Stromnetzausbau
Stand: 08.09.2026 06:00 Uhr
Für den Dresdner Norden wird mehr Strom benötigt. Deshalb plant die 50 Hertz Transmission GmbH eine neue Höchstspannungsleitung. In Großdobritz im Landkreis Meißen informierte der Netzbetreiber nun über mögliche Trassenverläufe und die Herausforderungen bei der Suche nach einem geeigneten Korridor. Viele Anwohner stellten die Notwendigkeit der Leitung nicht infrage, kritisierten jedoch mögliche Eingriffe in Natur und Landschaft und forderten mehr Mitsprache.

Nachrichten personalisieren
Bei einer Infoveranstaltung in Großdobritz haben sich Anwohnerinnen und Anwohner über die geplante Elbe-Oberlausitz-Leitung informiert. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH, zuständig für das Höchstspannungsnetz in Ostdeutschland, begründet das Vorhaben mit dem steigenden Strombedarf durch Neuansiedlungen von Unternehmen und Erweiterungen im Dresdner Norden. Die neue Leitung soll die Region an das 380-Kilovolt-Netz anschließen.

Im Mittelpunkt der Infoveranstaltung stand das Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung der Landesdirektion Sachsen. Dabei erfuhren die Besucher, welche Trassenkorridore derzeit als besonders geeignet gelten und welche Alternativen zusätzlich untersucht werden sollen.

Der genaue Verlauf der Höchstspannungsleitung steht noch nicht fest.
Welche Strecke derzeit bevorzugt wird
Nach dem Ergebnis der Raumverträglichkeitsprüfung empfiehlt die Landesdirektion Sachsen, keine der ursprünglich untersuchten Trassenvarianten unverändert weiterzuverfolgen. Stattdessen soll eine Kombination der Korridore D und A näher betrachtet werden. Diese würde westlich und südlich an Großenhain vorbeiführen, den Raum Radeburg queren und sich anschließend entlang der Autobahn 13 in Richtung Dresdner Norden verlaufen.
- Korridor A wurde positiv bewertet, weil er Eingriffe rund um Moritzburg und das Schlossensemble sowie in die Moritzburger Kleinkuppenlandschaft minimieren soll. Korridor D wurde unter anderem positiv bewertet, weil er teilweise vorhandene Infrastruktur (Freileitungen, Bahnlinien) bündelt.
- Die Landesdirektion hat zusätzliche Prüfungen zwischen den bevorzugten Korridoren angeordnet. Außerdem wird nach Angaben des Unternehmens eine weitere Trassenvariante untersucht, die während der Öffentlichkeitsbeteiligung vorgeschlagen wurde.

Bei einer Infoveranstaltung in Großdobritz (Landkreis Meißen) informierten sich Bürger und Bürgerinnen über den Zwischenstand.
Natur- und Artenschutz erschweren die Planung
Die Frage, wo die Leitung später verlaufen soll, beschäftigt Planer und Behörden bereits seit Jahren. Zahlreiche Interessen treffen aufeinander: Bei der Planung müssen laut 50Hertz Siedlungen, Waldflächen, Wasserschutzgebiete und europäische Schutzgebiete berücksichtigt werden.

Laut Lisa Marie Wollny, Sprecherin für das Projekt Elbe-Oberlausitz-Leitung bei 50Hertz, benötigt der Dresdner Norden wegen neuer Industrieansiedlungen zusätzliche Kapazitäten im Stromnetz.
Es steht nicht die Frage im Raum, ob wir diese Leitung bauen. Das steht fest. Wir müssen sie bauen. Die Frage ist, wo.
Lisa Marie Wollny | Projekt Elbe-Oberlausitz-Leitung bei 50Hertz
50Hertz betonte, dass bei der Suche nach einer Trasse zahlreiche Interessen gegeneinander abgewogen werden müssten. „Es steht nicht die Frage im Raum, ob wir diese Leitung bauen. Das steht fest. Wir müssen sie bauen. Die Frage ist, wo“, sagte Lisa Marie Wollny, Sprecherin für das Projekt Elbe-Oberlausitz-Leitung bei 50Hertz.

Mithilfe von Stellwänden und Plakaten wurde Interessierten der aktuelle Planungsstand der Elbe-Oberlausitz-Leitung verdeutlicht.
Bürger kritisieren Trassenverlauf
Bei der Infoveranstaltung machten viele Besucherinnen und Besucher deutlich, dass sie die grundsätzliche Notwendigkeit des Netzausbaus nachvollziehen können. Kritik richtete sich vor allem gegen mögliche Auswirkungen auf Landschaft und Natur sowie gegen die geplante Ausführung als Freileitung.
„Wir verstehen das ja und befürworten das. Wir verstehen aber nicht, warum das nicht unterirdisch passieren kann“, sagte eine Besucherin der Veranstaltung. 50Hertz verweist darauf, dass die geplante 380-Kilovolt-Wechselstromleitung nach den geltenden gesetzlichen Vorgaben grundsätzlich als Freileitung umgesetzt werden müsse. Eine Erdverkabelung sei für dieses Projekt nach Angaben des Unternehmens nicht vorgesehen.
Einige Anwohner sorgen sich um Veränderungen des Landschaftsbildes durch Stromleitungen und weitere Infrastrukturprojekte.

Der Priestewitzer Gemeinderat Oliver Nötzolt findet die Bürgerbeteiligung entscheidend, zweifelt aber auch daran, wie groß der Einfluss der Kommunen am Ende tatsächlich ist.
Nicht das Ob, sondern das Wo wird diskutiert
Auch Kommunalvertreter forderten, die Bevölkerung frühzeitig einzubeziehen. „Wichtig ist, dass die Bevölkerung immer mitgenommen wird“, sagte Oliver Nötzolt, Mitglied des Gemeinderats Priestewitz. Zugleich äußerte Nötzolt Zweifel, wie groß der Einfluss der Gemeinden tatsächlich noch sei: „Wir werden nicht viel ändern können. So wurde uns das schon transportiert“, sagte Oliver Nötzolt.
Der Bürgermeister von Niederau stellte die Notwendigkeit des Projekts auch nicht infrage. „Die 380-kV-Leitung müssen wir hier definitiv umsetzen. Wir brauchen Strom in Bezug auf die Entwicklung des Dresdner Knotens“, sagte Thomas Claus, Bürgermeister der Gemeinde Niederau (parteilos). „Der Ausbau der Trasse wird definitiv kommen. Die Frage ist: Wie? Durch welchen Korridor? Welche Belange müssen gewichtet werden, welche können vernachlässigt werden?“

Im Gasthof Großdobritz diskutierten Anwohner, Kommunalvertreter und Planer über mögliche Trassen für die Elbe-Oberlausitz-Leitung.
Weitere Veranstaltungen im kommenden Jahr geplant
Die Veranstaltung im Gasthof Großdobritz war als Zwischeninformation gedacht. Bis feststeht, wo die Leitung tatsächlich gebaut wird, werden noch mehrere Jahre vergehen. Bis 2027 soll ein Vorzugskorridor ermittelt werden. Anschließend will 50Hertz die Ergebnisse erneut in den betroffenen Gemeinden vorstellen. Erst danach wird im Planfeststellungsverfahren festgelegt, wo die Leitung später genau verlaufen und wo Masten errichtet werden sollen. Die Inbetriebnahme des westlichen Abschnitts ist nach derzeitiger Planung für Anfang 2032 vorgesehen.
MDR SACHSEN

Angst vor gesundheitlichen Folgen

MDR (kav,abe)