereits 1964 konnte die erste Dividende gezahlt werden.
Vom Wiederaufbau zur ersten Dividende
Stadtsuperintendent Bernhard Seiger sprach bei der Jubiläumsfeier zum 75-jährigen Bestehen der Antoniter Siedlungsgesellschaft über menschenwürdiges Wohnen als Ausdruck von Diakonie.
Heute hat die ASG kölnweit 1.781 Wohnungen im Bestand, von denen die Hälfte öffentlich gefördert sind. Darüber hinaus verwaltet sie 1.150 Wohnungen von Dritteigentümern. Das sind oft evangelische Gemeinden, für die die ASG auch als Beraterin in Immobilienangelegenheiten tätig ist.
Zu den Gästen der ASG zählten Vertreterinnen und Vertreter der Kirche, darunter Stadtsuperintendent Bernhard Seiger, der Vorsitzende des Bevollmächtigtenausschusses des Kirchenkreises Köln-Linksrheinisch Markus Zimmermann, sowie Torsten Krall, Superintendent im Rechtsrheinischen. Auch die Immobilienbranche war vertreten, ebenso die Verwaltung mit Kölns Sozialdezernent Dr. Harald Rau. Sie und alle anderen bekamen ein kurzweiliges Programm geboten.
Ein Wohnzimmer voller Geschichten
Im Haus der Kirche hatte man ein Wohnzimmer nachgebaut, das von der Kabarettistin Gabi Weiss in ihrer Paraderolle als Irmgard Knüppel „bewohnt“ wurde. Sie empfing ununterbrochen Gäste, allesamt Mitarbeiter der ASG und des Tochterunternehmens Grube & Räther, die in kleinen Dialogszenen ihre Rolle im Unternehmen als Dienstleister für die Mieter vorstellten. Der Elektriker George Okuome reparierte eine Steckdose, die Architektin Verena Nelles begutachtete einen Gebäudeschaden, Andrea Gasper gab Ratschläge zu einer Patientenverfügung. Und auch für den Gärtner Ralf Hesse, der vor dem „Wohnzimmerfenster“ einen infernalischen Lärm verursachte, fand Irmgard Knüppel freundliche Worte: „Ich wünsche immer eine Handbreit Laub unterm Bläser.“
Guido Stephan warf einen Blick zurück. „Es war nicht selbstverständlich, dass aus der Idee, ein evangelisches Wohnungsunternehmen zu gründen, eine Erfolgsgeschichte wird“, sagte der Geschäftsführer. Heute sei man eine prosperierende Firma und auf einem guten Weg. Einziges Problem: Neu bauen sei derzeit unfassbar teuer. Oberbürgermeister Torsten Burmester wandte sich mit einer Videobotschaft an die Festgemeinde: „Der Beginn der Antoniter Siedlungsgesellschaft fiel in eine Zeit der großen Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Kölner hatten ihr Zuhause verloren. Ihr Unternehmen hat Verantwortung übernommen und trägt sie weiterhin als Vermieterin von öffentlich gefördertem Wohnraum.“
Menschenwürdiges Wohnen als Ausdruck von Diakonie
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ASG und des Tochterunternehmens Grube & Räther stellten in unterhaltsamen Dialogszenen ihre Arbeit und ihre Rolle als Dienstleister für die Mieterinnen und Mieter vor.
Menschenwürdiges Wohnen sei ein Grundbedürfnis, erklärte Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Das sei die Basis für alles, was Menschen draußen tun. In der eigenen Wohnung könne man geborgen sein und Kräfte sammeln. „Und da sind wir als Kirche gefragt, weil wir um die Menschen mit ihren Bedürfnissen wissen. Kirchlicher Wohnungsbau ist, wenn man so will, auch ein Ausdruck von Diakonie.“
Das Thema Wohnen komme im Alten und Neuen Testament 400-mal vor, hat der Stadtsuperintendent gezählt. Im 2. Buch der Könige 2,19 heiße es: „Siehe, es ist gut wohnen in dieser Stadt.“ Seiger ergänzte: „Das ist die erste Erwähnung Kölns in der Bibel.“ Und in Sprüche 21,9 könne man lesen: „Besser im Winkel auf dem Dach wohnen als mit einer zänkischen Frau zusammen in einem Haus.“ Heiterkeit im Auditorium und uneingeschränkte Zustimmung.
Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

