(Bild: Tada Images/Shutterstock.com)
Wegen des Digital Markets Act baut Google die Reisesuche in der EU massiv um. Direkt-Preise verschwinden, Vermittler rücken nach oben.
Google ist in Europa die Suchmaschine mit dem größten Marktanteil. Wer hier nach einem Hotel oder Flug sucht, wurde bislang mit Echtzeitpreisen und anderen Funktionen von Google beglückt. Doch das ändert der Konzern jetzt für den Europäischen Wirtschaftsraum.
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Anlass ist zwei Strafen von insgesamt 890 Millionen Euro (460 Mio. Euro für Google Search, 430 Mio. Euro für Google Play), welche die EU-Kommission am 23. Juli 2026 wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act (DMA) verhängt hatte, wie Reuters berichtet. Jetzt verschwinden also Funktionen wie Echtzeit-Preise und Sofort-Verfügbarkeiten für Hotels oder Flüge aus der Google-Oberfläche.
Der Konzern selbst spricht von der größten Verschlechterung der Servicequalität in der 28-jährigen Geschichte der Suchmaschine.
Nick Fox, Senior Vice President für „Knowledge & Information“, erklärte gegenüber Reuters, die Änderungen würden „das Nutzererlebnis für Europäer“ verschlechtern und „Online-Vermittler auf Kosten lokaler Unternehmen“ begünstigen.
Vermittler oben, lokale Betriebe unten
Wer jetzt eine Reise plant und dafür mit Google recherchiert, bekommt an erster Stelle spezialisierte Onlinedienste angezeigt, etwa ein Online-Reisebüro wie Expedia oder ein Portal wie Booking.com.
Darunter folgen zwei weitere Vergleichsanbieter mit weniger Details. Das bisherige Karussell mit Hotels, Airlines oder Restaurants rutscht weiter nach unten und zeigt keine Live-Preise mehr an. Die Rangfolge bestimmt weiterhin Googles Suchalgorithmus, wie der Konzern in einer Dokumentation der Änderungen erläutert.
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Für Nutzer bedeutet das: Statt direkt aus den Suchergebnissen heraus Preise zu vergleichen und zu buchen, müssen sie sich erst durch Vermittlerseiten klicken. Aus Sicht von Google schmälert das die Zufriedenheit der europäischen Nutzer, unter anderem, weil Suchanfragen häufiger neu formuliert werden müssten.
Googles Zahlen ohne unabhängige Prüfung
Der Konzern untermauert seine Kritik an den EU-Vorgaben mit eigenen Erhebungen. Frühere DMA-Anpassungen hätten bereits zu einem Rückgang des kostenlosen Direkt-Traffics bei europäischen Unternehmen um 30 Prozent geführt. Die neuen Änderungen dürften diesen Trend verstärken, so Google.
Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben allerdings nicht – sie stammen ausschließlich aus internen Daten des Konzerns, wie Ars Technica anmerkte.
11,3 Milliarden Euro an EU-Kartellstrafen
Google setzt die Änderungen unter erheblichem finanziellem Druck um. Die EU-Kommission hatte dem Unternehmen nach der Juli-Strafe 60 Tage zur Umsetzung eingeräumt. Bei Nichteinhaltung drohen periodische Zwangsgelder von bis zu 5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Insgesamt summieren sich Googles EU-Strafen aus Kartell- und DMA-Verfahren über knapp zwei Jahrzehnte auf rund 11,3 Milliarden Euro.
Die harte Gangart der europäischen Wettbewerbshüter sorgt auch für transatlantische Spannungen. US-Präsident Donald Trump drohte bereits mit einer Untersuchung gegen die EU wegen der Strafen gegen amerikanische Tech-Konzerne.
Aus Brüssel heißt es dagegen, Suchmaschinen müssten „transparente, faire und diskriminierungsfreie Bedingungen“ beim Ranking anwenden.