Die Parallelen sind unübersehbar. Vor einem Jahr stand der MSV Duisburg in der Dritten Liga nach vier Spieltagen mit vier Siegen auf dem ersten Tabellenplatz, hatte auswärts dramatisch in Verl und zudem in Regensburg gewonnen. Dazu zwei Heimsiege in der Tasche. Exakt so sieht es auch nach den ersten vier Partien dieser Spielzeit aus.

Allerdings ist längst nicht alles gleich. Die Zebras waren damals Aufsteiger und nahmen die Euphorie mit. Jetzt steckt deutlich mehr Substanz hinter diesen Siegen, gibt es ein anderes Selbstverständnis. Das liegt auch daran, dass die Pläne und Hoffnungen aus der Saisonvorbereitung bisher komplett aufgehen.

Das bestätigt Innenverteidiger Tobias Fleckstein, der in der aktuellen Folge des Magentasport-Podcasts „4zu3“ zu Gast ist. Auf die Frage, warum der MSV derzeit „unbesiegbar“ sei, sprach er drei der großen Themen des Sommers an und nannte sie als Gründe.

Nach dem Abstieg in die Fußball-Regionalliga West vor zwei Jahren wurde nahezu der gesamte Kader ausgetauscht. Fleckstein war einer von einer Handvoll Spielern, die blieben. Von der Aufstiegsmannschaft sind noch immer acht Akteure im Kader. Entscheidender aber: Der Großteil der Drittliga-Mannschaft der Vorsaison ist weiterhin da, vor allem die Leistungsträger sind dem MSV treu geblieben.

Je stärker es auf den ersten Spieltag zuging, desto mehr zeichnete sich ab, dass keiner der Zugänge aus dem Sommer in der Startelf stehen würde – und genau so kam es dann auch. Mit Martin Ens schaffte es zuletzt zumindest einer. „Der Zusammenhalt zeichnet uns sehr aus, wir sind ein eingespieltes Team“, sagte Fleckstein in dem Podcast als Begründung für die aktuelle Stärke. Dieser Plan ging also auf, genau wie dieser hier:

Mehr Qualität und Tiefe im Kader

Es ist ja nicht so, dass die Sommerzugänge bislang gar nichts zum Erfolg beigetragen hätten. Das tun sie allein durch ihre Anwesenheit im Training. Höherer Konkurrenzkampf sorgt im Idealfall eben für höhere Qualität im Training und schlussendlich auch im Spiel. Zudem hat nicht erst Peter Remmert am vergangenen Wochenende in Regensburg bewiesen, dass der MSV hinter der ersten Elf noch extrem viel in petto hat. Trainer Dietmar Hirsch spricht gerne von 20 Stammspielern (Torhüter exkludiert), von denen er nur zehn aufbieten könne.

Aber die fünf Einwechselspieler können eben entscheidend sein. Das war schon vergangene Saison eine Qualität der Meidericher, nun ist sie es umso mehr. „Wir haben eine sehr hohe Qualität im Kader, das siehst du an den Einwechslungen. Da wird das Spiel noch mal verändert oder entschieden“, sagte Fleckstein und nannte die hohe Qualität im Kader ebenfalls als Grund für den erfolgreichen Saisonstart.

Spielerische Weiterentwicklung

Und der dritte von Fleckstein genannte Punkt: „Wir haben unser Spiel in der Vorbereitung weiterentwickelt und mehr spielerische Elemente eingebracht.“ Auch das war immer wieder Thema in der Saisonvorbereitung. Da ist noch Luft nach oben und generell wird das Team so schnell keine richtige Ballbesitzmannschaft werden. In dieser Saison sind es 42,9 Prozent Ballbesitz gegenüber 45,5 Prozent im Vorjahr. Der Kern besteht weiterhin aus einer stabilen Defensive und dem Fokus auf schnelles Umschaltspiel.

Doch es sind auch erst vier Spiele absolviert, darunter eines in Regensburg, wo der MSV lange in Unterzahl agierte und deshalb naturgemäß sehr wenig Ballbesitz hatte. Und wenn die Mannschaft von Dietmar Hirsch dann den Ball hat, ist sie deutlich flexibler geworden. Das sieht man zum einen an der Rolle von Rasim Bulic, der viel zwischen der Sechs und der Innenverteidigung pendelt, aber auch an Christian Viet und Aljaz Casar, die neben dem schnellen Umschalten über die Flügel jetzt auch einen besseren Aufbau durchs Zentrum erlauben. Vor allem Casar ist viel unterwegs und ständig anspielbar. Wie gesagt: Die Identität der Mannschaft ist das weiterhin nicht, aber eine spielerische Weiterentwicklung hat stattgefunden.

Bonus: Der psychologische Aspekt

Trainer Dietmar Hirsch hatte schon vor der Saison betont, dass er angesichts der hohen Qualität im Kader vor allem als Moderator gefragt sei. Schließlich habe jeder die Fähigkeiten und das Recht, in der Startelf zu stehen.

Diese Rolle führt Hirsch laut Fleckstein bestens aus: „Die Qualität im Training ist sehr hoch, jeder bietet sich an. Du kannst das eigentlich nur lösen, indem du viel sprichst – das macht er. Er ist auf der persönlichen Schiene echt gut unterwegs und nimmt jeden mit.“

Ein Beispiel sei Peter Remmert. Der stand in den ersten drei Drittligaspielen gar nicht erst im Kader, in Regensburg kam er dann rein und traf direkt zum Ausgleich. Diese Woche könnte er den gesperrten Lex-Tyger Lobinger in der Startelf ersetzen. Hirsch spreche viel mit Remmert, sagte Fleckstein, „nur dann kannst du das mit Leistung zurückzahlen“.