Die Star Trek circa 1965.

Stand: 08.09.2026 • 06:16 Uhr

Eine Serie als Spiegel der Gesellschaft. Am 8. September 1966 wurde die erste Folge von „Star Trek“ im US-Fernsehen ausgestrahlt. Noch heute ist das Franchise bei Fans beliebt. Vielleicht auch, weil dort eine bessere Zukunft versprochen wird.

Schon drei Jahre vor der ersten Mondlandung fliegt das Raumschiff Enterprise mit seiner Besatzung durch das All. In den Folgen der US-Fernsehserie spiegeln sich bis heute gesellschaftliche Entwicklungen. „Die Crew der Enterprise hat sich immer auf der fortschrittlichen Seite positioniert“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Rebecca Haar im WDR-Interview. Sie hat ein Buch über den Umgang mit Androiden und über Künstliche Intelligenz im „Star-Trek“-Universum geschrieben.

Das gelte nicht nur für progressive technische Ideen, sondern auch für Diversität in Gesellschaften.

Enterprise-Crew zeigt Vielfalt der Gesellschaft

Star Trek-Erfinder Gene Roddenberry war überzeugt davon, die Rollen der Enterprise-Crew mit Schauspielern und Schauspielerinnen zu besetzen, die die Vielfalt einer zukünftigen Gesellschaft zeigen.

An Bord der Enterprise arbeiten Weiße und Schwarze, Asiaten und Russen zusammen mit dem Außerirdischen Mr. Spock, der vom Planeten Vulkan stammt. „Es gibt im Vulkanischen diesen Gedanken der unendlichen Variation in unendlicher Vielfalt. Alle können ihren Platz finden und man schaut neugierig in die Welt“, so Haar.

Ein Kuss mit Folgen: Meilenstein der TV-Geschichte

1968 zeigt „Star Trek“ den ersten Kuss einer schwarzen Frau und eines weißen Mannes in einer US-Fernsehserie und schreibt damit Geschichte. „Der Kuss zwischen Leutnant Uhura und Captain Kirk war damals natürlich ein großes Wagnis“, sagt Kulturwissenschaftlerin Haar. Aber es wurde belohnt. Die „Star-Trek“-Fans feiern den Kuss. Heute gilt er als Meilenstein der TV-Geschichte.

Sichtbarkeit ist wichtig

Schauspielerin Nichelle Nichols spielte Leutnant Uhura. Sie war sich der historischen Bedeutung ihrer Rolle bewusst. Nach der ersten Staffel wollte sie eigentlich bei „Star Trek“ aussteigen, um eine Rolle am Broadway anzunehmen. Aber US-Bürgerrechtler Martin Luther King, selbst ein großer Fan der Serie, überredete sie, ihre Rolle als Uhura nicht aufzugeben: „Zum ersten Mal sieht uns die Welt, wie es sein sollte, als Gleiche, als intelligente Menschen“, habe er ihr gesagt, wie sie in einem Interview erzählt hat, das im „Archive of American Television“ zu hören ist.

Auch der Kalte Krieg spiegelt sich in „Star Trek“ wider: An Bord der Enterprise arbeitet zwar ein russischer Offizier. Aber wie die Sowjetunion sind die Klingonen ein Gegner, der zurückgezogen in einem Gebiet lebt, das für die Enterprise nicht zugänglich ist. Erst nach dem Ende des Kalten Kriegs, in einem „Star-Trek“-Kinofilm von 1991, werden sie schließlich Teil der Föderation der Vereinigten Planeten. Diese ist nach dem Vorbild der USA modelliert.

„Star Trek“ wird 1972 in Deutschland zu „Raumschiff Enterprise“

1969, im Jahr der Mondlandung, wird „Star Trek“ wegen nur mäßigem Erfolgs vom US-TV-Sender NBC nach 79 Folgen abgesetzt. Aber sie hat ein Nachleben. In Deutschland wird „Raumschiff Enterprise“ ab 1972 vom ZDF ausgestrahlt.

Den visionären Charakter der US-Serie kann die flapsig synchronisierte Fassung aber nicht wirklich treffen: „Guckt man sich das Original an, ist die Serie viel weniger lustig, als in der ersten deutschsprachigen Fassung.“

Diversität auf der Enterprise-Brücke: Leutnant Sulus (links, George Takei ) Familie stammte aus Japan, Mr Chekov (Walter Koenig) aus Russland.

Sie wirke dadurch auch anders, erklärt Rebecca Haar. Auch deswegen nimmt das deutsche TV-Publikum die politische Dimension von „Star Trek“ weniger stark wahr, als das US-amerikanische. Hinzu kommt, dass Themen wie der Umgang mit Sexualität oder Anspielungen auf Nazi-Deutschland vom ZDF als nicht sendefähig befunden wurden. Erst in den 90er-Jahren konnten deutsche Fans die ungeschnittenen Folgen von „Raumschiff Enterprise“ sehen – auf DVD oder VHS.

Fans retten Serie: Eines der größten Franchises der TV-Geschichte

Heute ist „Star Trek“ ist eines der größten Franchises der TV-Geschichte. „Das Spannende hierbei ist, dass es damals extrem viele Fans gab, die sich nach der Absetzung für Neues stark gemacht haben“, so Haar. Auf den ersten „Star-Trek“-Film von 1979 folgten weitere Serien, Kinofilme, Comics und Videospiele. Bis heute sind die „Star-Trek“-Fans, die Trekkies, wie kaum ein zweites Fandom für „ihr“ Franchise engagiert.

„Die gesamte Fankultur, wie wir heute kennen mit Conventions, Comic-Con und so weiter, nimmt ihren Ursprung im Kontext von Star Trek“, erklärt Rebecca Haar. Vielleicht liegt das an der Vision, die die Serie verbreiten sollte. „Star Trek“ übersetze die Gesellschaft von heute in die Welt von Übermorgen, meint die Kulturwissenschaftlerin, und eröffne dadurch neue Perspektiven – für alle: „Eine Zukunft, in der jeder seinen Platz finden kann“.