Der Dacia Spring ist eine Erfolgsgeschichte, die selbst für die rumänische Renault-Tochter wohl überraschend kam. Dacia führte den Dongfeng-Zwilling aus China 2021 in Europa ein – als günstigstes Elektroauto auf dem Markt. Ganz klar auf Basismobilität, Stadtverkehr und kurze Strecken ausgelegt, ging das Konzept auf: Rund 210.000 Fahrzeuge wurden seit 2021 in Europa verkauft. Zu Zeiten des alten Umweltbonus war der Spring sogar das meistverkaufte Elektroauto bei uns.
Jetzt steht die zweite Generation an – und mit ihr ein komplett geändertes Rezept. Plattform, Karosserie, Innenraum und Antrieb sind komplett neu. Vor allem aber wird der Spring künftig in Europa gebaut. Die Produktion erfolgt gemeinsam mit dem Renault Twingo im slowenischen Novo Mesto. Aus dem günstigen China-Stromer wird damit ein europäisches Elektroauto. Vom bisherigen Spring übernimmt Dacia nach eigenen Angaben nur noch den Namen.
Der erste von vier Dacia-Stromern
Der neue Spring ist übrigens der Auftakt für eine – für Dacia-Verhältnisse – größere Elektro-Offensive. Die rumänische Renault-Tochter plant bis 2030 insgesamt vier neue reine Elektromodelle. Nach dem Spring dürfte der elektrische Sandero folgen, ein Duster-Ableger gilt ebenfalls als wahrscheinlich.
Gleichzeitig ist der Spring das erste Dacia-Modell, das von neuen Entwicklungsprogrammen des Renault-Konzerns profitiert. Mit der RG-EV-Kleinplattform erhält er Zugriff auf aktuelle Elektro-Technologien der Renault Group – in diesem Fall die Technik des brandneuen Renault Twingo.
Im Detail: Der neue Dacia Spring
Ziel für die Renault-Dacia-Zukunft ist es, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen, die Entwicklungszeit auf weniger als zwei Jahre zu verkürzen und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren. Denn nicht nur beim Auto selbst, sondern auch bei der Entwicklung soll die Komplexität verringert werden. Und so kann der neue Spring sein niedriges Preisniveau halten, obwohl er komplett in Europa entwickelt wurde und gebaut wird.
Der Spring bleibt ein Elektro-Mini
Trotz des technischen Neustarts hält Dacia am Grundprinzip fest. Immer wieder betonen die Verantwortlichen bei der Weltpremiere: „Ein typischer Spring-Fahrer legt im Durchschnitt nur etwa 34 Kilometer am Tag zurück – bei 34 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit“. Deshalb bekommt der neue Spring keine besonders große Batterie und auch keinen besonders leistungsstarken Antrieb. Stattdessen soll er möglichst leicht, sparsam und günstig bleiben.
Der neue Spring basiert auf der Konzernplattform RGEV SMALL beziehungsweise AmpR Small. Mit 3,85 Metern Länge, 1,74 Metern Breite und 1,52 Metern Höhe ist er deutlich größer und vor allem wesentlich breiter als sein Vorgänger. Der Radstand beträgt 2,49 Meter. Gegenüber dem alten Spring wächst die Breite um 18 Zentimeter, was für einen deutlich satteren und erwachseneren Auftritt sorgt. Dass er eng verwandt mit dem kürzlich präsentierten Renault Twingo ist, sieht man ihm vor allem im Profil an. Trotzdem steht er höher und aufrechter auf der Straße, eher wie ein Mini-SUV. Und der neue Spring ist rund sechs Zentimeter länger als der Renault Twingo. Die höhere Fronthaube und die unlackierten Kunststoffflächen an den Stoßfängern sollen den typisch robusten Dacia-Look erzeugen.
Vier Farben sagen viel übers Design
Immer wieder erklärt uns Chef-Designer David Durand während der Premiere, worauf es ihm ankam: „Klare Formen, wenig überflüssige Details und eine Gestaltung, die vor allem funktional bleibt.“ Tatsächlich ist die Karosserie viel geometrischer und strukturierter gezeichnet als beim Vorgänger. Und so wirkt der Kleinwagen deutlich eigenständiger und moderner. Ein prägendes Element sind die schwarzen Designelemente, die vorn die Scheinwerfer und hinten die Rückleuchten optisch miteinander verbinden. Sie sollen die Breite des Autos betonen und dazu die Lichtsignatur aufgreifen, die vom Dacia-Logo inspiriert ist.
