Berlin – Vor der Berlin-Wahl im September wird die Sauberkeit in der Hauptstadt mal wieder zum Wahlkampfthema. Allerdings schaut nicht jeder genervt auf die Fundstücke am Straßenrand. Für einige Berliner lohnt sich der zweite Blick. Denn zwischen ausrangierten Regalen, alten Kisten und kaputten Möbeln warten manchmal echte Glücksfunde.
In B.Z. berichten Berliner von ihren Lieblingsfundstücken.
Julia (52) muss erst einmal überlegen. Das Erste, was ihr einfällt: ein Sofa, das gestern vor ihrer Haustür stand. „Allerdings ein Sofa samt Mitbewohner“, sagt sie und winkt lachend ab. Dann sprudeln die Erinnerungen. Erst vergangene Woche habe sie ihre neue Lieblingshose auf der Straße gefunden. „Eine grüne Schlaghose. Ich musste sie zwar noch ein bisschen umnähen, aber jetzt passt sie.“ Aus einem Straßenfund wurde mit etwas Geschick ein neues Lieblingsstück. Auch ihre Trüffelreibe, bis heute ihre liebste, stammt vom Berliner Gehweg.
Teller mit Gold und Kinder-Rollschuhe
Laisa (31) hat ebenfalls schon einige Schätze von Berlins Straßen mit nach Hause genommen. Ihr wertvollster Fund: ein goldbemalter Porzellanteller aus DDR-Produktion. „Der ist jetzt mein Gewürze-Untersetzer“, erzählt sie und beschreibt detailliert ihr ungewöhnliches Fundstück.

Laisa (31) hat schon unzählige Gegenstände auf der Straße gefunden. Dieser Teller ist ihr Lieblingsstück
Foto: Amy Horn
Daria (35) bremst ihr Fahrrad, wenn am Straßenrand etwas ihre Aufmerksamkeit weckt. Zwischen Mitte und Kreuzberg entdeckt sie auf ihrem täglichen Arbeitsweg immer wieder kleine Schätze. Ihre bisher beste Ausbeute: eine rote Lieblingsbluse und sogar Kinder-Rollerblades, die ihr tatsächlich passen.
Der Ehemann von der Straße
Den wohl außergewöhnlichsten Straßenfund hat Angelika (61) gemacht: „Mein Mann, das ist der größte Straßenschatz, den ich gefunden hab“, sagt sie lachend. Am Späti haben sie sich kennengelernt und dann spontan die ganze Nacht durchgequatscht. „Und jetzt sind wir seit 40 Jahren verheiratet“, fügt sie hinzu.

Daria (35) trägt ihre rote Lieblingsbluse
Foto: Amy Horn
Wahlkampf hin oder her, manche Berliner halten an dem Prinzip fest: Man weiß nie, was hinter der nächsten Straßenecke wartet. Auch wenn es oft nur eine alte Matratze ist, verstecken sich dennoch Schätze im vermeintlichen Müll.

Eine fleckige Matratze – leider übliches Bild an vielen Berliner Straßenecken
Foto: Amy Horn
Abgestellte Möbel, Bücher oder Kleidung, die einigen Berlinern vielleicht noch eine Freude machen, können für den ehemaligen Besitzer allerdings inzwischen sehr teuer werden.
Seit vergangenem Jahr gelten neue drastische Bußgelder. Der Senat nimmt Müllsünder stärker ins Visier und lässt die Ordnungsämter erhöhte Geldbußen kassieren.
So hart treffen die neuen Müll-Bußgelder
► Ab 100 Euro für eine Matratze am Straßenrand
► 300 bis 1500 Euro für eine „Zu-Verschenken-Kiste“ auf dem Gehweg
► 1500-4000 Euro für einen Haufen Sperrmüll, z. B. Ofen, Kommode, Badewanne, Heizkörper
► 1000-15.000 Euro für Elektrogeräte mit Schadstoffen, z. B. Leuchtstoffröhren, Kühlgeräte, Handy
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