
AUDIO: Spatenstich am Landtag in Dresden: Zehn Jahre Erweiterung und Sanierung (3 Min)
Großbaustelle
Stand: 09.09.2026 12:04 Uhr
Am Mittwoch fällt mit dem ersten Spatenstich der Startschuss für ein Bauprojekt, das den Parlamentsbetrieb im sächsischen Landtag mehr als zehn Jahre begleiten soll. Knapp eine halbe Milliarde Euro sind dafür eingeplant. Gerade in Zeiten knapper Kassen sorgt das für Kritik. Warum trotzdem gebaut wird und was genau entstehen soll.

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Der Plenarsaal im Sächsischen Landtag: Durch die große Fensterfront blickt man auf grüne Bäume, auf die Elbe und ihre breiten Wiesen, dahinter das barocke Japanische Palais. Der Blick in die andere Richtung wird in den kommenden Jahren weniger idyllisch. Direkt neben dem Plenarsaal entsteht erst eine Großbaustelle, später ein dreigeschossiger, 75 Meter langer Neubau mit Büros und Technik für die Landtagsverwaltung sowie Arbeitsplätze für die Abgeordneten.

Am Sächsischen Landtag in Dresden ist ein kubusförmiger Erweiterungsbau geplant.
Mehr als 30 Jahre alte Technik „am Ende“
Auch im Innenhof kommt ein Gebäude dazu: ein Würfel mit einem großen Saal für Ausschüsse und öffentliche Anhörungen. Und das ist nur ein Teil des Projekts. Denn auch der bestehende Landtag muss grundlegend saniert werden. Leitungen, Haustechnik, nach mehr als 30 Jahren sei manches schlicht am Ende, sagt Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU): „Wir haben inzwischen teilweise Situationen, dass die Decke des Plenarsaals nicht gewartet werden kann, weil das Saalwartungsgerät kaputt gegangen ist.“ Verschiedenste Elemente seien jetzt an ihr technisches Ende geraten.
Landtag tagt neben Baustelle
Eine Hebebühne unter dem Landtagsboden wird gebraucht, um zum Beispiel die Fenster zu putzen oder Lautsprecher zu prüfen. Den Landtag einfach schließen und sanieren geht nicht. Das Parlament muss weiter tagen. Deshalb werden zunächst die Neubauten hochgezogen. Sie schaffen Platz, damit später Teile des alten Landtags nach und nach saniert werden können.
Und Platz fehlt Dierks zufolge heute ohnehin schon: „Aktuell sind ungefähr zwei Drittel bis drei Viertel der Bediensteten des Sächsischen Landtags in angemieteten Liegenschaften untergebracht.“ Die sollen künftig wieder direkt am Parlament arbeiten, auch könne der Freistaat so Mietkosten sparen. Gleichzeitig, sagt Dierks, habe der Landtag heute mehr Arbeitsgremien, etwa Untersuchungsausschüsse oder Enquete-Kommissionen. Auch dafür brauche es zusätzliche Räume.

Der sächsische Landtagspräsident Alexander Dierks (CDU) und die Abgeordneten tagen in den kommenden Jahren an einer Großbaustelle. (Archivbild)
Aktuell sind ungefähr zwei Drittel bis drei Viertel der Bediensteten des Sächsischen Landtags in angemieteten Liegenschaften untergebracht.
Alexander Dierks (CDU) | Sächsischer Landtagspräsident
Kritik kommt vom Bund der Steuerzahler
Den Sanierungsbedarf sieht auch der Bund der Steuerzahler. Sachsen-Chef Dirk Mohr stellt das Projekt nach rund zehn Jahren Planung nicht grundsätzlich infrage: „Dass der Bau modernisiert werden muss, das steht außer Frage, das bestreiten wir auch nicht.“ Kiritisch sehe er die Größenordnung dieser Umbaumaßnahmen. Dass für mehr als 100 Millionen Euro ein zusätzlicher Erweiterungsbau, ein Kubus in den Innenhof, geplant wird, sei dem sächsischen Steuerzahler „eigentlich nicht vermittelbar“.
Mohr fordert auch, während der langen Bauzeit immer wieder zu prüfen: Was ist wirklich nötig und wo lässt sich noch sparen.
Baubudget von 450 Millionen Euro
Gut 320 Millionen Euro sind derzeit als Baukosten veranschlagt. Dazu kommen knapp 130 Millionen Euro für mögliche Kostensteigerungen während der elfjährigen Bauzeit. Wird dieser Puffer vollständig gebraucht, wären es insgesamt rund 450 Millionen Euro. Dierks hält dagegen: Die Risiken seien dieses Mal bewusst von Anfang an eingepreist.
Dierks glaubt, dass der Freistaat dieses Großprojekt im Kostenrahmen halten kann: „Ich bin mir relativ sicher, dass es gelingt, hier zu zeigen, dass die öffentliche Hand bauen kann und dass die öffentliche Hand auch kosteneffizient bauen kann.“ Bis alles fertig ist, dauert es allerdings: Laut Planung ist der Landtag 2037 komplett saniert und umgebaut.
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MDR (wim)