Dazu setzen weitere schwarze Elemente Kontraste. Ein schwarzer Streifen trennt das Dach optisch von der Karosserie und findet sich mit seinem geometrischen Muster auch im Innenraum wieder. Damit greift Dacia ein Gestaltungselement außen wie innen auf und sorgt für eine einheitliche Optik. Auch bei den Farben bleibt Dacia zurückhaltend. Für den neuen Spring stehen vier Lackierungen zur Wahl: Agave (grünblau), Schiste Grey, Diamond Black und Glacier White. Passend zum satten Auftritt gibt es jetzt stattlichere 15- oder 16-Zoll-Räder. Der bisherige Spring rollt meist auf 14-Zoll-Rädern.
Deutlich mehr Platz als früher
Nicht nur äußerlich merkt man dem Spring seinen Größenzuwachs an. Auch die erste Sitzprobe fällt überraschend luftig aus. Sitz und Lenkrad lassen sich ausreichend in alle Richtungen verstellen, und die Bewegungsfreiheit ist für zwei Erwachsene viel besser als im bisherigen Spring. Das Cockpit des Neuen ist horizontal gestaltet und mit überraschend edlen Softtouch-Elementen auf dem Armaturenträger versehen. Je nach Ausstattung gibt es ein 7-Zoll-Fahrerdisplay und einen 10-Zoll-Bildschirm in der Mitte. Vor allem beim Platzangebot macht die zweite Generation einen deutlichen Schritt. Im Fond steht mehr Kniefreiheit zur Verfügung. Selbst wenn in der ersten Reihe große Passagiere sitzen, bleibt hinten noch eine Handbreit Luft für die Knie.
Der Kofferraum fasst 337 Liter und kann bei umgelegter Rückbank bis zu 1.283 Liter aufnehmen. Damit bietet der Spring mehr Stauraum als der Twingo, allerdings ohne dessen verschiebbare Rückbank. Unter der Fronthaube befindet sich dafür zusätzlich ein 18 Liter großes Staufach – etwa fürs mitgelieferte Ladekabel (Mode-3). Einen solchen Frunk bietet der Twingo nicht. Weitere 20 Liter will Dacia in Ablagen und Fächern im Innenraum versteckt haben. Und ja – endlich gibt es auch das Dacia-eigene YouClip-System im Spring, das die Befestigung verschiedener Zubehörteile an unterschiedlichen Stellen im Auto ermöglicht.
Konnektivität ohne großen Aufwand
Auch beim Infotainment verfolgt Dacia einen möglichst einfachen Ansatz. Bereits in der Ausstattung Expression gehört Media Control zum Serienumfang. Das System lässt sich über Tasten am Lenkrad bedienen und zeigt unter anderem Medieninformationen und Telefonanrufe im digitalen Fahrer-Display an. Über die kostenlose Dacia-Media-Control-App wird das eigene Smartphone zum eigentlichen Zentrum des Systems. Radio und Medien lassen sich darüber steuern, weitere Funktionen werden direkt über das Smartphone genutzt. Dafür befindet sich mittig oben auf dem Armaturenbrett eine Smartphone-Halterung. Beim neuen Spring kann das Smartphone dabei auch hochkant eingesetzt werden.
In der Ausstattung Journey kommt serienmäßig Media Nav Live zum Einsatz. Das System nutzt einen 10,1 Zoll großen Touchscreen und unterstützt die drahtlose Verbindung mit Apple Carplay und Android Auto. Hinzu kommen acht Jahre vernetzte Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen und regelmäßig aktualisierten Europakarten. Über die vernetzten Dienste lassen sich außerdem Funktionen wie Ladeplanung und die Vorkonditionierung des Innenraums nutzen. Auch Fahrzeugortung und weitere Online-Funktionen sind integriert. Damit bietet der Spring je nach Ausstattung entweder eine kostengünstige smartphonebasierte Lösung oder ein umfangreicheres fest installiertes Infotainment-System.
Praktische Lösungen für den Alltag
Der kleine Spring profitiert – wie schon erwähnt – erstmals auch vom YouClip-System. Serienmäßig gibt es drei Befestigungspunkte: einen an der vorderen Mittelkonsole auf der Beifahrerseite und zwei im Kofferraum. Zwei weitere Punkte an den Kopfstützen sind optional erhältlich. An den Befestigungen lassen sich verschiedene Zubehörteile anbringen – etwa eine Smartphone-Halterung mit Kabelorganisation, ein Brillenetui, eine faltbare Einkaufstasche oder eine Kombination aus Getränkehalter, Taschenhaken und kleiner Taschenlampe.
