Aufregung? Ja, die ist da. Obwohl Jasmin Mächtlinger alias Jaria schon viel Bühnenerfahrung gesammelt hat, ist ihr erstes Konzert mit eigener Band und ausschließlich eigenen Songs etwas Besonderes. „Das ist ein großer, großer Schritt für mich“, sagt die Augsburger Sängerin. Im Café Tür an Tür in Augsburg steht sie am 12. September (bei einer geschlossenen Veranstaltung) erstmals in diesem Setting auf der Bühne. Mit Coverbands hat sie bereits zahlreiche Auftritte absolviert, auch solo mit Instrumental im Hintergrund stand sie schon auf der Bühne. Doch nun spielt die eigene Band ihre eigenen Stücke. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das jemals mache.“
Mit dabei sind Gitarrist und Komponist Reinhard Schelzig, mit dem sie auch im Duo unterwegs ist, Gitarrist Sid, Bassist Tomek Moskwa und Schlagzeuger Tobias Burann-Drixler. Gemeinsam treten sie unter Jarias Künstlernamen auf. Für Jasmin Mächtlinger ist dabei nicht nur die eigene Musik neu, sondern auch die Rolle als Bandleaderin: „Für mich ist es auch ganz neu, eine Band zu lenken.“

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Jaria beim Soho Song Slam.
Foto: Max Saufler
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Jaria beim Soho Song Slam.
Foto: Max Saufler
Musikalisch bewegt sich Jaria zwischen melancholischen Harmonien und energiegeladenen Pop- und Rockelementen. Inzwischen habe sich ihr Stil in Richtung Indie-Pop entwickelt. Gitarren spielen dabei eine zentrale Rolle. „Gitarrenharmonien, Gitarrenrhythmen, das ist so das, was die Songs einfach trägt.“ Künftig könnte sich die Sängerin vorstellen, selbst Keyboard zu spielen und mit Synthesizern zusätzliche Klangflächen zu schaffen. Auch ihre zahlreichen Chorstimmen auf den Aufnahmen lassen sich live bislang nicht eins zu eins umsetzen.
Dass Jasmin Mächtlinger heute überhaupt mit eigenen Songs auf der Bühne steht, hat viel mit kleinen Schritten zu tun. 2012 begann sie mit Gesangsunterricht – zunächst aus Spaß und mit dem Wunsch, ihrer eher leisen Stimme mehr Raum zu geben. Ihre damalige Gesangslehrerin Alexandrina Simeon erkannte Potenzial. Bereits ein Jahr später sang Jaria als Backgroundsängerin bei einem Konzert ihrer Lehrerin.
Hauptberufliche Musikerin? Lieber nicht, sagt Jaria. Und hat einen Grund dafür
Parallel entstand in der Pfarrjugend eine kleine Band, die zunächst nur bei Sommer- und Herbstfesten auftrat. Später sang Jasmin auch in der Schulband. Für sie waren diese Auftritte jedes Mal ein Schritt aus der Komfortzone. „Diese kleinen Schritte, wofür mich große Schritte waren, haben mich dann dahin gebracht, wo ich heute bin.“
Und ihre Eltern haben diesen Weg von Anfang an miterlebt. Nahed und Michael Mächtlinger, beide 59, bezeichnet Jaria wohlwollend als ihre „größten Kritiker“. Am Anfang hätten sie ihr sogar geraten: „Jassi, lass es lieber.“ Mit der Zeit änderte sich ihre Haltung. Als sie sahen, wie viel Spaß ihre Tochter auf der Bühne hatte und wie sich ihre Stimme durch den Gesangsunterricht entwickelte, wurden sie zu ihren „größten Fans“. Auch beim Konzert im Café Tür an Tür wollen sie dabei sein.
Heute arbeitet Jasmin Mächtlinger Vollzeit im Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit bei der Volkshochschule und ist daneben weiterhin musikalisch aktiv. Eine ihrer vielen Bands, Retold, hat sie allerdings verlassen, um mehr Zeit in ihr eigenes „Baby“ zu investieren. Von der Musik allein lebt sie noch nicht. Private Aufträge wie Hochzeiten und Geburtstage bringen Geld ein, das wiederum in ihr eigenes Projekt fließt. Ihren Job möchte die 33-Jährige trotzdem behalten. Zu groß ist die Sorge, dass aus Leidenschaft irgendwann Druck wird: „Ich habe auch Angst, dass ich die Leidenschaft daran verliere, wenn ich das wirklich hauptberuflich mache.“

