Serbien hat den verurteilten Kriegsverbrecher Ratko Mladic mit militärischen Ehren beigesetzt – die EU prüft nun Sanktionen und einen Beitrittsstopp.

serbien mladicNach dem Staatsbegräbnis für Kriegsverbrecher Mladic drohen Serbien massive Konsequenzen aus Brüssel. – keystone

Serbien steht nach dem Begräbnis des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic unter massivem Druck der EU. Wie die «Deutsche Börse» berichtet, prüft die EU-Kommission derzeit mögliche nächste Schritte gegen Belgrad.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa bezeichneten die Bilder aus Belgrad als schockierend. Sie warfen serbischen Regierungsvertretern vor, sich einem dunklen Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte nicht zu stellen.

Sollte die EU Serbiens Beitrittsverhandlungen wegen der Ehrung von Kriegsverbrecher Mladic stoppen?

1Ja.

2Nein.

Von der Leyen und Costa erklärten: «Ratko Mladic war ein verurteilter Kriegsverbrecher. Er war für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich.»

Serbien: Staatsbegräbnis mit Salutschüssen

Mladic wurde am Montag auf dem Belgrader Friedhof Topcider mit militärischen Ehren beigesetzt. Laut der «Deutschen Börse» wohnten mehrere tausend Menschen der Zeremonie bei, Soldaten feuerten Salutschüsse ab.

Wie das «SRF» berichtet, war auch der Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche anwesend, und die Veranstaltung wurde live im Fernsehen übertragen. Dies geschah, obwohl die EU Serbien in den Tagen zuvor mehrmals aufgefordert hatte, auf eine staatliche Ehrung zu verzichten.

Laut dem «SRF» wurde in Serbien unter Präsident Vucic in den letzten Jahren ein regelrechter Kult um Mladic gepflegt. Dies gefördert durch staatlich finanzierte Wandbilder und regierungsnahe Medien.

Einfrieren von EU-Geldern möglich

Diplomaten zufolge könnten Serbien vorerst Fortschritte im EU-Beitrittsverfahren verwehrt werden, wie die «Deutsche Börse» meldet. Denkbar seien zudem finanzielle Konsequenzen wie das Einfrieren laufender Unterstützungszahlungen.

serbien mladicSerbien hat Mladic mit militärischen Ehren beigesetzt. Den mit Medaillen und Offizierskappe dekorierten Sarg des Kriegsverbrechers küssten viele der Anwesenden. – keystone

Auch aus Wien kommt scharfe Kritik, berichtet die Nachrichtenagentur APA-OTS. Meri Disoski, aussenpolitische Sprecherin der österreichischen Grünen, fordert, dass Österreich keine weiteren Beitrittskapitel mitträgt, bis Belgrad sich klar distanziert. Die staatliche Ehrung verhöhne die Opfer und ihre Angehörigen.

Serbien ist seit 2012 EU-Beitrittskandidat. Seit 2014 laufen offizielle Verhandlungen, wie die «Deutsche Börse» berichtet.