Ergänzend bietet Dacia weiteres Zubehör für Innenraum und Kofferraum an. Dazu gehören unter anderem ein Organizer für die Mittelkonsole, rutschfeste Matten, eine gepolsterte Mittelarmlehne mit Stauraum sowie variable Trennwände für die Mittelkonsole. Für den Kofferraum sind unter anderem Matten aus 50 Prozent recyceltem Gummi und ein modulares Easyflex-System erhältlich. Auch Türschutzleisten und Schmutzfänger gehören zum Programm.
27,5 kWh reichen für rund 250 Kilometer
Beim Antrieb bleibt Dacia bewusst zurückhaltend. Der neue Spring kommt mit einem 60 kW starken Elektromotor und einer 27,5 kWh großen LFP-Batterie. Die rund 80 PS und maximal 175 Newtonmeter Drehmoment reichen übrigens, um den Kleinen in 12,1 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen – und für eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Zum Vergleich: Seit Ende 2025 leistet der bisherige Spring 102 PS, die ausgelaufene Einstiegsvariante brachte es auf nur 45 PS – bei gut 200 Kilometern Reichweite.
Die Reichweite des Neuen soll nun bei rund 250 Kilometern nach WLTP liegen. Das immer noch geringe Batterievolumen ist Teil des Konzepts. Dacia strebt ein Fahrzeuggewicht von lediglich 1.212 Kilogramm an und gibt einen Verbrauch von 12,7 kWh/100 km an. Damit soll der Spring vor allem im Stadtverkehr und im Umland effizient unterwegs sein. Für lange Autobahnfahrten ist die Kombination dagegen weniger interessant. Die Stärke des Spring liegt dort, wo Dacia sie von Anfang an gesehen hat: bei kurzen täglichen Wegen mit möglichst wenig Fahrzeug- und Batteriemasse. Und im Normalfall wird er nachts über eine normale (gut abgesicherte) Haushaltssteckdose geladen. Potentere Lade-Extras für Reisewillige kosten Aufpreis.
Jetzt auch mit 50-kW-Schnellladen
Beim Laden wird der neue Spring damit deutlich vielseitiger. Serienmäßig ist ein einphasiger 6,6-kW-AC-Lader an Bord, ein passendes Mode-3-Kabel gehört – wie schon erwähnt – zum Serienumfang. Allerdings sind normale SchuKo-Dosen mit 16 Ampere abgesichert – was eine Ladeleistung von höchstens 3,7 kW ermöglicht. Damit dauert eine Ladung von 0 auf 100 schon mal neun Stunden, was immerhin in einer Nacht möglich ist. Für die volle einphasige Power benötigt man dagegen eine größere blaue CEE-Dose, die für 32 Ampere ausgelegt ist. Damit schafft der Spring dann die 6,6 kW und halbiert die Ladezeit.
Optional gibt es ein Ladepaket mit 11 kW dreiphasiger AC-Ladeleistung und 50 kW DC-Schnellladen. Damit soll sich die Batterie an einer geeigneten AC-Ladesäule in weniger als zwei Stunden laden lassen. Am Schnelllader dauert der Sprung von 10 auf 80 Prozent rund 30 Minuten. Ebenfalls verfügbar ist bidirektionales Laden. Über V2L kann der Spring Energie an externe Geräte abgeben, während V2G perspektivisch auch die Rückspeisung ins Stromnetz ermöglicht.
Basispreis unter 18.000 Euro
Trotz des technischen Neustarts bleibt der Spring preislich auf seinem bisherigen Terrain. Die Ausstattung Expression soll in Deutschland für weniger als 18.000 Euro starten. Serienmäßig sind unter anderem Klimaanlage, elektrische Parkbremse und das Media-Control-System an Bord, bei dem das eigene Smartphone einen Teil der Infotainment-Funktionen übernimmt.
Sogar die deutlich besser ausgestattete und edlere Journey-Variante bleibt unter 20.000 Euro. Sie bietet unter anderem Keyless Go, Media Nav Live mit 10-Zoll-Touchscreen, Connected Services einschließlich Standklimatisierung und eine Rückfahrkamera. Hintere Einparksensoren gehören übrigens bei allen Varianten zum Standard. Schon ab 15. September 2026 lässt sich der neue Dacia Spring bestellen. Die Markteinführung soll im Dezember folgen.
Fazit