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Der Song „Neue Farben“ erschien 2025.
Foto: Jaria
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Der Song „Neue Farben“ erschien 2025.
Foto: Jaria
Ihre Musik ist persönlich. Viele Texte entstehen aus eigenen Erfahrungen und Emotionen. Zunächst waren es Tagebucheinträge, Gedanken, die beim Spazierengehen, Schwimmen oder Tauchen auftauchten. „Es tut sehr gut, das rauszusingen.“ Das Schreiben sei zugleich ein Prozess der Reflexion: Was niedergeschrieben und noch einmal durchlebt wurde, könne irgendwann abgeschlossen werden. Besonders freut sie sich über Feedback wie „deine Nachricht, die hat mich jetzt so aufgebaut, oder dein neuer Song, der trifft genau gerade meine aktuelle Situation, hat mir echt geholfen.“
Besonders deutlich wird das bei „Letztendlich“. Der Song, der auf der neuen EP ist und bereits veröffentlicht wurde, erzählt von Entscheidungen, Herzschmerz und dem Mut, einen neuen Weg einzuschlagen. Über ihren neuen Partner Jonathan (33) schwärmt sie: „Er ist sehr stolz auf mich und er unterstützt mich auch sehr. Seine ganze Family kommt auch einfach zum Konzert, was ich auch total süß finde.“

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Sängerin „Jaria“ liebt das Wasser.
Foto: Schutte Pictures
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Sängerin „Jaria“ liebt das Wasser.
Foto: Schutte Pictures
Auch optisch hat Jaria alias Jasmin Mächtlinger ihre eigene Welt geschaffen. In ihren Musikvideos trägt sie opulente Kleider und viel Makeup, auch wegen der Kameras. Märchenhaft, mystisch und ein bisschen königlich soll ihr Auftreten sein. Im Video zu „Meeresgrund“ wird diese Verwandlung besonders deutlich: Auf eine dunkle, zurückhaltende Optik folgt ein dramatisches Kleid. Privatperson Jasmin ist derzeit lieber natürlich unterwegs.
Für weitere Musikvideos hat Jaria bereits konkrete Vorstellungen. In der Region würde sie besonders gerne auf dem Gaswerkgelände in Augsburg drehen. Auch das H2 im Glaspalast findet sie als Kulisse spannend. Ein Dreh im Unteren Schlösschen in Bobingen entstand eher zufällig: Nach einem Auftritt bei einer Vernissage des Kunstvereins gefiel den Musikern die lichtdurchflutete Location so gut, dass sie dort mit den Bildern im Hintergrund ein Musikvideo drehte. Aus den geplanten drei Stunden wurden schließlich acht – für ein gerade einmal dreiminütiges Video.
Meerjungfrau als Marke – aber eine Sirene möchte Jaria nicht sein
Ein komplettes Unterwasservideo ist Jarias großer Traum. Zur Marke und Person gehört auch ihre Leidenschaft für Meerjungfrauen. „Tatsächlich ein bisschen paradox, weil ich gerne auf der Bühne stehe: Ich sehe die Menschen und liebe den Moment gemeinsam, aber dennoch liebe ich es auch, ziemlich unter Wasser zu sein, weil es da komplett still ist. Man hat da seine Ruhe und man kann sich treiben lassen.“ Beim Mermaiding, mit einer Monoflosse schnell durchs Wasser zu gleiten, hat auch etwas gemeinsam mit einem Bühnenauftritt: „Man hat keine Sorgen und man denkt an gar nichts und man kann abschalten.“ Auf ihrer To-do-Liste: „Einen Tauchschein zu machen, vor allem einen Apnoe-Tauchschein.“
Eine Sirene möchte sie trotzdem nicht sein. Ihre Musik soll Menschen zwar „in eine andere Welt“ entführen und zum Nachdenken bringen – aber nicht ins Unglück stürzen.
Eine neue Jaria-EP soll kommendes Jahr erscheinen
In eine andere Welt möchte die 33-Jährige die Menschen auch als Tänzerin entführen: Da ihre Mutter orientalischen Tanz unterrichtet, kam sie damit schon früh in Kontakt. Seit sie elf ist, ist sie Bollywood-Fan. Heute tanzt die Augsburgerin eine Mischung aus beidem. Nur Singen und Tanzen auf der Bühne – das wäre dann erst ein nächster Schritt.
Vier Songs ihrer EP sind bereits veröffentlicht, die weiteren Stücke werden derzeit produziert und sollen 2027 erscheinen. Das Konzept soll eine Mischung sein aus persönlichen Geschichten, nachdenklichen Momenten und Musik, bei der das Publikum trotzdem mitsingen und gute Laune haben kann. Der Mix ist Programm: „Jaria“ ist unter anderem eine Mischung aus ihren beiden Vornamen Jasmin und Maria.