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Dr. Gildas Tréguier, Generalsekretär des Französisch-Vietnamesischen Ärzteverbandes (FSFV). Foto: VNA

Im Gespräch mit einem VNA-Reporter in Paris erklärte Dr. Gildas Tréguier, dass dieser Besuch im Kontext der anhaltenden Öffnung Vietnams gegenüber der Welt und des Eintritts in eine neue Entwicklungsphase stattfindet, was einen zunehmenden Bedarf an Erfahrungsaustausch und verstärkter Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, einschließlich Frankreich, mit sich bringt.

Da er fast 40 Jahre lang direkt in Kooperationsprogramme im Gesundheitswesen mit Vietnam eingebunden war, ist er überzeugt, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht nur auf bedeutenden Ereignissen oder Abkommen auf Staatsebene beruhen, sondern auch durch den Beitrag vieler Menschen über Generationen hinweg geprägt werden. Er vergleicht sie mit „kleinen Ziegelsteinen“, die meist still und unbekannt sind, aber zusammen ein großes Bauwerk errichten können.

Im Gesundheitswesen bestehen zwischen Frankreich und Vietnam seit über 150 Jahren enge Beziehungen. 1891 gründete Dr. Albert Calmette das erste Pasteur-Institut in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt). 1902 wurde unter der Leitung von Dr. Alexandre Yersin die erste medizinische Fakultät in Hanoi gegründet. In den 1930er-Jahren wurde Henriette Bui Quang Chieu Vietnams erste Ärztin.

Nach 1975 wurden die Austauschaktivitäten unter Beteiligung zahlreicher Ärzte, Hebammen, medizinischer Fachkräfte und Forscher über Verbände, Krankenhäuser, Fachgesellschaften und Forschungseinrichtungen beider Länder weiterentwickelt. Ein wichtiger Meilenstein war das zwischenstaatliche Gesundheitsabkommen von 1993, das die Ausbildung von über 3.000 vietnamesischen Ärzten in Frankreich im Rahmen des Programms für ausländische Ärzte (Foreign Physicians‘ Internship Program, FFI) ermöglichte. Seit 2015 wird dieses Programm mit dem Programm für medizinische Entwicklungsdienstleistungen (Developmental Medical Services Program, DFMS) fortgeführt, das mit Kooperationsprogrammen zwischen Krankenhäusern beider Länder verknüpft ist.

Darüber hinaus wurden zahlreiche spezialisierte Kooperationsprogramme in Bereichen wie Atemwegsversorgung, Mutter- und Neugeborenenversorgung, psychische Gesundheit und diagnostische Bildgebung implementiert. Dr. Gildas Tréguier erwähnte außerdem das Herzinstitut von Ho-Chi-Minh -Stadt, das in den 1980er-Jahren dank der Beiträge von Professor Alain Carpentier gegründet wurde, als Paradebeispiel für die medizinische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Ihm zufolge wird die medizinische Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Frankreich durch das Netzwerk der Pasteur-Institute, die Nationale Agentur für AIDS- und Virushepatitisforschung (ANRS), die Französische Nationale Akademie für Medizin und zahlreiche Forschungs- und Ausbildungsprogramme weiter ausgebaut. Die Französische Entwicklungsagentur (AFD), das Französische Institut für Entwicklungsforschung (IRD) und das Zentrum für Internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung für Entwicklung (CIRAD) beteiligen sich ebenfalls an vielen Programmen im Rahmen des „One Health“-Ansatzes.

Dr. Gildas Tréguier räumt jedoch ein, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auch vor zahlreichen Herausforderungen steht. Die finanziellen Mittel für institutionelle Kooperationsprogramme werden immer knapper; das Ansehen der französischen Sprache und die Attraktivität Frankreichs in Südostasien nehmen ab, während Vietnam seine Beziehungen zu dynamischeren und enger verbundenen Ländern im Indopazifik ausbaut.

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Darüber hinaus lässt sich ein Generationswechsel beobachten, da jüngere Menschen weniger Zeit für langfristige internationale Kooperationsprogramme aufwenden möchten. Die zunehmend komplexe geopolitische Lage wirkt sich ebenfalls auf Kooperationsprogramme aus. Insbesondere die fachliche Kompetenz der vietnamesischen Partner verbessert sich stetig, was zu immer intensiveren Kooperationsanforderungen führt und von Frankreich die Fähigkeit verlangt, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

In diesem Zusammenhang schlug Dr. Gildas Tréguier vor, die künftige Zusammenarbeit langfristig anzulegen und sich auf Schulungen und Erfahrungsaustausch zu konzentrieren, wobei die praktischen Bedürfnisse der Bevölkerung und die Anforderungen der Fachkräfte im Vordergrund stehen sollten. Auf französischer Seite sei es notwendig, die Koordination zwischen den beteiligten Behörden, Organisationen und Streitkräften zu stärken, um die jeweiligen Stärken besser zu nutzen.

Insbesondere im Gesundheitswesen habe die COVID-19-Pandemie die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit nochmals unterstrichen, argumentierte er. Angesichts des wachsenden Bedarfs Vietnams bestehe zwischen den beiden Ländern erhebliches Potenzial für eine verstärkte Kooperation in Bereichen wie fortschrittliche Medizintechnik, Gesundheit und Umwelt im Rahmen eines „One Health“-Ansatzes, psychische Gesundheit, kindliche Entwicklungsüberwachung, Alten- und Behindertenpflege sowie Krankheitsprävention, klinische Forschung und medizinische Ethik.

