Beim Eröffnungskonzert des 5. Barockmusik- und Orgelfestivals in der Auferstehungskirche tauchte das Publikum für 90 Minuten in die warm getönte Klangwelt des Frühbarock ein. Das Ensemble „ecco la musica“ aus Stuttgart präsentierte eine erlesene Auswahl an Kompositionen. Die Konzertbesucher im gut besetzten Kirchenschiff goutierten die mit „Trost- und Trauermusiken zwischen Schütz und Bach“ überschriebenen Spezialitäten und spendeten lang anhaltenden Applaus.

Wettstreit der Stimmen

Die Sopranistin Gerlinde Sämann und der Bass Wolf Matthias Friedrich musizierten gemeinsam mit Klaus Eichhorn an der Orgel, den Gambenspielerinnen und -spielern Heike Hümmer, Arno Jochem und Brigitte Gasser, mit dem Barockposaunisten Matthias Sprinz und den Violinistinnen Stéphanie Pfister und Florence Stroesser. In wechselnder Besetzung brachten sie unter anderem mehrere Werke von Matthias Weckmann (1621 – 1674) zu Gehör. Weckmann wurde bereits als Kind Mitglied der kursächsischen Hofkapelle in Dresden, die damals von Heinrich Schütz geleitet wurde. Später wurde er Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi. In Überlingen ließ das Ensemble „ecco la musica“ mit „Wie liegt die Stadt so wüste“ sein berühmtestes geistliches Konzert erklingen. Weckmann schrieb es 1663 unter dem Eindruck der verheerenden Pestepidemie in Hamburg. Die warme und ausdrucksstarke Bassstimme von Wolf Matthias Friedrich kontrastierte effektvoll mit dem wunderbar nuancierten und beweglichen Sopran von Gerlinde Sämann. Begleitet von der Orgel und den Streichinstrumenten entwickelt Weckmann die musikalische Klage zu einem Wettstreit der beiden Stimmen. In höchster Perfektion wussten die Solisten ihre Partien – wie im Barock üblich – mit virtuosen Verzierungen auszugestalten.

Ein Fest für Liebhaber der Gamben

Eine ganz besondere Klangfarbe mischte die Barockposaune (Trombone) von Matthias Sprinz zu verschiedenen Kompositionen bei.  Zu einem wahren Fest für Gambenliebhaber geriet die höfisch-tänzerische „Sonata II á 2“ des deutschen Komponisten und Gambenspielers August Kühnel (1645 – 1700) für zwei Gamben und Basso Continuo.  

Die Viola da Gambe, auch Kniegeige genannt, hat typischerweise sechs oder sieben Darmsaiten, die einen hellen, silbrigen Klang erzeugen.  Die drei Gambenspieler des Ensembles „ecco la musica“ von links: Heike Hümmer, Arno Jochem und Brigitte Gasser. An der Orgel Klaus Eichhorn, links davon die Sopranistin Gerlinde Sämann.

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Die Viola da Gambe, auch Kniegeige genannt, hat typischerweise sechs oder sieben Darmsaiten, die einen hellen, silbrigen Klang erzeugen. Die drei Gambenspieler des Ensembles „ecco la musica“ von links: Heike Hümmer, Arno Jochem und Brigitte Gasser. An der Orgel Klaus Eichhorn, links davon die Sopranistin Gerlinde Sämann.
Foto: Antonia Kitt

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Die Viola da Gambe, auch Kniegeige genannt, hat typischerweise sechs oder sieben Darmsaiten, die einen hellen, silbrigen Klang erzeugen. Die drei Gambenspieler des Ensembles „ecco la musica“ von links: Heike Hümmer, Arno Jochem und Brigitte Gasser. An der Orgel Klaus Eichhorn, links davon die Sopranistin Gerlinde Sämann.
Foto: Antonia Kitt

Weitere Festival-Konzerte in der Auferstehungskirche

Mittwoch 9. September, 20.15 Uhr: „2 Zinken und Orgel – Capriccio Italiano“. Marc Pauchard (Zink und Blockflöte), Hans Jakob Bollinger (Zink) und Christiane Lux (Orgel) spielen Werke des Frühbarock.

Samstag 12. September, 19.30 Uhr: Konzerteinführung mit allen Mitwirkenden, dann um 20.15 Uhr „Vertrauen-Geborgen in Dir“, Chormusik von Schütz, Hammerschmidt und Schein mit fünf Chören, zwei Orgeln und Laute. Leitung von KMD Thomas Rink.

Wieder im Tutti musizierten die Experten der Barockmusik Johann Michael Nicolais geistliches Werk „Sey nun wider zufrieden meine Seele“. Nicolai war 30 Jahre lang Instrumentalist in der Hofkapelle Stuttgart und komponierte unter anderem zahlreiche Kantaten für die protestantische Liturgie. Eine weitere überraschende Entdeckung gab es mit einer Sonate von Jan Adam Reincken (1643 – 1722). Reincken war Organist an der Hamburger Katharinenkirche. Der junge Johann Sebastian Bach nahm bei ihm Orgelunterricht. Dass Reincken auch das Spiel der Gambe beherrschte, kommt in seinen Sonaten deutlich zum Ausdruck. Der silbrig-hell klingenden Viola da Gamba kommt hier eine ganz eigenständige virtuose Rolle zu, meisterlich von „ecco la musica“ herausgearbeitet. Das Gleiche gilt für den Part der Violinen, die in Reinckes Sonate solistisch hervortreten dürfen.

Es ist ein großer Verdienst von Kirchenmusikdirektor Thomas Rink, diese in ihrer Zeit zur Avantgarde zählenden Komponisten und ihre Musik beim Festival für das Überlinger Publikum erlebbar zu machen,