Safe mit Dollar-Bündeln

Korruptions-Beben in Kiew

07.09.2026 – 23:58 UhrLesedauer: 2 Min.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawchenko während einer Pressekonferenz (Archivbild).Vergrößern des Bildes

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawchenko während einer Pressekonferenz (Archivbild). (Quelle: IMAGO/Danylo Antoniuk)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1xArtikel teilen

Nach schweren Korruptionsvorwürfen tritt der Generalstaatsanwalt der Ukraine zurück. Er selbst weist jede Mitschuld von sich.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko ist nach Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. „Ich möchte nicht, dass das Amt des Generalstaatsanwalts als Instrument in politischen Auseinandersetzungen genutzt wird. Meine Haltung zu den Vorwürfen bleibt unverändert“, erklärte er am Montag im Onlinedienst Telegram. Zuvor hatte Krawtschenko die am Wochenende gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe entschieden zurückgewiesen.

Die Anschuldigungen im Zusammenhang mit betrügerischen Callcentern seien „durch nichts belegt“, hatte Krawtschenko am späten Sonntagabend auf Telegram geschrieben. Am Samstag hatten die ukrainische Antikorruptionsbehörde Nabu und eine Spezialstaatsanwaltschaft mitgeteilt, ein Geldwäschenetzwerk aufgedeckt zu haben, das „von einem Verantwortlichen im Büro des Generalstaatsanwalts geführt“ worden sei.

Im Rahmen der Ermittlungen waren die Büros der Generalstaatsanwaltschaft durchsucht worden. Die Antikorruptionsbehörde Nabu veröffentlichte ein Bild von einem Safe, der mit Dollar-Bündeln gefüllt war, und teilte mit, sie habe fünf Mitglieder des Netzwerks identifiziert. Namen nannte sie indes nicht.

Krawtschenko (M.) bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Neben ihm der inzwischen entlassene General Oleksandr Syrskyi (r.).Vergrößern des BildesKrawtschenko (M.) bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Neben ihm der inzwischen entlassene General Oleksandr Syrskyi (r.). (Archivbild) (Quelle: IMAGO/Danylo Antoniuk)

Ermittler: Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände

Den Ermittlern zufolge erhielt das Netzwerk Geld, um betrügerische Callcenter zu schützen. Es seien „Vermögen in Höhe von Millionen“ gewaschen worden. Mit diesen Bestechungsgeldern wurden demnach Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände bezahlt.

„Ich weise die Anschuldigungen zurück, wonach ich an der Entgegennahme und der Wäsche von Geldern beteiligt gewesen sein soll, die aus illegalen Callcentern stammen“, erklärte Generalstaatsanwalt Krawtschenko, bevor er seinen Rücktritt bekanntgab. Er versicherte, seine Ausgaben erfolgten „unter Einhaltung geltender Gesetze“ und im Rahmen der angegebenen Einkünfte.

Schätzungen der Schweizer Organisation Global Initiative Against Transnational Organized Crime zufolge beschäftigen illegale Callcenter in der Ukraine fast 60.000 Menschen und erwirtschaften im Monat bis zu einer Milliarde Dollar (860 Millionen Euro).

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Korruptionsskandale die Ukraine erschüttert, auch im direkten Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Sein früherer Bürochef Andrij Jermak trat wegen Ermittlungen zu Korruption im Energiesektor zurück. Die Korruption ist eines der größten Hindernisse für die Bemühungen der Ukraine um einen EU-Beitritt.