Digitale Transformation und künstliche Intelligenz bergen ebenfalls großes Potenzial und finden Anwendung in Diagnose, Behandlung, Krankenhausmanagement und Gesundheitsorganisation. Damit verbunden sind Herausforderungen wie die Sicherstellung des Zugangs zu qualitativ hochwertigen Gesundheitsleistungen für alle, die Krankenversicherung, die Organisation von Untersuchungs- und Behandlungsprozessen sowie die Koordination zwischen öffentlichem und privatem Sektor.

Um diesen Programmen eine langfristige Grundlage zu geben, ist Dr. Gildas Tréguier der Ansicht, dass die medizinische Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Frankreich einen klareren und stabileren institutionellen Rahmen benötigt. Seiner Meinung nach ist eine Aktualisierung des 1993 unterzeichneten zwischenstaatlichen Gesundheitsabkommens im aktuellen Kontext notwendig.

Er betonte zudem die Notwendigkeit, eine ausreichende und stabile Finanzierung langfristiger Kooperationsprogramme durch öffentliche Förderprogramme, öffentlich-private Partnerschaften und die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen sicherzustellen. Seiner Ansicht nach wird dem Gesundheitssektor in der lokalen Zusammenarbeit derzeit nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl dieser ein vielversprechendes Feld darstellt.

Dr. Gildas Tréguier hob zudem die Rolle der frankophonen Gemeinschaft in den bilateralen Beziehungen besonders hervor. Seiner Ansicht nach ist Englisch zwar heutzutage in der internationalen Kommunikation unverzichtbar, doch die französische Sprache und Kultur üben nach wie vor eine besondere Anziehungskraft aus und tragen zur Aufrechterhaltung der Bindung zwischen Vietnam und Frankreich bei. Insbesondere im medizinischen Bereich verbindet die französische Sprache seit über einem Jahrhundert Generationen von Ärzten beider Länder.

Vor diesem Hintergrund argumentierte er, dass dem Netzwerk von Vietnamesen, die in Frankreich studiert und sich weitergebildet haben, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Er nannte mehrere Initiativen, beispielsweise die Entwicklung eines französischsprachigen medizinischen Ausbildungsprogramms an der Medizinischen Universität Hanoi durch Professor Nguyen Huu Tu, Rektor der Universität, das 2005 in Zusammenarbeit mit der Organisation der Frankophonen Universitäten gegründet wurde, sowie die Aktivitäten der Gruppe französischsprachiger Kinderärzte in Ho-Chi-Minh-Stadt. Er erwähnte außerdem den Vorschlag, am Rande des für November 2026 in Kambodscha geplanten Frankophonen Gipfels eine Podiumsdiskussion zur „Frankophonen Ärzteschaft“ zu veranstalten.

Neben dem Gesundheitswesen ist Dr. Gildas Tréguier überzeugt, dass diese Kooperationsprinzipien auf viele weitere Bereiche der vietnamesisch-französischen Beziehungen anwendbar sind, insbesondere auf Umwelt, Wissenschaft, Bildung und Kultur. Seiner Ansicht nach besteht eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Zeit darin, auf der Grundlage praktischer Kooperationsaktivitäten – durch Forschung, wissenschaftliche Arbeiten, Publikationen und Konferenzen – eine gemeinsame, langfristige Erzählung über die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu entwickeln.

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Gleichzeitig könnten die beiden Länder klarer definierte französisch-vietnamesische Forschungsgruppen und Koordinierungsmechanismen bilden, um Innovationsprojekte in Bereichen wie Umwelt, Bildung, Wirtschaft, Verteidigung, Kultur und Gesundheit unter Einbeziehung der Botschaften und der zuständigen Behörden zu fördern.

Die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen eröffnet neue Wege. Dr. Gildas Tréguier nannte die Kooperation zwischen der Provinz Khanh Hoa und der Stadt Lorient als Beispiel. Im August 2026 besuchte eine Delegation aus der Provinz Khanh Hoa unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Provinzvolkskomitees, Nguyen Thanh Ha, Lorient anlässlich des Interceltique-Festivals. Bereits im Juni 2025 hatten Khanh Hoa, die Metropolregion Lorient und die Stadt Lorient in Nha Trang ein Kooperationsabkommen unterzeichnet.

Ausgehend von einer medizinischen Kooperation weitet sich diese Beziehung auf viele Bereiche aus, darunter die Meereswirtschaft, Fischerei, Aquakulturforschung, maritime Angelegenheiten, Hochschulbildung, Kunst und Kultur. Laut Dr. Gildas Tréguier ist dies ein Beispiel dafür, wie sich dauerhafte Beziehungen zwischen Menschen und Regionen schrittweise zu sektorübergreifenden Kooperationsprogrammen entwickeln können.

Nach fast 40 Jahren direkter Beteiligung an der Anbindung der beiden Länder ist Dr. Gildas Tréguier überzeugt, dass die Kooperationspartner nur kleine Glieder in der langen Geschichte des Austauschs zwischen Asien und Europa darstellen. In diesem Kontext ist der offizielle Besuch von Generalsekretär und Präsident To Lam in Frankreich ein bedeutender Meilenstein und verleiht Vietnam und Frankreich neue Impulse, ihre Beziehungen weiter zu vertiefen und gemeinsam Kooperationsprogramme zu entwickeln, die den sich wandelnden Anforderungen gerecht werden.

Quelle: https://baotintuc.vn/thoi-su/chuyen-tham-phap-cua-tong-bi-thu-chu-tich-nuoc-to-lam-dau-moc-quan-trong-trong-quan-he-hai-nuoc-20260909080954187.htm