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Leipzig – Es waren immer ähnliche, beängstigende Szenen: Vermummte Schlägertrupps überfielen Menschen, deren Einstellung dem eigenen linken Weltbild widersprach. Wie aus dem Nichts tauchten Antifa-Rächer wie die berüchtigte Hammerbande auf, um ihre politischen Gegner mit roher Gewalt zu strafen. Aber woher bekamen die Täter die Kontaktdaten der Opfer? Ein Prozess am Leipziger Landgericht versucht derzeit, genau das zu klären.
Auf der Anklagebank sitzt Ines F. (56), eine Buchhalterin aus Magdeburg. Die dunkel gekleidete Dame trägt Kurzhaarfrisur, Brille und in sich offenbar auch das felsenfeste Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Sie selbst schweigt, aber dass sie den politischen Gegner ausspähte, ist hinreichend bekannt. „Sogar der Mord an Walter Lübcke konnte mithilfe ihrer Daten aufgeklärt werden“, verteidigt Anwältin Rita Belter ihre Mandantin gleich zu Beginn des Verfahrens. Im Berufungsprozess am Landgericht in Leipzig geht es jedoch um zwei blutige Überfälle, für die Ines F. auf illegale Art und Weise die nötigen Adressen besorgt haben soll. Tatvorwurf: Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.

Die Hammerbande bei einem Überfall in Budapest. Ähnlich sollen die Schläger auch in Wurzen vorgegangen sein
Foto: X.com/NoeWehrtSich
Auf Datenabfragen folgen brutale Überfälle
In erster Instanz, am Leipziger Amtsgericht, wurde die Spionin im Februar 2026 dafür bereits verurteilt: 18 Monate Haft auf Bewährung. Richter Sebastian Bosch sah es damals als erwiesen an, dass die Buchhalterin ihre Position an der Uniklinik Magdeburg missbraucht hatte, um die Adressen abzufragen und an die ausführenden Täter weiterzugeben. Möglich war das, weil Ines F. für die Klinik auch säumige Zahler kontaktieren sollte und deshalb Zugriff auf das Dataport-System der öffentlichen Verwaltung hatte. Ermittlern war aufgefallen, dass sie dort die Daten von zwei Personen abgefragt hatte, die nichts mit der Uniklinik zu tun hatten, aber wenig später von linken Schlägern, möglicherweise sogar von Mitgliedern der Hammerbande, übel zugerichtet wurden.

Richter Johann Jagenlauf (Mitte) soll in dem Fall entscheiden
Schläge, bis die Wirbel brechen
Die Angriffe zu den abgefragten Personendaten wurden am 30. Oktober 2018 in Wurzen bzw. am 3. November 2019 in Leipzig begangen. Das erste Opfer, Cedric S. (28), wollte gerade zum Fußballtraining, als sich drei Angreifer auf ihn stürzten und zu Boden rissen. „Sie haben mindestens zehn Minuten u.a. per Teleskopschlagstock auf mich eingedroschen und mir ins Gesicht getreten. Wäre mein Nachbar nicht aufgetaucht, hätten sie mich umgebracht“, sagt der Hausmeister, der damals in der rechten Szene aktiv war und 2016 an dem Hooligan-Sturm auf den Leipziger Stadtteil Connewitz beteiligt war. „Das war die Hammerbande. Hoffentlich können sie es denen noch nachweisen, aber die haben das schon ziemlich geschickt gemacht“, nickt S. Zehn Tage nach dem Angriff, der Rechtsextremist erlitt mindestens sieben Risswunden am Kopf und Frakturen der Wirbelfortsätze, konnte Cedric S. das Krankenhaus nur im Rollstuhl verlassen.

Am Oberlandesgericht Dresden wird gegen Mitglieder der Hammerbande verhandelt. Immer wieder protestieren linke Gruppen am Gerichtsgebäude
Foto: Olaf Rentsch
Fausthiebe gegen Prokuristin
Fast noch widerlicher ist der zweite Angriff, der mit Daten von Ines F. geplant worden sein soll: Im November 2019 wurde die Prokuristin einer Immobilienfirma in ihrer Leipziger Wohnung überfallen und zusammengeschlagen. Die damals 34-Jährige soll von zwei Vermummten in die eigene Wohnung gedrängt und dort mit Fausthieben ins Gesicht traktiert worden sein. Das mutmaßliche Motiv für den Angriff, an dem die Frau bis heute psychisch leidet: ein umstrittenes Bauprojekt der Firma im Stadtteil Connewitz. Eine Gruppierung namens „Kiezmiliz“ bekannte sich im Internet zu der Tat. Auch hier soll es nach BILD-Informationen Verbindungen zur Hammerbande geben.
Der Prozess wird fortgesetzt.