Jeder Mensch, der von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht ist, hat seine eigene Geschichte. Entsprechend vielfältig müssen die Beratungs- und Hilfsangebote sein. Darauf weisen jetzt die in der Wohnungslosenhilfe aktiven Organisationen in Duisburg in einer Mitteilung hin.
Gesellschaftliche Aufgabe
Die Hilfe für wohnungslose Menschen sei nicht nur eine staatliche Aufgabe, sie sei auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Am „Tag der Wohnungslosen“ wollen das Diakoniewerk Duisburg, die Ökumenische Bahnhofsmission und der Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“ auf die Situation der Betroffenen aufmerksam machen und über ihre Angebote informieren. Es gibt unter anderem einen Informationsstand in der Innenstadt, verschiedene Einrichtungen haben ihre Türen für Gäste geöffnet und politische Vertreterinnen und Vertreter sind zu einem Mittags-Impuls eingeladen.
Wohnungslosenhilfe in Duisburg
Als das Diakoniewerk Duisburg 1979 gegründet wurde, ging es dabei auch darum Einrichtungen zu unterhalten und zu betreiben, in denen ausgestoßene und isoliert lebende Menschen mit vorwiegend psychosozialen Störungen durch Unterkunft, Betreuung und therapeutische Angebote Hilfe erhalten können.
Der Auftrag ist nach Auffassung der Organisationen auch heute noch aktuell, doch habe die Hilfe sich stark verändert. In den 70er-Jahren habe es fast ausschließlich Angebote für Männer gegeben – heute seien Männer, Frauen, junge Erwachsene und queere Personen gleichermaßen im Blick. Aus Gruppenunterkünften mit Stockbetten seien Wohngebäude mit Einzelappartements und Wohngemeinschaften. Das Diakoniewerk Duisburg ist aktuell gemeinsam mit der Stadt für die Beratung und Unterbringung von wohnungslosen Menschen zuständig – in enger Vernetzung und Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland, dem Jobcenter, dem Suchthilfeverbund sowie weiteren Partnern.
Das Angebot umfasst Beratung in allen Fragen rund um Amtsgänge, Wohnungssuche, Schuldnerberatung, Lebensperspektiven etc., bei Bedarf eine unmittelbare Soforthilfe mit Schlafsäcken, Kleidung, Getränken, Essen, Postadresse und Duschmöglichkeit sowie langfristig eine konkrete Vermittlung in Wohnangebote und reguläre Mietverhältnisse.
Es gibt zahlreiche, zum Teil sehr unterschiedliche Statistiken zum Thema Wohnungslosigkeit – wobei die Menschen, die auf der Straße schlafen, hier kaum berücksichtigt werden. Das Statistische Landesamt NRW verzeichnet 2420 untergebrachte wohnungslose Personen in Duisburg (siehe Box).
Im Bereich der Wohnungslosenhilfe wurden im Laufe des Jahres 2025 ca. 1200 Nutzerinnen und Nutzer in der Zentralen Anlauf-, Beratungs- und Vermittlungsstelle (ZABV) des Diakoniewerks Duisburg fachlich beraten, 32.500 Kontakte hat die Ökumenische Bahnhofsmission erfasst, ca. 350 Personen wurden in den stationären Wohnformen des Diakoniewerks gezählt.
„Die Zahl der Menschen, die in Duisburg von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind, steigt. Die Dunkelziffer ist hoch, da die Anzahl der Menschen, die bei Bekannten oder auf der Straße schlafen, bislang nur geschätzt wird. Steigende Armut, Überalterung der Gesellschaft, Fluchtbewegungen gehören zu den aktuellen Herausforderungen unserer Arbeit“, sagt Yvonne Wagner, Leiterin des Fachbereiches „Beratung & Wohnen“ beim Diakoniewerk Duisburg.
Die Gründe für Wohnungslosigkeit sind sehr unterschiedlich. Häufige Auslöser sind Miet- und/oder Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld, Trennungssituationen, Ortswechsel, Haftstrafe, Sucht, Krankheiten und weitere private Schicksalsschläge sowie der Verlust der Unterstützung durch soziale Netzwerke.
An vielen Stellen wird die professionelle und ehrenamtliche Wohnungslosenhilfe in Duisburg von der Stadtgesellschaft unterstützt. Die Arbeit des VereinsKostenpflichtiger Inhalt „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e.V.“ und der Ökumenischen Bahnhofsmission sowie der Betrieb des Streetwork- und Kontaktcafés pro kids im Diakoniewerk Duisburg sind nur möglich dank regelmäßiger Spenden und dank umfassender ehrenamtlicher Mitarbeit. Der Verein ist seit über 25 Jahren in Duisburg auf der Straße im Einsatz.
Angebote am Tag der Wohnungslosen
Am 11. September findet man auf dem Averdunk-Platz von 11 bis 14 Uhr den Informationsstand von Diakoniewerk, Bahnhofsmission und dem Verein „Gemeinsam gegen Kälte Duisburg“, der mit dem Kältebus und mit dem Medibus vor Ort ist. Hier gibt es Wasser, Kaffee, Gebäck, medizinische Beratung und Informationen zu den verschiedenen Hilfsangeboten. Besucher sind eingeladen, mit Mitarbeitenden und Betroffenen ins Gespräch zu kommen.
Von 9 bis 16 Uhr hat die Zentrale Anlauf-, Beratungs- und Vermittlungsstelle auf der Beekstraße 45a ihre Türen für interessierte Gäste geöffnet, die Bahnhofsmission ist wie gewohnt von 7.30 bis 19 Uhr geöffnet.